Rothenbuch

Eichensaat im Spessart: Bald Immaterielles Kulturerbe?

Der Antrag ist gestellt: Auf Betreiben des Forstbetriebs Rothenbuch sollen die Eichensaat und -wirtschaft im Spessart zunächst in die Landesliste aufgenommen werden.
Eichensaat- und Eichenwirtschaft soll immaterielles Kulturerbe der Unesco werden. Das Projekt stellte Florian Vogel vor, Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Rothenbuch. Mit dabei: Judith Gerlach, bayerische Staatsministerin für Digitales (rechts) und Saat-Obfrau Ina Aulenbach aus Rothenbuch. Foto: Roland Pleier

Das Ziel: Die "Eichensaat und -wirtschaft im Spessart" soll als Weltkulturerbe der Unesco anerkannt werden. Der erste Schritt dafür ist bereits getan: Ende Oktober reichte der Forstbetrieb Rothenbuch der Bayerischen Staatsforsten den Antrag ein, in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen zu werden. Dort sind bislang 37 lebendige Traditionen aufgelistet, die erhalten werden sollen - von den Agnes Bernauer Festspielen in Straubing bis zum Zwiefachen (ein Tanz), vom Rothenburger Meistertrunk bis zur traditionellen Dörrobstherstellung und Baumfelderwirtschaft im Steigerwald. 

Bei einem Pressetermin Rothenbuch stellte Forstbetriebsleiter Florian Vogel das Projekt vor. Staatssekretärin Judith Gerlach (Aschaffenburg), studierte Juristin und an sich für Digitales verantwortlich, dokumentierte durch ihre Anwesenheit Unterstützung für dieses Projekt und ließ sich  unter anderem von Saat-Obfrau Ina Aulenbach erläutern, wie die Eichenwirtschaft vonstatten geht.   

Wieviele Eicheln die 500 Sammler im vergangenen Jahr abgeliefert haben

Damit es sich lohnt, Eicheln zu sammeln, braucht es ein Vollmastjahr wie 2018 eines war. Alle fünf bis zehn Jahre tragen die Eichen nämlich besonder viele Früchte. Dann wird die Bevölkerung im Hochspessart aufgerufen, Eicheln zu sammeln. Den ausgegebenen Sammelscheinen zufolge hätten im vergangenen Jahr rund 500 Menschen mitgemacht, so Vogel, und 750 Zentner Eicheln zusammengetragen. Entlohnt wurden sie mit 100 Euro pro Zentner.

Eicheln werden in Pflugfurchen eingesät

Viele Eicheln wurden dann in Pflugfurchen eingesät - wofür eine Handvoll Leute auf einem Hektar eingezäunter Ansaatfläche in der Waldabteilung Goldgrub (in der Nähe des Echterspfahls zwischen Weibers- und Mespelbrunn rund drei Stunden brauchten. Danach brauchen die Sprösslinge 25 bis 50 Jahre Pflege, damit die Eiche sich gegen konkurrierende Bäume durchsetzen kann, führte Vogel aus. 

Grade mal eine Handspanne gewachsen sind diese Eichensprößlinge, die im vergangenen Jahr eingesät wurden. Foto: Roland Pleier

Diese Art der Waldwirtschaft ist mehr als 200 Jahre alt. Dokumentiert wurde die Aussaat erstmals im Jahr 1795 in der Waldabteilung Eichling (zwei Kilometer nordwestlich von Bischbrunn), ein Jahr später in der Abteilung Weißerstein zwischen Rothenbuch und Weibersbrunn. Nur durch diese Art der Waldwirtschaft macht die Eiche im Hochspessart aktuell einen Viertel des Baumbestands aus.

Der Bürgermeister hat als Bub geschummelt

Natürlich unterstützt auch Rothenbuchs Bürgermeister Gerd Aulenbach den Antrag Als Bub sei er selbst "mit in die Eichel" gegangen und habe die Früchte der Eiche aufgelesen. "Jetzt kann man das ja sagen", gestand er Jahrzehnte später eine kleine Bauernlist: "Wir haben sie (vor dem Wiegen) ins Wasser gelegt, damit sie ein bisschen schwerer sind."

Die beteiligten Kinder bei der Sammelaktion seien begeistert gewesen, berichtet Saat-Obfrau Ina Aulenbach. "Die waren stolz, dass sie sammeln durften." Wie Vogel ergänzte, wurden jedoch nicht alle 750 Zentner ausgesät. Ein Teil wurde zum Pflanzgarten Bindlach (bei Bayreuth) gebracht, wo Pflänzchen groß gezogen werden, um im Februar gezielt im Spessart gesetzt werden. 

So ist das Procedere

Den 17 Seiten umfassenden Antrag, streng gegliedert und limitiert, hat Thomas Büttner vom Büro für Heimatkunde und Kulturlandschaftspflege aus Morschen im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis. Geprüft wird der Antrag von einem Gremium von Fachleuten - vom Historiker bis zum Geografen und Volkskundler. Das Ergebnis ist laut Vogel im Frühjahr 2020 zu erwarten. Schafft es die Eichensaat auf die Länderliste, kann sie für die Bundesliste vorgeschlagen werden. Über diese Anerkennung entscheidet dann - voraussichtlich Ende 2020 - die Kultusministerkonferenz. 

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