RETZBACH

Einwanderungsland Deutschland ?!

Flüchtlinge aus Afrika (Archivfoto von 2014) warten in einem überfüllten Schlauchboot vor der italienische Insel Lampedu... Foto: Darrin Zammit Lupi, MOAS/EU, dpa

„Die aktuellen Diskussionen und Kontroversen um die Einwanderung in Deutschland überlagern seit mehr als einem Jahr alle anderen politischen Themen. Einwanderung ist kein Randthema, sondern wird mehr und mehr zum Gradmesser für eine demokratische, weltoffene und sozialstaatlich verfasste Gesellschaft.“ Mit diesen Worten begrüßte der Leiter des Hauses für Soziale Bildung, Dieter Wagner, zahlreiche Interessierte aus ganz Unterfranken, die der Einladung der Senioren Union und der Benediktushöhe zur Tagung „Deutschland... ein Einwanderungsland?!“ gefolgt waren.

Von einer Masseneinwanderung könne keine Rede sein, stellte Franz-Josef Zöller, stellvertretender Bezirksvorsitzender der Senioren Union, laut Pressemitteilung der Benediktushöhe fest und verwies dabei auf statistische Erhebungen. Allerdings sei die regionale Verteilung insbesondere bei der Unterbringung von Flüchtlingen unterschiedlich und belaste vor allem Kommunen im Süden der Bundesrepublik.

Schweigeminute für die Opfer

Bundestagsabgeordneter Alexander Hoffmann hatte eingangs zu einer Schweigeminute für die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge aufgerufen. Einwanderung, so führte er aus, finde mit dem Ziel statt, eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis beziehungsweise die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen. Dies dürfe man bei Flüchtlingen oder Asylbewerbern mit Aussicht auf Anerkennung annehmen. Ein Blick auf den statistischen Wanderungssaldo zeige, dass Deutschland weltweit das größte Einwanderungsland sei. Ursächlich seien dafür vor allem bewaffnete Konflikte wie im Irak oder Syrien.

Bezogen auf den Landkreis Main-Spessart bedeute das ein Mehr von bisher 350 Asylbewerbern. „Wir sind weit davon entfernt, überrannt zu werden“, so Hoffmann. Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass viele Flüchtlinge wieder in ihre Heimat zurückkehren wollen, sobald diese befriedet ist. Dies hätte sich nach dem Ende der Balkankriege deutlich gezeigt.

Im praktischen Teil der Tagung referierten Thomas Kipple, Fachbereichsleiter Allgemeine Soziale Beratungsdienste (ASBD)/Migration im Diözesancaritasverband, und Klaus Oßwald, Ansprechpartner für die Flüchtlingsberatung in Main-Spessart, über Hilfen für Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber. Im Bundestagswahljahr 1986, so Thomas Kipple, zeigten Begriffe wie „Das Boot ist voll“ oder „Überfremdung“ und Äußerungen von Politikern, die von der „durchrassten und vermischten Bevölkerung“ sprachen, die Unsicherheit im Umgang mit Flüchtlingsfragen.

In der Folge hätten sich die katholische und die evangelische Kirche entschlossen, einen speziellen Beratungsdienst für Flüchtlinge aufzubauen. Die Flüchtlingsberatungsstellen der Caritas helfen Flüchtlingen, sich im Alltag in einem fremden Land zurechtzufinden. In der Praxis bedeute dies Hilfe bei Fragen zum Asylverfahren, in sozial- und ausländerrechtlichen Angelegenheiten, beim Schriftverkehr oder Ausfüllen notwendiger Formulare, bei Fragen zu Kinderbetreuung, Schule, Ausbildung und Arbeit und bei Fragen zu Rückkehr- oder Weiterwanderung.

Keller: Schnell politisch handeln

Peter Keller, Vorsitzender des Trägervereins der Benediktushöhe, unterstützte die Forderung der Teilnehmenden nach schnellem politischen Handeln der Bundesregierung, um ein weiteres Massensterben im Mittelmeer zu verhindern.

In seinem Schlusswort dankte Bruno Seuffert, stellvertretender Leiter der Benediktushöhe, den Referenten für ihre fundierten und engagierten Fachvorträge. Die lebhafte Diskussion habe gezeigt, dass in der Bevölkerung ein Gesinnungswandel stattgefunden habe und den Flüchtlingen inzwischen viel Verständnis für ihre Situation entgegengebracht würde. Erfreulich sei auch das hohe Maß an ehrenamtlichem Engagement für Menschen auf der Flucht.

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