Gambach

Doktor Bettnässer und der Karlstadter Sheriff Brune

Seit Beginn der Gambacher Fastenpredigt derbleckt Werner Hofmann als Bruder Barnabas nicht nur die heimischen Politiker.
Seit Beginn der Gambacher Fastenpredigt derbleckt Werner Hofmann als Bruder Barnabas nicht nur die heimischen Politiker. Foto: Günter Roth

Die Fastenpredigt in Gambach ist mal pfiffig, mal unterhaltsam, aber auch mal derb. In diesem Jahr feierte das Publikum in der vollbesetzten Musikhalle den gnadenlosen Fastenprediger Bruder Barnabas, den bestens aufgelegten alternativen Volksrocker Matthias Walz und die unvergleichliche bayerische Mädelsgruppe "Wellküren" mit jeweils stehendem Applaus. An diesem Abend passte einfach alles zusammen: das Programm, die Organisation, der Moderator Bernhard Hahn und die Blasmusik der "Gambacher Spätlese" unter Dieter Baier. Gastgeber war zum siebten Mal die Karlstadter SPD.

Der Bayerische Defiliermarsch läutete die erste Runde ein, und Werner Hofmann machte als Bruder Barnabas nicht nur dem Publikum, sondern vor allem den derbleckten Politikern schonungslos Dampf, obwohl das zunächst kaum nötig war, wurden doch schon im Vorfeld Landrat Thomas Schiebel und Karlstadts Bürgermeister nur sehr verhalten begrüßt, sogar vereinzelt ausgebuht. Und Bruder Barnabas bohrte unbarmherzig nach. Theresa May in London sei bereit, für ihre Ziele ihren Chefposten opfern: "Grüß Gott Herr Bürgermeister Kruck!", und er setzte nach: "Wenn Sie solche Ziele hätten, würden wir uns auch auf diesen Deal einlassen."

Krankenhaus zurückkaufen?

Einmal mehr haute der kämpferische Fastenprediger dem Landrat das Krankenhaus um die Ohren. Stundenlangen Wartezeiten in der Notaufnahme, der Kostenanstieg: Das Karlstadter Krankenhaus war nicht mehr zu finanzieren, aber in Lohr ist das kein Problem. Natürlich durfte auch der geschasste Klinikreferent nicht fehlen. "Mit Dr. Bett hat es sich ausgebettet, er sollte alles in trockene Tücher bringen und ist jetzt doch nur Dr. Bettnässer." Das Brexit-Drama wäre auch ein Vorbild fürs Krankenhaus: "Mir sollten nochmal abstimmen . . . und nochmal abstimmen - sooo lange bis wir nicht mehr wissen, worum's geht. Vielleicht könnten wir ja auch unser Karschter Krankenhaus zurückkaufen!"

Die Wellküren aus dem bayerischen Süden mischten sogar zu fortgeschrittener Stunde die vollbesetzte Gambacher Musikhalle auf.
Die Wellküren aus dem bayerischen Süden mischten sogar zu fortgeschrittener Stunde die vollbesetzte Gambacher Musikhalle auf. Foto: Günter Roth

Seitenhiebe gab es für städtische Gutachter zur Innenstadtbelebung in Karlstadt, für die erfolglose Turmkaufhaus-Nachfolge. Auch die gastgebende Karlstadter SPD bekam ihr Fett weg: Sie habe zwar die Kapuzinerstraße in "Rote Allee" umtaufen, sich aber beim Bestattungsunternehmen Niklaus bereits Grabsteine zeigen lassen. Die Partei kommt ihm vor wie eine Schlecker-Filiale, die man zu schließen vergessen habe.

Auf Händen getragen wurde stattdessen die Staatssekretärin Anna Stolz aus Arnstein, die es nach dem fliegenden Wechsel zu den Freien Wählern im Eiltempo bis in die Staatsregierung geschafft hat. "Des is so, wie wenn du im Lotto gewinnst und hast gor net gspielt!" Matthias Walz sattelte noch kräftig auf die Lobeshymnen drauf. "O Anna, Göttin der Lokalpresse, ohne dich ist es so langweilig!", sang er und setzte nach: "Seit die Orchidee des Werntals nicht mehr für uns blüht, gibt es keinen Grund mehr, die Main-Post zu lesen!"

Krucks dritte Amtszeit

Ansonsten gebe es außer neuen Mülltonnen nicht viel Neues im Landkreis, dem "Sinnbild für Entschleunigung und ohne Prominente", so Walz. Steilvorlage war allerdings die am selben Abend von Paul Kruck genährte Vermutung, dass er für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister zur Verfügung stehe: Der Paule würde ja eigentlich so gerne aufhören, aber es gibt halt keine gescheiten Alternativen - alles bloß Grattler! Einen pfiffigen Song hatte der Karlstadter Barde auch über den gefürchteten "Sheriff" Kai-Uwe Brune vom Karlstadter Ordnungsamt dabei: Vor dem würden sogar Chuck Norris oder Clint Eastwood zittern. Brunes Motto sei: "Es is net immer Applaus, wenn's klatscht!"

Den verrückten Reigen rundeten die wilden Weiber aus dem bayerischen Süden ab. Die "Wellküren" schwärmten als die "Spice-Girls des Donauraums" von der beruhigenden Wirkung der Stubenmusik. "Wenn der Putin Harfe spielen würde, wäre der aufgeräumt. Für Tump wäre aber schon die Triangel eine echte Herausforderung!" Die Wortführerin Moni Well fährt angeblich so wie sie spricht, vor allem wenn sie sich in Rage redet: "verbale Inkontinenz". Darunter sind auch kluge und hochpolitische Gedanken, etwa wenn sie über die Idiotisierung des Abendlandes schimpft, eine Gegenbewegung zu den Europagegnern fordert oder provoziert: "Was grenzt an Dummheit? - Mexico und Kanada!"

Die Bayerische Bierkönigin Johanna Seiler aus Möttingen eröffnete die 7. Gambacher Fastenpredigt souverän mit einem zünfstigen Bieranstich.
Die Bayerische Bierkönigin Johanna Seiler aus Möttingen eröffnete die 7. Gambacher Fastenpredigt souverän mit einem zünfstigen Bieranstich. Foto: Günter Roth

Im Übrigen gab es viel herrliches Geblödel von den Well-Mädels. über Mode-Apps und Probleme beim Online-Kleiderkauf - und natürlich über die nordbayerischen, mehr oder weniger geliebten fränkischen Geschwister, die zurzeit mit Markus Söder die Staatskanzlei dominieren.

Dreistündiges Geblödel

Gut drei Stunden lang dauerte das Programm in der Gambacher Musikhalle. Trotzdem gab es keinen einzigen Hänger, keinen Augenblick der Langeweile. Deshalb gab es auch dreimal lang anhaltenden, stehenden Applaus für die Künstler, in den man getrost auch die tolle Blaskapelle der "Gambacher Spätlese" und den pfiffigen Moderator Bernhard Hahn mit einbeziehen durfte. Selbstverständlich gehört auch ein zünftiger Bieranstich zu einer Fastenpredigt. Diesen erledigte souverän die Bayerische Bierkönigin Johanna Seiler aus Möttingen (Lkr. Donau-Ries).

Pfiffig, frech und mit spritziger Musik machte sich Matthias Walz Gedanken über das örtliche Geschehen.
Pfiffig, frech und mit spritziger Musik machte sich Matthias Walz Gedanken über das örtliche Geschehen. Foto: Günter Roth

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