Birkenfeld

Ein Wechselbad der Gefühle für die Teilnehmer der Waldfahrt

Mit dem Traktor begaben sich die Teilnehmer auf Waldfahrt in den Birkenfelder Gemeindewald Foto: Gerhard Schmitt

Großen Zuspruch fand die Waldfahrt der Gemeinde Birkenfeld. Bürgermeister Achim Müller hatte Waldbesitzer und Bürger eingeladen, sich im Gemeindewald selbst ein Bild vom Zustand des Waldes und der Aufforstung durch die Gemeindemitarbeiter zu machen und dankte "seinen Waldarbeitern" für ihre engagierte Arbeit bei der Baumpflege und Aufforstung.

Rund 40 Interessierte waren gekommen, darunter vier Frauen und als Jüngster der vierjährige Lorenz. Fachlich hervorragend informierten Forstdirektor Dr. Wolfgang Netsch vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als Betriebsleiter des Gemeindewaldes Birkenfeld und Revierförster Peter Fritz.

Zunächst ging es mit Traktor und Anhänger in den Billingshäuser Wald, Abteilung Unterer Wolfschlag. Dort hatte im September 2018 der Sturm "Fabienne" gewütet und circa 150 starken Buchen und Eichen die Kronen abgerissen oder die Bäume umgeworfen. In der eingezäunten Kultur wurden 2017 Weißtannen gepflanzt. Leider sind die frischen Triebe im Frühjahr erfroren, da das Gebiet in einer Mulde liegt. Auch der Borkenkäfer hat sich ausgebreitet.

Mischbepflanzungen sollen Risiko mindern

"Probleme gibt es mit Kiefern, weniger bei der Tanne", so Peter Fritz. Daher versucht man nicht mehr Reinbestände zu pflanzen, sondern zum Beispiel Tannen mit Buchen zu mischen, um so das Risiko, dass eine Baumart ausfällt, zu minimieren. In der Waldabteilung Sichel hat man die ebenfalls eingezäunte Buchennaturverjüngung ergänzt mit Douglasie und Lärche.

Die Teilnehmer der Waldfahrt begutachten die Anpflanzung von Weißtannen in der Waldabteilung Sichel in Billingshausen. Foto: Gerhard Schmitt

In der Abteilung Dachsbau im Birkenfelder Wald zeigten Wolfgang Netsch und Peter Fritz exemplarisch an einer entwipfelten Eiche das Dilemma auf und stellten die Frage: "Welchen Preis kann dieser Baum noch erzielen?" Und sie fragten: "Verkaufen oder als Totholz stehen lassen?" Sowohl beim Erlös als auch bei der weiteren Nutzung als Biotopbaum gab es die unterschiedlichsten Meinungen der Teilnehmer. Netsch informierte auch, dass der Prozessionsspinner weniger im dichten Wald, sondern mehr am Waldrand vorkommt. Er sei eher ein hygienisches Problem für den Menschen und im Bereich von Schwimmbädern oder öffentlichen Parks und Plätzen gefährlich.

Baumsamen aus eher regenarmen Ländern 

Eine besondere Versuchspflanzung gab es in der Waldabteilung Heinrichshaupt zu sehen. Nach einem kräftigen Eingriff in den Buchenaltbestand hat man die Baumhasel angepflanzt. Der Pflanzensamen stammt vom Balkan und aus der Türkei, ist Trockenheit gewöhnt und gehört zu einer Versuchsreihe der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Parallel dazu läuft ein Versuch in Steinfeld mit dem gleichen Samen auf steinigerem Boden. Die Baumhasel wächst schneller als die Eiche. Peter Fritz informierte, dass es 23 verschiedene Sorten weltweit gibt und man voraussichtlich in circa 15 Jahren die Entwicklung des Baumes absehen kann. Zum Schutz gegen Mäusefraß ist der Wurzelbereich durch eine Kunststoffmanschette geschützt.

In der Waldabteilung Heinrichshaupt läuft eine Versuchspflanzung mit der Baumhasel durch die Landesanstalt für Wald und ... Foto: Gerhard Schmitt

Am Ortsausgang an der Straße nach Remlingen sind zahlreiche Buchen vertrocknet und müssen wegen der Verkehrsgefährdung aufwändig gefällt werden. Im arbeitsintensivsten Flurbereich Fleischhecke endete nach 96 Jahren der Fichtenbestand. Die Buchenpflanzen sind durch die Dürre vertrocknet. Die Wiederaufforstung erfolgt hier mit Elsbeere, Kirsche und Ahorn.

Abschließend wagte Dr. Netsch einen Ausblick in die Zukunft: "Auf den heimischen Wald kommen durch Schädlingsbefall und die extreme Trockenheit schwere Zeiten zu ." Durch das Überangebot ist der Holzpreis für die Fichte von einst 100 Euro auf circa 25 Euro für den Kubikmeter gefallen. Aus der Not heraus versuchen große Holzbetriebe das Holz aus dem inländischen Markt herauszubekommen und exportieren nach China.

Auch 2020 ist wieder mit Borkenkäferbefall zu rechnen

Netsch: "Der Aufwand für die kommunale Waldbewirtschaftung wird zunehmen und die Erlöse werden dadurch sinken, so dass man froh sein kann, wenn es Null für Null ausgeht". Es wird vermutlich auch 2020 wieder Borkenkäferbefall geben. Um dem zu begegnen, bräuchte es feuchte, warme Winter, damit der Käfer verfilzt. Der Forstmann rät, befallenes Holz mindestens 500 Meter vom Wald entfernt zu lagern, dabei aber auch die Windrichtung zu beachten.

Bürgermeister Achim Müller dankte abschließend allen Teilnehmern und bedauerte, dass der bayerische Staat sich aus der kommunalen Waldbewirtschaftung zurückziehen will. Er kündigte an, im Rahmen der Kommunalen Allianz eine entsprechende Depesche nach München zu schicken. 

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