Marktheidenfeld

Eine Mauer als Lebensraum

Thomas Amon (von links), Burkhard Wagner, Gerd Kampa, Alfred Baunach und Joachim Hörnig bauen nach Anleitung von Walter Formatschek eine Trockensteinmauer an der Anlage "lebendige Gärten" an den Mainwiesen. Auch Doris Appel unterstützt beim Bau. Foto: Dorothea Fischer

Mauern bieten Schutz vor fremden Blicken, vor Naturgewalten und wilden Tieren. Sie sind Barrieren gegen Eindringlinge oder hindern an einer Flucht. Die Mauer, die jetzt in Marktheidenfeld errichtet wurde, ist das Gegenteil. Sie ist Lebensraum für Pflanzen, ermöglicht Unterschlupf für Tiere und lädt auch Menschen zum Verweilen ein.

Als eines der letzten Projekte dieser Saison legen Freiwillige der Bund Naturschutz (BN) Ortsgruppe Marktheidenfeld in den "lebendigen Gärten" eine Trockenmauer an. Die roten Bundsandsteine hierfür trugen Jahrzehnte lang eine Scheune im Lohgraben. Als diese im Spätsommer abgerissen wurde, transportierten Mitarbeiter des Bauhofs der Stadtverwaltung das Gestein zum Projektgarten am Ortsausgang in Richtung Lengfurt. Sie bereiteten auch ein Fundament für die etwa acht Meter lange Trockenmauer vor.

Man braucht Geduld bei Baue einer Trockenmauer

Doch wie schichtet man eigentlich eine Natursteinmauer auf? Regie über die fünf Kubikmeter Steine und die Helfer des BN führt Walter Formatschek. Der gebürtige Marktheidenfelder, wohnt in Rothenfels. Dort, mit dem Garten am Hang, geht es gar nicht ohne Mauern, so der gelernte Steinmetz. Vor etwa 40 Jahren, als er in Marktbreit wohnte, baute er zum ersten Mal eine Natursteinmauer. Mit den Jahren verfeinerte er seine Technik, unter anderem bei einem Freund in Irland.

Das Wichtigste: "Geduld haben", sagt Formatschek. Wenn man die Natursteine mit den unregelmäßigen Kanten und Ecken wackelig aufeinanderschichtet, wird die Mauer schief. Deshalb sind Thomas Amon, Burkhard Wagner, Alfred Baunach und Gerd Kampa ständig auf der Suche nach dem passenden Stein für die nächste Lücke. Währenddessen füllen Doris Appel und Joachim Hörnig hinter die Front Lesesteine. Sie sorgen für eine gute Drainage. So können Frost und Feuchtigkeit der Stabilität des Bauwerks nichts anhaben.

Wertvoller Lebensraum in den Ritzen

Nach dem Vormittag mit der schweißtreibenden Arbeit werden sicherlich alle Helfer Muskelkater in den Armen haben und der Rücken wird schmerzen. Während Formatschek erklärt, sucht er nach dem passenden "Puzzleteil" für den Abschluss der linken Ecke der Mauer. "Der da könnte passen", weist er seinen Helfer an. "Muss das sein? Ausgerechnet der größte Stein von allen?" So recht kann sich Armin Fischer nicht vorstellen, dass der unförmige Brocken passen soll. Er fährt trotzdem eine Sackkarre heran. Zu zwei wuchten sie den Stein an die richtige Stelle. Passt.

Die Fertigkeit des Trockenmauerbaus brachten vor rund 2000 Jahren die Römer nach Mitteleuropa. An Friedhöfen, in naturnahen Gärten, als Hangstützen in Weinbergen oder Ackertrassen leisten ungefugte Mauern aus Natursteinen aufgeschichtet nicht nur dem Menschen wichtige Dienste. Die Ritzen und Mauerkronen sind für heimische Pflanzen ein wertvoller Lebensraum. Deshalb werden die Helfer des BN noch im November den gesamten Hang auf einer Fläche von etwa 500 Quadratmeter bepflanzen. Rund 1000 Büsche und heimische Stauden werden gebraucht, schätzt Joachim Hörnig.

Walter Formatschek beobachtet gerne im eigenen Garten, welche Tiere in den Natursteinmauern leben. Er schafft Höhlen für Kreuzottern, Mauerritzen für Mäuse und Hohlräume für Wespen. In schmalen Fugen siedeln sich Schnecken, Spinnen und andere Insekten an. "Selbst der Zaunkönig fühlt sich wohl", weiß Formatschek. Wird die Trockenmauer von der Sonne angeschienen, kann man auch Zauneidechsen beobachte.

"Lebendige Gärten" in Marktheidenfeld
Die "Lebendigen Gärten" an der Marktheidenfelder Mainlände in Richtung Lengfurt sind eine öffentliche Anlage, die von der Stadt Marktheidenfeld und der Ortsgruppe des Bund Naturschutz naturnah gestaltet wird. Ein Blühstreifen bietet insbesondere bestäubenden Insekten und Vögeln ein vielfältiges Blütenangebot. Stauden, Apfelbäume, Totholz, Insektenhotel, Steinhaufen und Trockenmauern werden zum Rückzugsort für Krabbeltiere, Vögel und Igel. (dfi)
Bis der passende Stein für eine Stelle der lose aufgeschichteten Mauer gefunden ist, braucht es Geduld. Foto: Dorothea Fischer
Thomas Amon zieht de Boden hinter der fertigen Mauer gerade, damit im November Stauden und Büsche gepflanzt werden könne... Foto: Dorothea Fischer
Walter Formatschek (links) rollt den schweren Abschlussstein zur Sackkarre, um ihn zusammen mit Armin Fischer an die ric... Foto: Dorothea Fischer
Hier kommt die Expertise des Fachmanns zum Einsatz. Mit Hammer und Meisel schlägt Steinmetz Walter Formatschek eine Ecke... Foto: Dorothea Fischer

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