ARNSTEIN

Edelstahl statt Fliesen

In die Jahre gekommen: Das Hallenbad in Arnstein ist dringend sanierungsbedürftig. Die Maßnahme soll fast vier Millionen Euro kosten.
In die Jahre gekommen: Das Hallenbad in Arnstein ist dringend sanierungsbedürftig. Die Maßnahme soll fast vier Millionen Euro kosten. Foto: G. Roth

Rund 3,9 Millionen Euro könnte die Sanierung des Arnsteiner Hallenbades kosten, wenn es nach den Vorschlägen der Architekten Rainer Kriebel und Erik Reitter geht. Die beiden stellten dem Stadtrat die Notwendigkeit einer Erneuerung und die Möglichkeiten vor. Kernstück soll dabei der Einbau eines Edelstahlbeckens anstelle des bisherigen Fliesenbelags sein.

Die gute Nachricht zuerst: Das beinahe 40 Jahre alte Hallenbad war seinerzeit eine ausgezeichnete Architektenarbeit und absolut zukunftsfähig, so die beiden Fachleute. Zwar sind die Betonelemente durch die starke Feuchtigkeit und die jahrelange Einwirkung des Chlors belastet, doch wurde die Tragekonstruktion insgesamt als in Ordnung beurteilt. Das Büro Grellmann, Kriebel und Teichmann betreut zurzeit auch die laufenden Arbeiten an der benachbarten Turnhalle.

Blinde Scheiben

Heutige Schwachpunkte der Anlage sind in erster Linie die Korrosionen am Beckenkörper aus Stahlbeton, die Schäden an den Betonbauteilen durch die chlorhaltige Luft und die Fliesenschäden. Dazu kommen die verbrauchten Glasfassaden mit blinden Scheiben, Kondenswasserbildung und Korrosion. Auch die Gebäudetechnik ist verbraucht, einschließlich der Armaturen und Rohrleitungen. Wie in den 1960/70er-Jahren üblich, entspricht auch der energetische Standard nicht den heutigen Ansprüchen.

Die Architekten schlugen dem Stadtrat eine Komplettsanierung vor, die neben der umfassenden Dämmung von Fassade und Flachdach eine Erneuerung der Heizungsanlage, der Beleuchtung und den Einbau einer effizienten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung vor.

Umkleidekabinen erhalten

Die Glasfassade soll mit Dreifachverglasung in chlorresistenter Konstruktion erfolgen. Zur besseren Akustik will man auch die Decken neu verkleiden. Im Umkleidebereich sind neben der Beleuchtung auch die Kleiderschränke neu zu gestalten. Die Umkleidekabinen aber werden als erhaltenswert betrachtet und sollen nach der Sanierung wieder eingebaut werden.

Das Bild des neuen Hallenbades würde demnach durch das Edelstahlbecken bestimmt, für das alleine schon 360 000 Euro eingeplant werden müssen. Es kann, so der Architekt Reitter, ohne besondere Baumaßnahmen in das bestehende Becken eingepasst werden. Dabei könnten Entwässerung, Einstiegshilfen, Beleuchtung, Startblöcke und Wassereinspeisung direkt ohne Zusatzarbeiten integriert werden. Abgeplatzte oder beschädigte Fliesen würden dann für immer der Vergangenheit angehören.

In der Gesamtzusammenstellung kamen die Planer auf eine Summe von 3,89 Millionen Euro brutto. Dabei seien aber Kosten für einen eventuellen Umbau der Sauna und dringend nötige Erneuerungen in der Gastronomie nicht enthalten. Darüber muss sich der Stadtrat noch gesondert eine Meinung bilden.

Stadtrat Fritz Suckfüll schnappte angesichts der hohen Zahlen sichtlich nach Luft. 3,9 Millionen Euro seien schon ein „Hammer“, sagte er und fragte nach billigeren Alternativen und ob da nicht ein Neubau günstiger wäre. Der aber würde rund 40 Prozent mehr kosten, so die Planer. Franz-Josef Sauer fragte nach technischen Bezügen und möglichen Synergien mit der benachbarten Turnhalle. Einig waren sich die Stadträte, dass das Hallenbad auch künftig in erster Linie ein Schul- sowie Schwimmbad und kein Spaßbad sein soll. Für zusätzliche Spiel-einrichtungen sei kein Raum vorhanden.

Energiekosten einsparen

Bürgermeisterin Linda Plappert-Metz informierte, dass im Moment keine Fördermittel für die Sanierung in Aussicht stünden. Sie will aber hier mit Nachdruck andere Quellen eruieren. Durch die energetischen Maßnahmen würde die Stadt auch erheblich an Energiekosten sparen, versprachen die Architekten. Mehr als 50 Prozent seien denkbar, da die Schwimmhalle zweieinhalbmal mehr Energie benötige als die Turnhalle. Für die Frage des weiteren Fortgangs und der Finanzierung muss zunächst ein allgemeiner Meinungsbildungsprozess beginnen. Ein Zeitplan wurde noch nicht ins Gespräch gebracht, die Umbauarbeiten würden aber mindestens ein Jahr dauern, hieß es.

Neuralgischer Punkt: Lose Fliesen und schadhafter Belag sind ein großes Problem im Hallenbad.
Neuralgischer Punkt: Lose Fliesen und schadhafter Belag sind ein großes Problem im Hallenbad.

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