GEMÜNDEN

Ehemaliger Schlecker wird Atelier und Galerie in einem

Kunst aus der Region: „Zerreißen“ heißt das Bild von Anja Jung aus Lohr, einer der „Treffpunkt Kunst“-Gründerinnen, von ... Foto: Brigitte Heck

Die meisten Künstler wollen ihre Arbeiten einer breiten Öffentlichkeit zeigen; in Gemünden geht eine Gruppe von Künstlerinnen weiter: Sie wollen gemeinsam arbeiten und sich dabei sogar über die Schulter sehen lassen. Die Feier zur Eröffnung dieses wohl in der Region einzigartigen Gemeinschaftsateliers „Treffpunkt Kunst“ beginnt am Samstag, 9. März, um 11 Uhr in der ehemaligen Schlecker-Filiale in der Friedenstraße. Die Bevölkerung und besonders Schulen sind dazu eingeladen. Bis 18 Uhr kann man sich im Atelier umsehen.

Schon zeigen die großen Schaufenster Gemälde und Plastiken, stehen im 140 Quadratmeter großen ehemaligen Laden Staffeleien und die Arbeitsutensilien der fünf Künstlerinnen Marlen Bald (Hofstetten), Brigitte Heck (Gemünden), Anja Jung (Lohr), Uschi Raithel und Sabine Weippert (beide Gemünden). Als Gastaussteller (und einziger Mann) ist zurzeit Michael Doerr aus Lohr dabei.

„Lauter glückliche Zufälle haben uns zusammengeführt“, sagt Marlen Bald strahlend. Die Idee stammt von Brigitte Heck und Uschi Raithel. Hobbykünstler wie sie haben sich oftmals zu Hause ein Atelier eingerichtet, so es der Platz zulässt. Für großformatige Arbeiten muss dann schon mal der Küchentisch umfunktioniert werden.

Ein richtiges Atelier mit viel Platz und Licht bleibt für viele ein Traum. Das bietet der ehemalige Schlecker-Laden in der Friedenstraße mit der langen Schaufensterfront und den vielen Leuchtstoffröhren. Er ist als Werkstatt und Galerie nahezu ideal zu nutzen.

Als Brigitte Heck das Vorhaben dem Vermieter vorstellte, willigte er sogleich ein. Allerdings ist eine nur einmonatige Kündigungsfrist vereinbart für den Fall, dass wieder ein Einzelhändler einziehen möchte. Um die Arbeit und Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen, fragten Heck und Raithel bekannte Kollegen. So fand sich das Quintett zusammen.

„Lauter glückliche Zufälle haben uns zusammengeführt.“

Marlen Bald Künstlerin

Seit Februar räumten die Frauen in ihrem neuen Domizil aus und um. Die Regale längs der Wände eigneten sich gut, die Bilder und Plastiken aufzunehmen, die übrigens auch zu erwerben sind. Die Stellagen im Raum wichen den Arbeitsplätzen. Sogar eine Haftpflichtversicherung ist abgeschlossen. Uschi Raithel hat diese Woche eine kleine Leseecke mit Magazinen und Büchern für die Besucher eingerichtet.

Noch ungeklärt ist die weitere Verwendung der riesigen Schlecker-Kasse, die nicht durch die Eingangstür entsorgt werden kann. Man könnte eine Platte auf das Ungetüm setzen und die Fläche als Kaffee- oder Teeküche nutzen. Oder natürlich als weitere Stellfläche für Bilder. Besuchern Kaffee oder Tee anbieten ja – Künstlercafé nein, ist sich das Quintett einig. Zunächst wird der „Treffpunkt Kunst“ jeden Dienstag von 15 bis 17 Uhr regulär geöffnet sein. Wenn eine oder mehrere Künstlerinnen zu anderen Zeiten anwesend sind und arbeiten, können sie ebenfalls öffnen und sich über die Schulter schauen lassen.

Das ist eine weitere Besonderheit am „Treffpunkt Kunst“: das offene Gemeinschaftsatelier – im Vorbeigehen das wechselnde Inventar der Schaufenster anschauen, vielleicht die Werkstatt betreten . . . ein einfacher Zugang zu Kunst. In dem ehemaligen Laden verbinden sich Atelier, Galerie, Kunstschule und offene Werkstatt.

Die Gastaussteller werden wechseln, diverse Veranstaltungen sind denkbar, außerdem will der „Treffpunkt Kunst“ Kurse und Workshops anbieten. Sabine Weippert und Michael Doerr zum Beispiel haben bereits Lehrerfahrung. Für besondere Veranstaltungen hoffen die Künstlerinnen auf Sponsoren, bei denen vielleicht im Gegenzug Ausstellungen organisiert werden könnten.

Ob das Projekt Zukunft hat? Marlen Bald, Brigitte Heck, Anja Jung, Uschi Raithel und Sabine Weippert sind guter Dinge. Sie verstehen sich, ihre unterschiedlichen Stile sprechen ein breites Publikum an, das offene Atelier kann eine erfolgreiche Außenwirkung haben. Wenn den Anwohnern im Bahnhofsviertel auch ein Ladengeschäft mit dem breiten Schlecker-Sortiment lieber wäre, so stärkt das Projekt in der Friedenstraße 19 immerhin Gemündens Ruf als Kulturstadt auf originelle Weise.

„Treffpunkt Kunst“: Am Samstag eröffnet ein Gemeinschaftsatelier in der Friedenstraße. Im Bild (von links) Gastausstelle... Foto: M. Fillies

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