ANSBACH

Drohnen sollen Rehkitze vor Mähdreschern retten

Eine Multicopter-Drohne im Testflug über einer Wiesenfläche. Mit ihrer Hilfe kann das Leben junger Rehkitze gerettet werden. Foto: Günter Reinwarth

Die Rapsfelder stehen in voller, gelber Blüte. Am Waldrand sind ein paar Rehe zu ihrer zweiten Äsungsperiode ausgetreten. Ob sich bei den Tieren auch Ricken befinden, lässt der Blick durch das Fernglas nicht eindeutig erkennen – die Wahrscheinlichkeit ist jedoch groß.

In diesen Wochen bringt das weibliche Rehwild nach neunmonatiger Tragzeit seine Kitze zur Welt. Oft legen die Tiere ihren Nachwuchs im hohen Wiesengras ab – was für die „Neugeborenen“ während der ersten Lebenstage nicht ungefährlich ist. Mit einem natürlichen Fluchtinstinkt sind sie noch nicht ausgestattet. Sie ducken sich von einer herannahenden Gefahr. Vor allen sind es landwirtschaftliche Mähwerke, denen Jahr für Jahr in der Bundesrepublik tausende Rehkitze zum Opfer fallen.

Mit ähnlichen Gedanken befasst sich auch eine kleine Gruppe von „Kitzrettern“, die sich im Ansbacher Jagdrevier am Rande eines großen Wiesengeländes versammelt haben. Initiator des Treffens ist die Kreisgruppe Marktheidenfeld im Bayerischen Jäger- und Jagdschutzverband (BJV) mit ihrem Vorstandsmitglied Marc Deivel. Als sachkundige Beobachter sind Jagdberater Hubert Helfrich vom BJV Lohr in Vertretung der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt und Rodens zweiter Bürgermeister Stefan Weyer, der selbst aktiver Jäger ist, mit vor Ort.

Teure Anschaffung aus der Vereinskasse

Dem BJV Marktheidenfeld war zu Ohren gekommen, dass im Norden Baden-Württembergs durch den Einsatz von Drohnen mehr als hundert Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt werden konnten. Ob dieser überraschenden Nachricht hatten sich die Marktheidenfelder BJV-Oberen ebenfalls zur Anschaffung einer solchen, nicht ganz billigen Drohne entschieden. Mehr als viertausend Euro mussten sie aus der Vereinskasse auf den Tisch legen – Geld, das es dem BJV wert war, weil es um die Rettung von Rehkitzen ging.

Bevor das Team in der Ansbacher Flur Augenzeuge in Sachen „Kitzrettung aus der Luft“ wurde, baute Marc Deivel zunächst ein futuristisch anmutendes Fluggerät samt Zubehör auf. Nach wenigen Minuten hieß es „Start frei für den fliegenden Wildretter“.

Wärmeflasche als Testobjekt

Marc Deivel ließ am Steuerpult die Drohne über einer Wiese schweben, in der gerade mal einen Steinwurf entfernt eine Wärmflasche als Demo-Objekt „hinterlegt“ war. Die Temperatur, die die Wärmebildkamera von diesem „Kunstobjekt“ aufnahm, entsprach in etwa der Körpertemperatur eines Rehkitzes. Das Demo-Objekt war deutlich auf dem Bildschirm zu sehen – „im richtigen Leben“ hätte man den Wildkörper des Vierbeiners ausmachen können.

Wird ein Kitz von der Drohne gefunden, wird es von einem Helfer, dessen Hände mit einem Handschuh oder mit einem Grasbüschel geschützt sind, vorsichtig geborgen und bis zu erneuten Aussetzung am Fundort in einem geschützten Behälter aufbewahrt. Die Kitzmutter, so wissen das Jäger, findet ohne Probleme wieder ihren Nachwuchs – die feine Nase macht‘s möglich.

Bislang in Main-Spessart einzigartig

Die nagelneue BJV-Drohne ist derzeit der einzige „fliegende Wildretter“ im Landkreis Main-Spessart. Die Fachwelt attestierte den allesamt ehrenamtlich tätigen Wildrettern mittlerweile viel Lob für ihren aktiven Tierschutz. Vermutlich wird die Drohne in den kommenden Wochen – zumindest bis Ende Juni – in mehreren Jagdrevieren zum Einsatz kommen. Die Piloten am „kleinen Steuerknüppel“ gehören allesamt dem Modelflug-Club Karbach an und verfügen über eine entsprechende Steuerpraxis an der Drohne.

Der Jagdschutzverband empfiehlt Landwirten oder Jägern zwei Tage vor einer Wiesenmahd unter Tel. (01 76) 63 36 56 80 Kontakt für die Vorbereitung des Drohneneinsatzes aufzunehmen.

Die Kreisgruppe hat für das Projekt ein Spendenkonto eingerichtet: BJV Marktheidenfeld, „Rehkitzrettung“, Sparkasse Mainfranken Würzburg, IBAN DE 69 7905 0000 0240 40 33 11.

Dieses Kitz hat die ersten Wochen nach der Geburt gut überstanden. Foto: Günter Reinwarth
Zusammen mit Bürgermeisterstellvertreter Stefan Weyer studiert Drohnen-Pilot Marc Deivel den Bildschirm.. Foto: Günter Reinwarth

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