KARLSTADT

Ein bisschen Grusel und viel Humor

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Der goldene Brunnen

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Brunnen heilen: Mit einer bezaubernden Inszenierung spielt die Theaterbühne Karlstadt derzeit das Märchen „Der goldene Brunnen“ von Otfried Preußler im Theater in der Gerbergasse.

Viel Szenenapplaus und jubelnden Beifall zum Schluss gab es bei der Premiere des Märchens von Otfried Preußler „Der goldene Brunnen“ im Theater in der Gerbergasse. Die stimmige und stimmungsvolle Inszenierung von Maria Emsden und die natürliche Spielfreude der Akteure lassen Eindrücke entstehen, die Kinder von vier bis 104 Jahren gleichermaßen fesseln können.

Natürlich hat Preußler in seinem wenig bekannten Theaterstück vom goldenen Brunnen viele bekannte Märchen miteinander verwoben. Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, das Wasser des Lebens, der Reisekamerad oder der goldene Vogel greifen ähnliche Themen auf. Doch es geht eigentlich in den Märchen immer um die Suche nach dem Glück, nach Mut und Hilfe durch höhere Mächte.

Es geht immer um Freundschaft, Treue, um die Bereitschaft, für den anderen da zu sein und darum, auch mal Schwächen haben zu dürfen. Darum ging es vor Generationen, und darum geht es auch heute noch.

So ist es auch beim Weihnachtsmärchen in der Gerbergasse. Der Brunnen in einem kleinen russischen Dorf ist versiegt. Um ihn zu „heilen“, muss jemand ausziehen, um Wasser vom goldenen Brunnen zu holen, der unter der gläsernen Linde entspringt. Doch der Weg dahin ist weit und voller Gefahren.

Nur ein Mädchen, Maschenka, ist beherzt genug, sich auf den Weg zu machen. Die Wunschhölzchen der Großmutter und der abgedankte Soldat Mischa Holzbein helfen ihr, alle Abenteuer zu bestehen. Sie muss dazu die schwarzen Wälder durchqueren, wo der Wolfskönig herrscht, und danach den Nebelwald mit den listigen Schraten hinter sich bringen. Wer dann endlich an der gläsernen Linde angekommen ist, muss erst noch den Drachen überwinden, dessen zwei Köpfe den goldenen Brunnen abwechselnd bewachen. Bei Tag soll Maschenka dem Lied der Nachtigall folgen, im Dunkeln dem Ruf des Kuckucks.

Maria Emsden hält in ihrer Inszenierung die Balance zwischen Spannung, Angst, Mystik und Witz – auch wenn der gelegentlich in die Nähe des Klamauks gerät. Mithilfe des Bühnenbilds und geschickter Beleuchtung entstehen zauberhafte und traumhafte Bilder. Geschickt arbeitet sie die durchgängige Absicht Preußlers heraus: ein bisschen Grusel, ja, aber echte Angst oder gar Horror – keinesfalls. So lösen sich letztendlich alle Gefahren mit einem kräftigen Schuss Humor auf, der ein befreiendes Lachen erlaubt.

Köstlich sind die Ideen, wie Maschenka und der Soldat Mischa den Monstern im Wolfswald und den Waldschraten entkommen. Der Gipfel aber ist die umwerfende Begegnung mit dem wohl skurrilsten doppelköpfigen Drachen, dargestellt von Florian Lummel und Nicklas Dürr. Während der eine Kopf ergötzlich sächselt, scheint der andere – herrlich tuntig – ein Zwillingsbruder des Apahatschi aus dem „Schuh des Manitu“ zu sein. Wer kann schon vor so einem „fürchterlichen“ Drachen Angst haben?

Dem gesamten Ensemble ist die schiere Freude am Spiel anzumerken. Deborah Herzog spielt die Maschenka einfühlsam, schnörkellos und doch facettenreich. Ihr Reisekamerad Thomas Trummer weiß als Mischa Holzbein seinem komödiantischen Talent ernste, feinfühlige Elemente hinzuzufügen. Obwohl ihre Auftritte nur kurz sind, zeigt auch Eva Maselli sprachlich und schauspielerisch eine großartige Leistung.

So ist der Truppe der Theaterbühne Karlstadt wieder einmal ein schönes Weihnachtsmärchen gelungen, mit einer wohltuenden Mischung aus Ruhe, Aktion, aus traditionellen Elementen und neuen Ideen. Kurzum: ein Märchen mit einem Hauch von Komödie.

Weitere Aufführungen sind am Sonntag, 8. Dezember, um 16 Uhr, Freitag, 13. Dezember, um 18 Uhr, sowie Sonntag 15., Donnerstag, 21.,Sonntag, 22.; und Donnerstag, 26. Dezember, jeweils um 16 Uhr. Karten sind bei Kartenservice Mahlo telecom in der Hauptstr. 30 in Karlstadt erhältlich,Tel. 0 93 53/90 99 490.

 

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