MITTELSINN

Die helfenden Hände aus Mittelsinn

Helferin Ulrike Herr (rechts) kommt gerade von der Einkaufsfahrt, verbunden mit dem Apothekenbesuch, mit der ältesten Bürgerin Mittelsinns, der 93-jährigen Anneliese Paul zurück.
Helferin Ulrike Herr (rechts) kommt gerade von der Einkaufsfahrt, verbunden mit dem Apothekenbesuch, mit der ältesten Bürgerin Mittelsinns, der 93-jährigen Anneliese Paul zurück. Foto: Foto:Jürgen Gabel

„Hallo Raimund, hier ist die Elfriede. Mein Rasen dürfte wieder mal gemäht werden.“ So oder ähnlich geht ein Hilferuf auf dem Kontakttelefon der Hilfsaktion „Die helfende Hand – Mittelsinner Bürger für Mittelsinner Bürger“ ein. Nach der Gründung im Jahr 2008 kann die segensreiche Initiative auf nunmehr zehn Jahre soziales Engagement im Dorf zurückblicken.

In Zeiten gesellschaftlicher Veränderungen sind immer mehr Menschen auf sich allein gestellt und gemeinnütziges Engagement ist gefordert. Jeder kann in eine Notsituation gelangen und Hilfe benötigen. Die Idee einer Hilfsorganisation wurde bei der „Thekenmannschaft Zur Krone“ geboren. „Wie können wir alleinstehende ältere Bürger unterstützen?“, war das Diskussionsthema – und schnell war die Initiative unter der Trägerschaft der Gemeinde aus der Taufe gehoben.

Gruppe aus 20 Helfern

Das Angebot umfasst unterschiedliche Hilfen im Alltag wie beispielsweise Einkaufsfahrten nach Burgsinn (Lkr. Main-Spessart). Aber nicht weiter, unterstreicht Raimund Gayer, der Chef der rund 20-köpfigen Gruppe im Alter von 18 bis 70 Jahren, „denn dort gibt es alles“. Oftmals wird der Einkauf mit einem Arzt- oder Apothekenbesuch verbunden. Fahrten zu den Fachärzten bis zu 35 Kilometer Entfernung werden oft nachgefragt. Der Einsatz kann hier schon mal drei Stunden dauern. In der Urlaubszeit wird auch der Gießdienst des Familiengrabes übernommen oder älteren Herrschaften aus der Zeitung vorgelesen oder einfach mal geplaudert und zugehört. Beim Rasenmähen sind besonders die Männer gefordert. Da ist schon mal ein Einsatz mit drei Personen notwendig, die mit ihren Geräten anrücken. Im Winter wird in der Früh Schnee geräumt und am Neujahrsmorgen beseitigen die Helfer die Silvesterüberbleibsel um die Linde.

Die unbürokratischen Einsätze sind für die Bürger kostenlos, stellt Klaus Eck, der Kassier der Initiative fest. „Aber die meisten Leute drücken uns eine Spende in die Hand und meinen schmunzelnd: ,Dein Auto fährt ja auch nicht mit Weihwasser‘.“ Der gewünschte Einsatztermin sollte mindestens zwei Tage vorher auf dem Einsatztelefon (Tel. 09 356/55 31) gemeldet werden, erklärt Raimund Gayer.

Auch eine unkonventionelle Bitte findet ihre Lösung: So konnte eine Frau ihren geliebten Seniorentag in der Turnhalle nicht mehr besuchen, da diese nicht behindertengerecht erreichbar ist. Flugs trugen die Helfer die im Rollstuhl sitzende Bürgerin die Treppe hoch und der soziale Austausch war gerettet. „Wir haben auch schon Hochbeete repariert, Hecken geschnitten, Unkraut gezupft, Briefe verfasst, Brennholz in die Wohnung getragen, im Haushalt unterstützt, Obstbäume ob der vielen Äpfel gestützt, einen Dachziegel erneuert oder einmal sogar das Dach gesäubert“, erzählt Burkhard Herr, der nach seinem Renteneintritt vor zwei Jahren sofort der „Helfenden Hand“ beitrat. Die erforderlichen Arbeitsgeräte wie Rasentraktor und -mäher, elektrische Heckenschere und Motorsense hat sich die Initiative von den Spenden geleistet.

„Wir lassen uns nicht ausnutzen“

„Aber wir haben auch schon mal eine Dienstleistung abgelehnt, wenn zum Beispiel die Kinder in der Nähe wohnen“, erklärt Gayer. „Wir lassen uns nicht ausnutzen.“ Von rund 40 Einsätzen im Jahr 2013 haben sich diese auf jährlich rund 25 reduziert. „Die älteren Bürger sterben einfach weg.“

2014 wurden die Mittelsinner von einem Drogeriemarkt für ihr Engagement ausgezeichnet und erhielten den Siegerpreis von 1000 Euro. Der Werbeauftritt zum „Zehnjährigen“ bei der Kirchweih fand zwar nur wenig Zuspruch – aber die Spendenbox war trotzdem gut gefüllt. Eine ältere Dame wünschte sich zu ihrem 80. Geburtstag einfach nur Geld und spendete dann 700 Euro. Raimund Gayer freut sich, dass sich immer wieder Bürger melden, um sich bei der Gruppe aktiv einzubringen.

Die 85-jährige Elfriede Meyer ist dankbar, dass die Männer der „Helfenden Hand” ihre Rasenpflege übernommen haben. Von links: Raimund Gayer, Klaus Eck und Burkhard Herr.
Die 85-jährige Elfriede Meyer ist dankbar, dass die Männer der „Helfenden Hand” ihre Rasenpflege übernommen haben. Von links: Raimund Gayer, Klaus Eck und Burkhard Herr. Foto: Jürgen Gabel

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