Erlenbach

Ein Symbol der Dorfgemeinschaft

Die erweiterte Erlenbacher Kirche von 1967 aus einer ungewöhnlichen Perspektive: Hinter dem modernen Anbau sind die gotischen Fensterbögen des ursprünglichen, 400 Jahre alten Gotteshauses und der Echterturm zu sehen. Foto: Hans Heer

Man kann sich nur vage vorstellen, wie stolz die Erlenbacher gewesen sein müssen, als am 14. Oktober 1618, dem Festtag des Heiligen Burkard, Weihbischof Eucharius Sang das neue Kirchengebäude der Gemeinde weihte. Denn ein Gotteshaus war Versammlungsort und Sinnbild aktiven Engagements der Bürger für die Glaubensgemeinschaft vor Ort.

Zuvor gab es auch schon ein Kirchengebäude in Erlenbach. Doch dessen Zustand schien so schlecht gewesen zu sein, dass man neu baute. So spekulierte Wolfgang Blasch, der 2014 eine Ortschronik herausgab.

Bauherr war Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, der nach der Reformation ab 1613 den Katholizismus in Erlenbach wieder einführte. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ließ er in ganz Unterfranken Kirchen im Baustil der Neugotik errichten. Weithin sichtbare Merkmale sind die sogenannten Echtertürme. Auch die Abhaltung der heiligen Messen regelte Echter detailliert. Im Gegensatz zur heutigen Gottesdienstordnung fanden sie fast täglich, insbesondere an Sonntagen und kirchlichen Feiertagen, statt.

Der Fürstbischof stationierte auch wieder einen Priester. Dieser war neben dem Lehrer und dem Bürgermeister eine hoch angesehene Respektsperson in der Gemeinde. Das hat sich bis heute grundlegend gewandelt - nicht zuletzt, weil immer größere Pfarreienverbände entstehen und der Seelsorger nicht mehr vor Ort wohnt.

Die Erlenbacher kümmerten sich um ihre Kirche. Zusammen reparierten sie Decken und Fenster oder fertigten aus dem Holz einer Eiche, die auf dem Friedhof stand, Kirchenbänke. "Die Herstellung eines Seitenaltars ließ Pfarrer Anton Gabriel Sartorius, der von 1747 bis 1779 hier Seelsorger war, auf eigene Kosten vornehmen", kann man in der Chronik nachlesen.

Dass den Gläubigen ihre Kirche am Herzen lag, beweist auch die Gründung eines Kirchenverschönerungsvereins im Jahr 1924. "Sämtliche Haushaltsvorstände traten dem Verein bei", schrieb Blasch. Und sie spendeten großzügig. Nicht immer besuchten so wenige Menschen wie heute die Gottesdienste. Ganz im Gegenteil: Mit den anschließenden Umbau- und Renovierungsarbeiten schaffte man mehr Platz für insgesamt 200 Kirchenbesucher.

Nur 36 Jahre später war die Kirche erneut zu klein für die 1370 Einwohner Erlenbachs. Pfarrer Otto Bußmann kam 1960 mit dem bischöflichen Auftrag, eine neue Kirche mit 600 Sitzplätzen zu bauen. Fünf Jahre später begann man mit den Abbrucharbeiten. Turm, Chorraum, Fenster- und Türenfassungen, Orgel und barocke Altäre wurden in den Neubau integriert. So sah es der Entwurf des Dombaumeisters Fritz Johannbroer aus der Diözese Limburg vor.

Auch während der Bauarbeiten feierten die Erlenbacher Gottesdienste. Als Zwischendomizil wählten sie den Saal des Gasthauses "Zum Schwanen". Dort ging es zwar etwas eng zu, dafür war der Weg zum Frühschoppen nach der Sonntagsmesse kurz.

Ihrer Bestimmung wurde die neue Kirche am 9. September 1967 durch Weihbischof Alfons Kempf übergeben. Den Mittelpunkt des sakralen Raums bildet der Altar, um den drei Kirchenschiffe angeordnet sind. Noch heute prägen der ursprünglich neugotische Baustil, die barocke Ausstattung und die schlichten, modernen Elemente des Altars das Bild, das sich Kirchenbesuchern beim Betreten der St.-Burkardus-Kirche zeigt.

Ob das Gotteshaus zum Festgottesdienst 400 Jahre nach der Kirchweihe ebenso wie damals gefüllt sein wird, bleibt abzuwarten. Die Feierlichkeiten werden sicherlich nicht so pompös wie damals ausfallen. Vielleicht, weil anders als zu früheren Zeiten, viel weniger Gemeindemitglieder bereit sind, sich ehrenamtlich für ihre Ortskirche zu engagieren.

Jubiläumsgottesdienst zur 400-Jahr-Feier
Am Sonntag, 14. Oktober, feiert die Erlenbacher Pfarrgemeinde das Patrozinium zu Ehren des Heiligen Burkards und die Kirchenweihe vor genau 400 Jahren. Hierzu findet um 10 Uhr ein Festgottesdienst mit Generalvikar Thomas Keßler statt. Der Carmina-Chor des Erlenbacher Musik- und Gesangvereins umrahmt die Messe musikalisch. Im Anschluss ist bei einem Steh-Empfang Zeit für Begegnung und Gelegenheit, eine kleine Fotoausstellung zur Geschichte der Erlenbacher Kirche zu besuchen. (dfi)

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