KARLSTADT

Ein Partner auf Augenhöhe

Stärke durch Nähe: In einer Podiumsdiskussion sprachen Vertreter von Genossenschaften im Karlstadter Klempnermuseum über den Stellenwert und die Zukunft von Genossenschaften. Im Bild (von links): Theresia Theurl, Landrat Thomas Schiebel, Moderatorin Nicole Then, Wolfgang Kirch (DZ Bank) und Helmut Kraft, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Main-Spessart.
Stärke durch Nähe: In einer Podiumsdiskussion sprachen Vertreter von Genossenschaften im Karlstadter Klempnermuseum über den Stellenwert und die Zukunft von Genossenschaften. Im Bild (von links): Theresia Theurl, Landrat Thomas Schiebel, Moderatorin Nicole Then, Wolfgang Kirch (DZ Bank) und Helmut Kraft, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Main-Spessart. Foto: Günter Roth

Zu einem Fachvortrag zur Situation der Genossenschaften im Jahr 2012 und einer Podiumsdiskussion mit Vertretern der Wirtschaft, Wissenschaften, Banken und der Politik hatte die Raiffeisenbank Main-Spessart in das Klempnermuseum in Karlstadt eingeladen. Die Moderation übernahm die ehemalige Deutsche Weinkönigin, Nicole Then vom Funkhaus Würzburg.

Mit „Stärke durch Nähe“, überschrieb Professor Dr. Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen der Wilhelms-Universität Münster, ihren Vortrag über die Situation der Genossenschaften in unserem Land. „Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben sich Genossenschaften mehr als bewährt, denn Genossenschaften sind anders!“, so die Grundthese von Theurl. Durch ihre Verankerung in der Region und in der Bevölkerung gebe es auch in diesem Jahr zahlreiche Neugründungen in zukunftsorientierten Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen.

Drei Gründe sieht die Professorin für diese Stärke. Der wichtigste vorweg: Die Eigentümer sind Mitglieder und in der überwiegenden Mehrheit auch selbst Kunden. Ein gültiges Wertegerüst der Betriebsphilosophie und die besonderen, auf die Menschen zugeschnittenen Geschäftsmodelle sorgten für eine stabile Verankerung. Genossenschaften maximierten den Wert der Unternehmen mit den Kunden für die Eigentümer.

Genossenschaften sind in den Regionen fest verankert, sie können nicht flüchten, nicht auslagern oder ihre Gewinne transferieren. Ihre produzierten Güter oder Leistungen haben einen realen Hintergrund, nicht wie die oft fiktiven Geschäfte der Finanzmärkte, so die Wissenschaftlerin. Sie zahlten ihre Steuern im Land, vergäben Aufträge in der Region, investierten in Infrastrukturen und seien so geeignet, die Regionen als Lebensstandorte zu stabilisieren.

Gutes Pflaster

In der anschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Teilnehmer über die Bedeutung der Genossenschaften einig. „Main-Spessart ist ein gutes Pflaster für Genossenschaften – wir sind hier gut aufgestellt!“, betonte Landrat Thomas Schiebel und verwies auf die Vielzahl genossenschaftlicher Vereinigungen im Landkreis. Gerade im Bereich der Energie habe es in den letzten beiden Jahren fünf Neugründungen gegeben, weitere „stehen in den Startlöchern“. Angesichts des bevorstehenden demografischen Wandels sah er zusätzliche Chancen für die Arbeit von Genossenschaften. Schiebel zeigte sich zufrieden, dass in der Raiffeisenbank Main-Spessart eine regionale Bank die größte Genossenschaft im Kreis sei.

Helmut Kraft, der Vorstandsvorsitzende der Raiba Main-Spessart, lobte den Zusammenschluss der drei bisher allein stehenden Banken, durch den man eine leistungsstarke und zukunftsfähige Genossenschaftsbank geblieben sei. Der deutliche Anstieg des Kundenkreditvolumens von sechs, beziehungsweise vier Prozent sei ein Beweis dafür. Die einzelnen Banken hätten dies nicht alleine stemmen können. „Unsere Kunden haben einen Partner, dem sie in die Augen sehen können“, sagte er.

Für die „große Finanzwirtschaft“ sprach Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank AG, die als übergeordnetes Dach der Genossenschaftsbanken fungiert und in deren Besitz ist. Sein Institut bemühe sich, den Spagat zwischen den großen Finanzthemen und dem regionalen Bezug zu vollziehen. Eine Bank brauche auch heute Kunden, Eigenkapital, Liquidität und Akzeptanz in der Bevölkerung, sonst könne sie nicht überleben. Durch die Nähe der Genossenschaftsbanken zum Kunden entstünde ein natürlicher Kontrollmechanismus, der bisher geholfen habe, viele Fehler der Großbanken zu vermeiden.

Um junge Leute bemühen

Professor Theurl mahnte die Genossenschaften, sich verstärkt um jüngere Menschen zu bemühen. Man müsste diese Klientel da abholen, wo sie sich befänden – mit speziellen Produkten für diese Generation, aber auch mit geeigneter Ansprache. Insgesamt aber könnten die Genossenschaften in der Öffentlichkeit ruhig selbstbewusster auftreten, denn Akzeptanz und Vertrauen in der Bevölkerung seien ausgesprochen hoch.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Banken
  • Deutsche Weinköniginnen
  • Funkhaus Würzburg
  • Genossenschaften
  • Genossenschaftsbanken
  • Nicole Then
  • Podiumsdiskussionen
  • Thomas Schiebel
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!