Pflochsbach

Ein Ritter einst bei Pflochsbach hauste

Geheimnisvoll: Gehören diese Steine zum Mauerwerk einer ehemaligen (Raubritter-)Burg im Wald bei Pfochsbach?
Geheimnisvoll: Gehören diese Steine zum Mauerwerk einer ehemaligen (Raubritter-)Burg im Wald bei Pfochsbach? Foto: Hartmut Haas-Hyronimus

Gab es bei Pflochsbach eine Burg und war diese ein Stützpunkt von Raubrittern? Mit diesen Fragen befasst sich Hartmut Haas-Hyronimus schon länger. Die Antworten sind bisher dürftig. Raubritter tauchen zwar in örtlichen Sagen und Legenden auf, doch belastbare Beweise für deren Existenz fehlen.

"Ein Ritter einst bei Pflochsbach hauste" – so beginnt die Moritat über das "grausige Treiben" des Marquard von Grumbach, der die ganze Region in Angst und Schrecken versetzt haben soll. Das Gedicht wurde in Pflochsbach angeblich seit Generationen mündlich überliefert und 1920 erstmals aufgeschrieben.

"Das versunkene Schloss"

Die Moritat ist ein Anhaltspunkt für Haas-Hyronimus, der aus Pflochsbach stammt und in Langenprozelten lebt. Ein weiterer ist die örtliche Sage "Das versunkene Schloss". In beiden Texten wird ein Ort genannt, wo sich das Geschehen um den Raubritter abgespielt haben soll: etwa in der Mitte zwischen Pflochsbach und Sendelbach.

"Am Fischgarten hoch auf dem Berg, der Grumbach hat erbaut sein Werk", heißt es in der Moritat. Der Fischgarten war eine flache Engstelle im Main mit Vorrichtungen zum Fischfang. Dort soll der Raubritter zugeschlagen haben: "Ob Schiffe, Kaufleut, was auch kam, er sich zu Unrecht alles nahm."

Seltsame Steinformationen

Was könnte wahr sein daran, was ist reine Erfindung? Haas-Hyronimus hat die fragliche Gegend nach baulichen Resten einer Burg abgesucht und Fachleute befragt. Bisher gibt es aber keine handfesten Belege, sondern nur Vermutungen - und seltsame Steinformationen, die Rätsel aufgeben.

Was in der Moritat über den Raubritter von Pflochsbach alias Marquard von Grumbach steht, »ist so wohl nicht zu halten«, sagt Haas-Hyronimus. Das jedenfalls sei die Einschätzung der Historiker Winfried Mogge, Chronist von Rothenfels, und Theodor Ruf, Kenner der regionalen Geschichte rund um Lohr und im Spessart.

Demnach geht die negative Darstellung des Marquard von Grumbach auf die Würzburger Bischöfe der frühen Neuzeit zurück, die ein politisches Interesse daran hatten, die Grumbacher in einem schlechten Licht zu zeigen. Dabei spielten wohl auch die Burg Rothenfels (gegründet 1150 durch Marquard II. von Grumbach) und das Kloster Neustadt eine Rolle, dessen Vögte die Grumbacher zeitweise waren.

In mittelalterlichen Quellen gibt es also keine Hinweise auf eine Burg bei Pflochsbach oder weiter entfernt in Richtung Sendelbach. Bleiben Befunde im Gelände wie Gräben und Mauerreste. Dazu hat Haas-Hyronimus den Archäologen Ralf Obst vom Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet. Doch auch hier Fehlanzeige.

Nicht genug Platz

Zum Beispiel sei auf dem Hügel am Brunnweg, dem eventuellen Standort einer Burg, nichts gefunden worden, "was für eine mittelalterliche Befestigungsanlage spricht". Am in der Sage beschriebenen Ort, der Engstelle des Mains mit den Fischgärten, sei ebenfalls nichts von einer ehemaligen Burg zu sehen; außerdem wäre dort gar kein Platz dafür gewesen.

Ralf Obst, Fachmann zur archäologischen Fundsituation in Mainfranken, will eine Burg bei Pflochsbach nicht ausschließen, aber auch keine großen Hoffnungen machen. Obertätig gebe es in dem fraglichen Gebiet jedenfalls keine Hinweise dazu, so Obst im Gespräch mit unserem Medienhaus.

Aber ein Ansitz oder Versteck von Raubrittern muss nicht aus Steinen bestanden haben, sondern könnte aus Holz gewesen sein. Dann wäre heute ohnehin nichts mehr davon zu sehen. Letztlich könnten nur geophysikalische Untersuchungen weitere Aufschlüsse bringen.

Alles Spekulation

Haas-Hyronimus gibt nicht auf und verweist noch auf alte Flurnamen und eine auffällige Ansammlung von großen Steinblöcken. Reste einer Burg? Alles Spekulation. Einstweilen bleibt nur die sagenhafte Wahrheit über den Raubritter von Pflochsbach und sein Ende: "1138 war das Jahr", erzählt die Moritat, "wo man ihn legte auf die Bahr".

Blick auf Pflochsbach mit der Pfarrkirche. Das Dorf gehörte zum Kloster Neustadt und war auch Pfarrort für Sendelbach. Doch ob es zwischen Pflochsbach und Sendelbach auch eine Burg gab, ist nicht belegt. 
Blick auf Pflochsbach mit der Pfarrkirche. Das Dorf gehörte zum Kloster Neustadt und war auch Pfarrort für Sendelbach. Doch ob es zwischen Pflochsbach und Sendelbach auch eine Burg gab, ist nicht belegt.  Foto: Heinz Scheid

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