BURGSINN

Eierbecher: 476 kleine Objekte der Begierde

Wegwerfen oder sammeln? Diese Frage stellte sich Sigrid Meyer 1983 angesichts der vielen Eierbecher, die sich bei ihr angesammelt hatten. Die 22-Jährige packte damals ihre Sachen für den Umzug von Berlin nach Burgsinn, und die Entscheidung fiel zugunsten der Sammlung. Heute besitzt die 50-jährige Burgsinnerin 476 Eierbecher in allen Formen und Farben.

Das erste Stück der Sammlung ist der schlichte gelbe Becher aus dem Alltagsservice ihrer Eltern, sie wollte ihn einfach nicht in den Müll geben – den aus Porzellan von der Oma auch nicht. Meyers Mann Gerhard fand die Idee, diese kleinen Dinge zu sammeln, „witzig“. So hängte er bereitwillig das erste Regal in der Küche auf und gab damit den Startschuss für die Sammelung.

„Als sie das kauften, haben sie an mich gedacht.“

Sigrid Meyer über die Mitbringsel von Freunden

Nachdem Verwandte, Freunde und Bekannte von der Sammelleidenschaft der jungen Frau erfahren hatten, bedachten sie diese mit mehr oder weniger bunten Exemplare aus unterschiedlichen Materialien. „Richtig spannend“ ist, was da alles ankommt: Exemplare aus Kunststoff, Keramik, Silber oder weniger edlen Metallen füllen mittlerweile viele Regale.

Vor dem 50. Geburtstag, den sie im Juli feierte, zählte Sigrid Meyer 468 Eierbecher. Zu ihrem Ehrentag kamen acht Neue dazu, die auf den Regalen im Esszimmer, Küche, Flur und Treppenhaus Platz fanden. Sigrid Meyer hat sie nach Materialien geordnet, kein einziger Becher ist zweimal vertreten. Seit einigen Jahren schreibt sich die leidenschaftliche Sammlerin Datum, Herkunftsland und Namen des Spenders auf.

Mit vielen Eierbechern verbindet sie Erinnerungen: Besonders liegt der 50-Jährigen das Exemplar aus schön gemasertem Olivenholz am Herzen. Diesen hatte sie während einer Israelrundreise mit ihrer inzwischen verstorbenen Mutter entdeckt. „Wir haben mindestens zehn Minuten auf dem Fußboden gelegen und gesucht und verglichen“, erzählt sie. Auf dem Boden, weil der Schnitzer in Bethlehem seine Werke auf dem untersten Brett im Laden deponiert hatte.

Auf Reisen mit ihrem Mann, zum Beispiel ans Nordkap, nach Irland und Südfrankreich, wurde sie ebenso fündig. Außerdem freut sich Sigrid Meyer über jedes Mitbringsel von Angehörigen und Bekannten. „Als sie das kauften, haben sie an mich gedacht“, sagt sie.

Unter den geschenkten Stücken befindet sich ein mit Bambuszweigen verzierter, eher unscheinbarer Eierbecher aus Asien, auf dessen Boden eine Glaskugel liegt. Wenn man Wasser in den Becher füllt, räkelt sich auf seinem Grunde eine nackte Frau. Meyer mutmaßt, dass dieser Eierbecher ursprünglich als Schnapsglas für Sake diente. Als wahre Fundgrube erwies sich der Basar auf dem Afrikafestival in Würzburg. Dort entdeckte die Burgsinnerin Eierbecher aus Alabaster, aus Kork und Kisistein. Zu Eierbechern umfunktionierte Tiere wie Hühner, ein Kranich und Kühe tummeln sich auf den Regalen. Der wohl teuerste Becher stammt aus einem edlen russischen Service. Aber auch die Handarbeit ihres Vaters aus Metall sowie die ersten Töpferversuche einer Verwandten komplettieren die Sammlung. Sigrid Meyer liebt alle ihrer 476 Sammelobjekte und hat noch lange nicht genug: Sie wird weiter sammeln.

Metallarbeit: Dieses Stück ist ein Werk des Vaters.
Tierisches Exemplar: Und ein weiterer Hahn grüßt vom Regal.
Lieblingsstücke: Sigrid Meyer mit der Kuh und dem Hahn aus ihrer Eierbechersammlung. Foto: Inken Kleibömer

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