LOHR

Ein betagter Exot lockt zu Sonderausstellung

Museumstechniker Andreas Grimm baut vor dem Spessartmuseum einen provisorischen Unterstand für die fahrbare Holzsägemaschine. Foto: Roland Pleier

Sie ist ein echter Hingucker: Die fahrbare Holzsägemaschine der Familie Wirth, rund 100 Jahre alt, aber immer noch intakt. 1979 hat die Familie das ebenso betagte wie kuriose Gerät dem Lohrer Geschichts- und Museumsverein überlassen. Eine Quelle sagt, ein gewisser Andreas Wirth habe auf dem Bock gesessen, eine andere meint, es müsse sich um einen Josef Wirth gehandelt haben. Sicher ist: Das Gefährt war in mehreren Generationen von den Wirths betrieben worden, wohl bis 1953. Und der Verein hat es dem Spessartmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Nur ab und zu wurde es in den vergangenen Jahrzehnten aus dem Depot geholt und in Betrieb gesetzt, zuletzt beim Museumstag im Mai dieses Jahres. Seit dieser Woche nun soll die Maschine mit dem Charme einer Dampflokomotive den ein oder anderen Besucher mehr ins Museum locken. Vor allem aber soll sie aufmerksam machen auf die Wanderausstellung „Wenn die Alten erzählen – Dialekt und Lebensart in Unterfranken“ und die Sonderausstellung „Mensch und Wald in fast vergessenen Wörtern“, die vom 31. Oktober bis 10. März im Spessartmuseum zu sehen sein wird.

Passend zum Thema

Die Wanderausstellung „Wenn die Alten erzählen ...“ wurde konzipiert vom Verein zur Bewahrung des unterfränkischen Dialekts, sprachwissenschaftlich begleitet vom Unterfränkischen Dialektinstitut der Uni Würzburg. Die begleitende Sonderschau widmet sich Dingen und Begriffen, die in früheren Zeiten zum Alltag gehörten, die mit Wald, Landwirtschaft und Viehhaltung zu tun haben. Da passt die fahrbare Holzsägemaschine natürlich wunderbar dazu.

Nun hat das schwarze Ungetüm zwar ein gewölbtes Dach. Doch zimmerte Museumstechniker Andreas Eich diese Woche noch einen provisorischen Unterstand mit Schwartenbrettern als zusätzlichen Schutz.

Prominent platziert in einer Außenvitrine

Schließlich hat das Museum mit diesem Exoten noch einiges vor: Mittelfristig soll die Maschine nämlich etwas prominenter platziert werden, auf der Grünfläche in der Umgebung des Lebkuchenbaums, geschützt durch eine durchsichtige Außenvitrine. „Wir haben es vor“, verrät Museumsleiterin Barbara Grimm. Doch noch sei dies nicht spruchreif und schon gar nicht schnell umzusetzen. Denn „das können wir erst in Angriff nehmen, wenn die Dachsanierung abgeschlossen ist“, so Grimm.

Wann damit begonnen wird, ist noch offen. Zwar gingen die Baufreigabe des Ministeriums und die Förderung aus dem Entschädigungsfonds am 4. Dezember 2017 ein – „mit erheblicher zeitlicher Verzögerung“, wie das Landratsamt auf Nachfrage informierte. Denn der Antrag war bereits Mitte 2016 gestellt worden, also eineinhalb Jahre vorher. Erst nachdem die Baufreigabe geprüft war, habe man die Vergabeverfahren (nationale Vergaben, teilweise mit vorgeschaltetem Teilnahmewettbewerb) klären und den Boden untersuchen können, da dies Bestandteil der Fördermaßnahme und der Ausschreibungsunterlagen sei.

Erste Vergaben im November

Im September und Oktober nun wurden die ersten Arbeiten ausgeschrieben. Die ersten Vergaben werden laut Auskunft des Landratsamts in der Sitzung des Bauausschusses am 30. November beschlossen. Wann es danach tatsächlich los geht, sei dann aber immer noch nicht absehbar, so das Landratsamt weiter. Denn erst ab Dezember könne man mit den beauftragten Firmen über den Zeitplan, die Arbeitsabläufe und Kapazitäten sprechen.

Erschwert werde die Planung zudem durch eine Fledermauskolonie, die ihr Sommerlager im Nord-Ost-Flügel eingerichtet hat. Nach Abstimmung mit den Naturschutzbehörden können die Sanierungsarbeiten dort nur in der fledermausfreien Zeit über den Winter ausgeführt werden, heißt es in der Stellungnahme des Landratsamts. Das Zeitfenster hierfür sei kurz. „Verzögerungen verschieben die dringend notwendigen Arbeiten immer gleich um eine ganze Saison.“

So wird sich die fahrbare Holzsägemaschine also noch eine ganze Zeit lang mit dem Dach aus Schwartenbrettern begnügen müssen.

Millionenprojekt Dachsanierung

Für die Dachsanierung des Spessartmuseums sind insgesamt 1,18 Millionen Euro angesetzt. uf dieser Summe basieren auch die Förderanträge.

An Zuschüssen erwartet der Landkreis 50.000 Euro von der Bayerischen Landesstiftung, 35.000 Euro vom Bezirk Unterfranken und 417.500 Euro aus dem Entschädigungsfonds. Bleibt für den Landkreis Main-Spessart ein Eigenanteil von 677.874 Euro.

Diese Kosten wurden jedoch bereits vor über zwei Jahren, im Juni 2016, berechnet. Die Erfahrung lehrt, dass eine Kostensteigerung nicht überraschen würde.

Vermutlich der Vorgänger der fahrbaren Holzsägemaschine, die jetzt vor dem Spessartmuseum steht. Der Bildbeschriftung zufolge zeigt es (von links) den Besitzer Josef Wirth, der 1904 gestorben ist, mit seinen Söhnen Michael, der im Ersten Weltkrieg vermisst blieb, und Philipp, der bis 1953 als Holzmacher aktiv gewesen sein soll. Foto: Sammlung Brigitte Krautwald
Danach ging's ab ins Museum: Josef Wirth, Enkel des gleichnamigen Josef Wirth und Sohn von Philipp Wirth, nahm 1979 ein letztes Mal Platz auf dem Bock der Holzsägemaschine, die jetzt vor dem Spessartmuseum steht. Eine andere Quelle besagt, es handle sich um Andreas Wirth. Neben seiner Frau steht Franz Back, damaliger Leiter des Spessartmuseums. Foto: Sammlung Brigitte Krautwald

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