Lohr

Einwände zum Klinikbau alle verworfen

Auf dem Gelände des Lohrer Bezirkskrankenhauses soll der Neubau der Zentralklinik des Landkreises Main-Spessart entstehen. Foto: Johannes Ungemach

"Wir haben Ihnen und dem Vorhaben den maximalen Rückenwind verschafft." Diese Botschaft hat Bürgermeister Mario Paul in der Stadtratssitzung am Mittwoch dem neuen Klinikreferenten des Kreises, René Bostelaar, mit auf den Weg begeben. Zuvor hatte das Gremium den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für die Zentralklinik einstimmig als Satzung beschlossen.

Weniger begeistert dürften die zahlreich anwesenden Anwohner des geplanten Krankenhausgebäudes bei Wombach gewesen sein. Denn ebenso einstimmig hatte der Stadtrat ihre vorgebrachten Einwände verworfen und sich deren Beurteilung durch die Verwaltung angeschlossen. Formuliert hatte sie im Namen der Bürgerinitiative "Anwohnerschutz" ein Ehepaar, das am Tiefen Grund wohnt.

Auswirkungen bewertet

Diese einzige, aber umfangreiche Stellungnahme im Rahmen der erneuten Beteiligung der Öffentlichkeit am Bebauungsplanverfahren arbeitete Dieter Spörl von Garnharter, Schober, Spörl Landschaftsarchitekten (Passau) zusammen mit dem Gremium ab. So ging es um den Vorwurf, die Auswirkungen des Neubaus auf das Schutzgut Mensch seien nicht ausreichend ermittelt und unzutreffend bewertet worden.

Das wies Spörl zurück: Sowohl der Ist-Zustand wie die Auswirkungen seien ermittelt und sachgerecht bewertet worden. Das sehe auch das Landratsamt so. Kleinklimatische Auswirkungen durch den Bau könne es geben, aber diese seien nur "mäßig erheblich".

Zur Entwässerung des Gebiets erläuterte Spörl in Abstimmung mit den Stadtwerken, die gesammelten Oberflächenwässer sollten im Baugebiet zurückgehalten werden. Dafür sei eine Fläche festgesetzt worden. Diese sei so dimensioniert, dass der Landgraben, in den das Wasser gedrosselt abgelassen werde, vor Überlastung geschützt sei. Dem liege keine Schätzung, sondern eine Berechnung zugrunde.

Beim Schattenwurf durch das neue Gebäude seien die gesetzlichen Abstandsflächen eingehalten worden. Negative Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit von Fotovoltaikanlagen seien nicht zu erkennen. Denn eine Beschattung der Solarmodule werde es nur bei einem Sonnenstand geben, der auch unter normalen Umständen für keine wirtschaftliche Stromausbeute sorge.

Einflugschneisen festgelegt

Beim Thema Lärm durch Rettungshubschrauber griff Bostelaar selbst ein, der nach eigenen Angaben "schon ein paar Landeplätze gebaut" hat. Die Hubschrauber landeten nicht auf dem Boden, sondern auf dem Dach, was den Lärm für die Anwohner mindere. Es würden genaue Einflugschneisen festgelegt, "die nicht über den Häusern liegen werden".

Die SPD-Fraktion habe die Anwohnerbedenken in mehreren Sitzungen diskutiert, berichtete Richard Eyrich. Die Sozialdemokraten sähen die Anwohner "nicht als Störer oder Verhinderer".

Nach den Worten von Brigitte Riedmann (FW) ist das Zentralklinikum für Lohr "wie ein Sechser im Lotto". Es sei klar, dass sich die Anwohner an ein Leben am Rande der freien Landschaft gewöhnt hätten. Es gebe aber "keinen Anspruch darauf, dass das immer so bleibt".

Das Ergebnis der Abwägungen bedeute, dass der Neubau den Anwohnern zuzumuten sei. Die Anwohner in der Altstadt habe es schlimmer getroffen, dort reiche die Bebauung bis an die Klinik. Man sollte laut Riedmann im Beschluss ein "Signal für den Klinikstandort Lohr sehen".

Klinikreferent René Bostelaar, erst seit zweieinhalb Wochen im Amt, versprach den Nachbarn: "Wir werden ein guter Nachbar sein – immer auf Augenhöhe."

Kommunikation versprochen

Während der Bauphase werde es eine enge Kommunikation mit den Anwohnern geben. "Wir werden sie einbeziehen", sagte Bostelaar. Auf den Lärmschutz solle ein großes Augenmerk gelegt werden. Bis das Gebäude stehe, werde es vier oder fünf Jahre dauern, "in dieser Zeit können wir uns aneinander gewöhnen".

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