MARKTHEIDENFELD

Die ersten Jahre der Motorisierung

Als ein Automobil noch eine Sensation war: Das Historische Foto entstand in Marktheidenfeld, zeigt aber kein hier zugelassenes Fahrzeug. Das Foto ist etwa 1908 oder wenig später aufgenommen worden, und zwar in der Mitteltorstraße vor der Greß’schen Schmiede, die damals bei Bedarf auch Autos repariert hat. So selten war das Ereignis, dass man sich stolz, selbstbewusst und neugierig dem Fotografen stellte. Vom Betrachter aus rechts vom Wagen steht – mit Kappe und Schnurrbart – der Schmied Johann Greß, rechts neben dem Mädchen mit Hut Karl Greß und ganz rechts Heinrich Greß. Dahinter ist das heutige „Bräustüble“ zu erkennen. Die Zulassung IZ (eine römische 1 und Z) wurde in der (preußischen) Rheinprovinz vergeben. Foto: Repro: Deubert

Vor einiger Zeit erschien hier ein Beitrag darüber, auf wen vor 100 Jahren im Sprengel des Bezirksamtes (Landkreises) Marktheidenfeld ein Kraftfahrzeug zugelassen gewesen ist. Es waren zehn Motorräder und vier Automobile. Der heutige Beitrag versucht, die seinerzeit nur namentlich aufgelisteten Fahrzeughalter etwas näher zu fassen.

Max Lermann aus Marktheidenfeld als Halter eines Motorrades ordnet Christian Knittel vom Historischen Verein der damaligen Bürgerbräu in der Mitteltorstraße zu. Die Bürgerbräu ist später von der Martinsbräu übernommen worden. Von der Bürgerbräu ist nur ihr „Bräustüble“ erhalten geblieben.

Ebenfalls ein Motorrad war zugelassen auf Wilhelm Vollhardt, Marktheidenfeld. Vollhardt war Kaufmann und hatte sein Geschäftslokal an der heutigen Petzoltstraße. Das Geschäft ist übernommen worden von der inzwischen ebenfalls längst erloschenen Firma Leder-Hauck.

Zu Karl Deeg aus Hafenlohr als Halter eines Motorrades notiert Knittel „in Marktheidenfeld Motorrad-Werkstatt an der Würzburger Straße, ortsauswärts vor der evangelischen Kirche“, zu Felix Maier, Lengfurt, notiert er „Brauerei Maier-Schedel“ und zu Michael Pfister, Marktheidenfeld, „Sägewerk“.

Heinrich Martin, Marktheidenfeld, ein weiterer Besitzer eines Motorrades, lebte von 1856 bis 1915. Mit seinem Bruder Georg hat er 1883 die Martinsbräu gegründet. Den maßgeblichen Hinweis zu Semi Dorfzaun als Halter eines Motorrades konnte Altbürgermeister Leonhard Scherg geben, weil er sich mit der Geschichte der Juden im Raum Marktheidenfeld beschäftigt hat. Semi Dorfzaun war 1912 bis 1914 Religionslehrer für die jüdischen Gemeinden Homburg, Marktheidenfeld und Karbach mit Wohnsitz in Karbach. Nach einer Internet-Recherche stammte Dorfzaun aus Fischach in Schwaben und war 1905/1906 Schüler der Israelitischen Präparanden-Schule Burgpreppach bei Hofheim.

Ein Motorrad war auf Martin Aurich, Marktheidenfeld, zugelassen. Aurich, Jahrgang 1887, stammte aus Ochsenfurt und kam 1908 als Leiter der Gemeindeverwaltung nach Marktheidenfeld. Nach der alten Aufstellung gab es dann mit Andreas Dyroff, Kreuzwertheim, und Karl Berger, Stadtprozelten, noch zwei weitere Halter von Motorrädern in Bezirksamtssprengel Marktheidenfeld. Dyroff könnte Holzhändler gewesen sein, zu Berger ist noch nichts bekannt.

Als Halter von Autos werden vor 100 Jahren im Bereich des Bezirksamtes Marktheidenfeld nur die Pulverfabrik Hasloch, das Zementwerk Wetterau, Lengfurt, Georg Mayr, Marktheidenfeld, und Oskar Wildner, Urspringen, geführt. Über Wildner gibt es bisher keine weitere Information.

Zur ehemaligen Pulverfabrik Hasloch erklärt die Homepage der Gemeinde Hasloch im Internet: Bereits 1710 werde eine Bartelsmühle im Haselgrund erwähnt, aus der Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts eine große Pulverfabrik entstanden sei. Dort sei es 1926 und 1928 zu schweren Explosionen gekommen, die bis zu 30 Menschen das Leben gekostet hätten. 1948 bis 2007 gab es auf dem Gelände der ehemaligen Pulverfabrik die Möbelfabrik Hainke, inzwischen ist das Areal in die Gießerei Kurtz einbezogen worden.

Die Zementfabrik Wetterau, Lengfurt, ist 1899 als „Portlandzementwerk Wetterau‘“ gegründet worden und gehört heute als Zementwerk Lengfurt zur HeidelbergCement AG.

Wenn schließlich vor 100 Jahren Georg Mayr, Marktheidenfeld, als Kfz-Halter genannt wird, dann dürfte es sich bei dem Kraftfahrzeug um den LKW der Martinsbräu gehandelt haben. Der Bierbrauer Georg Mayr, geboren 1883 in Straubing, heiratete 1912 die Tochter Hedwig des Brauereibesitzers Heinrich Martin. Die Firmenchronik berichtet, dass 1914 vier Pferdegespanne und der erste Lkw das Bier der Martinsbräu ausgeliefert hätten.

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