Obersinn

Ein Obersinner ist Orthopäde für Pferdehufe

Manuel Steets aus Obersinn, 31, ist eigentlich Heizungsbauer. Als das Pferd seiner Frau massive Hufprobleme hatte, begann er sich für Huforthopädie zu interessieren.
Huforthopäde Manuel Steets aus Obersinn bearbeitet hier den Huf von Pferd Pepper, dem Haflinger seiner Frau Christine. Foto: Björn Kohlhepp

Der Obersinner Manuel Steets zieht an einem kalten Morgen vor dem heimischen Pferdestall seine Lederschürze an, nebenan stehen vier robuste Dexter-Kühe auf der Weide. Der 31-Jährige nimmt ein Hufmesser in die Hand, geht in die Knie, schnappt sich einen Huf von Pferd Pepper und fängt an, daran herumzuschneiden. Der Haflinger-Wallach hält völlig still. Mit einer Raspel gibt es den Feinschliff. Hufeisen trägt Pepper nicht.

Steets ist eigentlich Heizungsbauer. Aber nebenher hat er sich zum Huforthopäden ausbilden lassen. Und das kam so: Der 18-jährige Pepper, das Pferd seiner Frau Christine, hatte vor vier Jahren Hufprobleme. Konkret war es ein tiefer, sich weit hoch ziehender Riss im Huf. Mehrere Hufschmiede und Hufpfleger hätten nicht helfen können, es sei sogar eher schlechter geworden, erzählt Steets. "Der hat halt so Hufe", habe es geheißen. Der Obersinner wollte sich damit aber nicht zufrieden geben. "Ich als Laie habe gesehen, dass das kein normaler Huf ist."

Seifriedsburger ist Huforthopäde in NRW

Hilfe kam von einem Bekannten aus Seifriedsburg, der vor Jahren nach Nordrhein-Westfalen gezogen war und dort einen Pferdehof leitet. Der hatte damals schon die Ausbildung zum Huforthopäden und kam ein Jahr lang nach Obersinn und kümmerte sich um Pepper. Schon nach sechs, acht Wochen, so erzählt Steets, hätten sich die Hufprobleme verbessert.

Mit einer Raspel bekommt der Huf den Feinschliff. Foto: Björn Kohlhepp

Steets begann sich selbst für die Huforthopädie zu interessieren. Vor der Ausbildung machte er zunächst einen zweitägigen Hufkurs. Von 2017 bis 2019 absolvierte er schließlich selbst die Ausbildung zum Huforthopäden und fuhr dafür an 20 Wochenenden einfach 400 Kilometer von Obersinn zu einem Gnadenhof in Belgien, wo diese von einer deutschen Schule für Huforthopädie angeboten wurde. Es gab eine Zwischen- und eine Abschlussprüfung und es musste ein Berichtsheft geführt werden, erzählt der Huforthopäde. Er war einer von zwei Männern unter den 15 Teilnehmern. Viele hätten die Ausbildung nur für die eigenen Pferde gemacht.

Ziel der Huforthopädie: Der Huf soll gleichmäßig belastet werden

Als Ziel bei der Huforthopädie, einer relativ neuen Form der Hufbearbeitung am unbeschlagenen Pferd, nennt der 31-Jährige die gleichmäßige Belastung jedes Hufs beim Auftreten. Dies soll nicht durch abrupte, sondern durch schonende Änderungen am Huf erreicht werden. Das Pferd soll ihn sich dabei so ablaufen, wie es der Huforthopäde will und wie es für den Zustand des Hufs als richtig erachtet wird. Die Begutachtung und Bearbeitung finde im Rhythmus von vier bis fünf Wochen statt. "Der Huf spricht mit einem, da kannst du viel rauslesen", ist Steets überzeugt.

Eine fehlende Hufbearbeitung könne zu chronischen Erkrankungen wie Verknöcherung, Arthrose oder Knochenrückbildung führen, erklärt Steets. Das sehe man dann daran, wie ein Pferd laufe. Wildpferde liefen Dutzende Kilometer am Tag, das könnten Hauspferde in der Regel nicht. Die Haltung, aber auch die Rasse der Pferde spiele eine Rolle. So seien Isländer als alte Rasse weniger anfällig, während Friesen schon überzüchtet seien. Wenn ein Freizeitpferd nicht gerade Kutschen ziehen soll, dann brauche es kein Eisen, so Steets. 

Mehr Nachfrage als Zeit

In zwei Jahren hat sich der Obersinner einen Kundenstamm aufgebaut, der bis nach Tauberbischofsheim reiche. Alle vier, fünf Wochen ist er wochenends zu den Kunden unterwegs. Er legt sich auch schon mal auf den Boden, um die Hufe genau in Augenschein zu nehmen. Bearbeitet wird der Huf hauptsächlich von außen, in seiner Breite. Er habe mehr Anfragen, als er neben seinem Heizungsbaubetrieb annehmen könne, sagt Steets. Ums Geld gehe es ihm dabei nicht. "Das Allerwichtigste ist, dem Pferd zu helfen."

Im Umkreis von 50 Kilometern sei ihm kein weiterer Huforthopäde bekannt, nur in Schweinfurt gebe es eine Kollegin. Doch das könnte sich demnächst ändern. Der Grieshof im nahen Zeitlofs (Lkr. Bad Kissingen), einem Gnadenhof für Pferde, soll ab dem Sommer ein neuer Ausbildungsstandort für Huforthopäden werden. Zehn bis zwölf Anmeldungen seien für die geplanten Wochenendkurse nötig. Eine Ausbildungsstaffel würde zwei Jahre dauern. Steets wäre als Ausbildungsassistent dabei, irgendwann vielleicht auch als Ausbilder.

Haflinger Pepper hat wieder gesunde Hufe

Was hat die Behandlung bei dem Haflinger Pepper gebracht? Steets erzählt, dass der jetzt wieder gesunde Hufe habe und ganz normal geritten werden könne. Anders sieht es beim zweiten Pferd seiner Frau, der ebenfalls 18-jährigen Stute Apanachi, genannt "Api", aus. Wegen einer chronischen Erkrankung aufgrund falscher Hufbearbeitung habe sich deren Knochenbau verändert. Das Gehen ging nur unter Schmerzen, an Reiten war nicht zu denken. Immerhin sei sie durch richtige Pflege jetzt so weit, dass sie wieder normal und schmerzfrei laufen und sogar ab und zu geritten werden könne. Bei ihrem veränderten Knochenbau sei das das Optimum.

Wer sich für die Ausbildung in Zeitlofs interessiert, findet, wenn die Planung steht, Informationen unter www.hufortho-schule.de

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