LOHR

Ein Kapitalist der alten Schule

Beklagt die Gier der Manager: Wolfgang Grupp bei seinem Vortrag in Lohr. Foto: Klaus Gimmler

Seine Auftritte sind Kult, manche bezeichnen ihn als den „Exzentriker von der Schwäbischen Alb“, ganz sicher ist er ein „Kapitalist der alten Schule“, einer, der Werte wie Respekt, Anstand und Disziplin von seinen Mitarbeitern fordert und der im Gegenzug sich dafür im hohen Maße für sie verantwortlich fühlt. Die Rede ist von Wolfgang Grupp.

Der 70-jährige Chef des Textil-Produzenten Trigema war am Montagabend auf Einladung der Raiffeisenbank Main-Spessart nach Lohr gekommen und referierte im Rexroth-Kasino vor den Kunden der Bank über die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmer für die Arbeitsplätze in Deutschland.

Viele kennen Wolfgang Grupp von einem TV-Spot, der kurz vor der Tagesschau gesendet wurde. „Ich kaufe nur bei Trigema und sichere diese Arbeitsplätze“, sagt ein im Anzug gekleideter Schimpanse mit Brille auf der Nase. Grupp kommt ins Bild und erklärt, er wolle auch in Zukunft nur in Deutschland produzieren. Die Botschaft ist klar: Während andere ihre Produktion ins Ausland verlagern, handelt hier ein Unternehmer verantwortungsbewusst für seine Mitarbeiter.

Diese Botschaft vermittelte er auch am Montagabend in Lohr. Er trat nach einer kurzen Begrüßung von Raiba-Vorstandsvorsitzenden Helmut Kraft ans Mikrofon. Von Beginn an erweckte er den Eindruck, hier redet ein Mann, der streng ist – zu seinen Mitarbeitern, aber auch zu sich selbst. Dazu trägt sein asketisches Aussehen bei – sein kantiges Gesicht, der sauber gezogene Scheitel und sein perfekt sitzender Anzug. Seine Stimme ist fest, seine Hände sind ständig in Bewegung – er redet eineinhalb Stunden frei und ist dabei nie langweilig.

Er wolle nicht belehren, sagt er eingangs. Er wolle nur beschreiben, wie er sein Unternehmen leitet, aber es ist klar, dass er seinen Weg als den einzig richtigen ansieht. Er beklagt das fehlende Pflichtgefühl der Manager, die ihre Arbeitsplätze ins Ausland verlegen und dafür verdiente Mitarbeiter entlassen. „Niemand muss mehr persönlich haften“, schimpft er. Er selbst steht mit seinem Vermögen für die Firma gerade. Als Beispiel für Misswirtschaft nennt er die Manager, die den Kauf der Hypo Alpe Adria zu verantworten hatten. Die hätten nicht so entschieden, wenn sie zumindest mit ihren Bezügen in Haftung gewesen wären.

Es ist die Kritik an Gier und Größenwahn von Managern, die ihn populär gemacht hat und die ihn zum begehrten Gast von Talkshows werden ließ. Globalisierung heißt für ihn: Erst die Pflicht im Heimatland erfüllen und dann zusätzliche Betriebe im Ausland eröffnen. „Firmen, die nur auslagern, haben versagt“, schimpft er.

Dabei wirkt er glaubhaft – auch wenn mancher ihm unterstellt, dass er seine Kritik vor allem deshalb zuspitzt, um seine Marke bekannt zu machen. Doch bei aller Kritik, es ist eine Tatsache: Grupp produziert immer noch Sport- und Freizeitmoden im schwäbischen Burladingen, während alle großen Textilhersteller ins Ausland abgewandert sind. „Trigema ist der größte Textilhersteller in Deutschland“, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu. „Trigema ist auch der letzte, da ist es einfach, der größte zu sein.“

Seit über 40 Jahren steht er an der Spitze der Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer“, die er 1969 von seinem Vater in dritter Generation übernommen hatte. Damals war der Familienbetrieb stark angeschlagen, doch Grupp konzentrierte sich auf Sport- und Freizeitkleidung. Seitdem hat das Werk nach eigenen Angaben kein Jahr mit Verlust abgeschlossen. Derzeit sind 1200 Mitarbeiter dort beschäftigt.

Natürlich könne er bei der Produktion von Massenware nicht mit Billiganbietern, die in Fernost produzieren, mithalten, sagt er. Er setzt daher auf Qualität und Flexibilität – und das mit Erfolg. Technisch hoch stehende Produkte dürfen nicht verlagert werden, so seine Botschaft. „Sie müssen in unserem Hightech Land produziert werden, damit wir nicht unser Know-how aus den Händen geben.“

Das Publikum spendet am Ende viel Applaus.

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