MÜHLBACH/HIMMELSTADT

Ein Jugendtraum wird wahr

Glücklicher Moment: Schon als 14-Jähriger wählte Thomas Doell (links) den Priesterberuf. Jetzt wurde sein Traum wahr: Bischof Roald Femestad (Mitte) weihte ihn für die Christ-Katholische Kirche. Foto: Nicole Holmer

Ein verheirateter Vater von zwei Kindern ist katholischer Priester. Geht das? Ja, es geht. Thomas Doell, Diplom-Theologe, Doktor der Philosophie und ehemaliger römisch-katholischer Priesterseminarist, wurde jüngst in München zum Priester geweiht. Er bleibt Ehemann, Vater, Persönlichkeitsscout, Unternehmens- entwickler und katholisch. Allerdings gehört er der Christ-Katholischen Kirche an. Sie folgt der urkatholische Glaubenslehre, verneint die Unfehlbarkeit des Papstes und lehnt den Zölibat ab (siehe Kasten).

„Ich bin glücklich, dass ich nie aufgegeben habe und meinen Lebenstraum verwirklichen konnte: Ich bin katholischer Priester“, erzählt mit fast jugendlicher Begeisterung Pastor Dr. Thomas Doell im Main-Post-Gespräch. Wobei er katholisch definiert mit allumfassend, das Ganze betreffend: „Ich hole Menschen da ab, wo sie sind. Sie sind nicht mehr in der Kirche. Sie sind am PC und am Smartphone, kommunizieren über Apps, SMS. Sie skypen und posten, schauen Soaps, X-Faktor und Superstar. Aber sie spüren Einsamkeit, Leere und Trostlosigkeit. Sie konsumieren Drogen und werden psychosomatisch krank.“

Ihm ist egal, welcher Konfession der Mensch angehört. Pastor Doell: „Es geht um den Glauben. Und ich frage ihn: Was brauchst Du, um glücklich und erfüllt zu leben?“

Thomas Doell, verheiratet, zwei fast erwachsene Kinder, Vorsitzender der gemeinnützigen Stiftung Sinnakademie, Buchautor und Unternehmensentwickler, lebt in Himmelstadt und hat sein Büro in Mühlbach.

Über sein Alter spricht er nicht. Er weigert sich, sich von der Einzigartigkeit eines jeden Menschen mit der Frage nach dem numerischen Alter ablenken zu lassen. Wer bestimmt denn, wer alt ist? „Jeder trägt Gott in sich. Jeder hat Träume. Und jeder kleine Schritt des Einzelnen wirkt auf die ganze Welt.“

Liebe zu Natur und Sport

Diese Philosophie fand der erzkonservativ-katholisch erzogene Bauernsohn aus der Nähe von Haßfurt in der Natur, in der er etwas Göttliches spürte. Die Liebe zu Natur und Sport – er läuft Marathon – hat sich bis heute bewahrt, und Doell fragt sich angesichts der vielen Stubenhocker vor den PC, wie die Kinder heute die Schöpfung begreifen sollen, wenn sie aus engen Räumen, umgeben von künstlichen Dingen, nicht herauskommen.

Mit 14 sah er seinen Lebensweg genau vor sich: „Ich holte das Abitur nach, trat ins Priesterseminar ein, lernte in drei Semestern Griechisch, Latein und Hebräisch. Ich war der schnellste und eifrigste Student.“ Doch dann kamen dem jungen Mann Zweifel an der Institution Kirche. Wollte er wirklich zölibatär leben? Wollte er ein ganzes Priesterleben in diesem römisch-katholisch-dogmatischen Korsett verbringen? Doell: „Ich hatte mich zu einem glühender Verfechter für die Freiheit des Glaubens entwickelt.“

Er stieg aus. „Zwei Jahre war ich ganz unten. Ich arbeitete als Tellerwäscher und Nachtportier. Ich weiß, was es heißt, kein Geld zu haben.“ Heute ist er ziemlich weit oben, auch dank seiner harten Lehrjahre ganz unten. Heute schreibt er Bücher über das Aufstehen und Durchhalten, darüber, sich nie aufzugeben, und über die Erkenntnis: Nur wer sich selber liebt, kann anderen Menschen Gutes tun. Sein siebtes Buch „Den Gewinner erkennst du nie am Start“ erscheint im Januar.

Mit 27 Jahren Unternehmer

Thomas Doell gründete mit 27 Jahren seine Unternehmungen. Sein Klientel sind Führungskräfte, Vorstände und Gesamtunternehmen. Vor Jahren fand Doell seine Möglichkeit, seine Berufung zu leben, und wurde Christ-Katholik. Sein Ziel, Priester und Missionar des Glaubens zu werden, sah Doell wieder vor sich. Er wurde Diakon und bereitete sich auf das Priesteramt vor. „Mir war wichtig, dass ich eine in Sukzession stehende Weihe erhielt.“

Geweiht: Thomas Doell, Familienvater in Himmelstadt, ist christ-katholischer Priester. Foto: Holmer

Am 17. November weihte Bischof Roald Flemestad aus Oslo den Diakon zum Priester. Für seine Kirche arbeitet Thomas Doell ehrenamtlich. In der Sinnakademie, der Doell vorsitzt, arbeitet der Pastor an vielen Projekten mit der Mission „Impulse für ein sinnvolles und glückliches Leben.“ Auch Trostspendung an Hinterbliebene und Hilfe bei Beerdigungen gehören zur Sinnakademie. Dietholf Schröder aus Karlstadt ist der verantwortliche Ansprechpartner.

Mit dem deutschen Rocksänger Peter Maffay möchte Thomas Doell einen Wertefilm für Jugendliche drehen. Die beiden Menschenfreunde fanden sich vor vier Jahren und denken über ein gemeinsames Projekt nach mit der Mission, „starke Menschen bestehen, harte Zeiten vergehen“. Sie haben es beide erlebt.

Christ-Katholische Kirche

Die Christ-Katholiken gehören in die Konfessionsfamilie der Altkatholiken. Sie bekennen sich zum katholischen Glauben, lehnen aber das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und den Pflichtzölibat ab. Die altkatholischen Kirchen wurden in Folge des ersten vatikanischen Konzils (1870) bei einem damaligen Kirchenvolksbegehren gegründet. Die Kirchen wurden bischöflich-synodal organisiert, wodurch den Laien weitgehende Mitbestimmungsrechte zuteil wurden.

 

Die Christ-Katholische Kirche in Deutschland ist eine Administratur der Nordisch-Katholischen Kirche in Norwegen. Gemeinsam bilden die Kirchen mit der Polnisch-Katholischen Nationalkirche (PNCC) in den USA die altkatholische Union von Scranton. Der Kirchenbund vertritt etwa 30 000 Christen in 150 Pfarreien in acht Ländern der Erde. Über die Mutterkirche PNCC gehören die Mitglieder seit 1948 dem Weltkirchenrat an. Seit 2006 besteht zwischen der PNCC und der römisch-katholischen Kirche eine Vereinbarung über die (eingeschränkte) Zulassung von Gläubigen der einen Kirche zu den Sakramenten der jeweils anderen Kirche.

 

Die apostolische Sukzession oder Nachfolge ist eine Selbstvergewisserung über die Treue der eigenen Kirche zur urchristlichen Tradition. Sie sieht die Kontinuität zwischen Urkirche und heutiger Kirche sowie der eigenen Konfessionskirche gewährleistet durch eine Kette von Handauflegungen, ausgehend von den Aposteln über viele Bischöfe vergangener Tage bis hin zu den heutigen Bischöfen. Während die Sukzession in den ersten christlichen Jahrhunderten nicht mit heutiger historischer Strenge nachweisbar ist, gilt sie ab dem 12. Jahrhundert als gesichert.

 

Informationen unter www.christ-katholisch.de; www.christ-katholisch-franken.de; www.sinnakademie.com

 

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