OBERSINN

Eisenwahnsinn in Obersinn

Zwei Tage lang herrschten in Obersinn Eisenwahnmania: „Alles bestens gelaufen“, bilanziert der Veranstalter. „Keine besonderen Vorkommnisse“, sagte ein Beamter der Polizei. „Bis zum nächsten Jahr“, riefen die Besucher auf dem Heimweg. Mit seiner sechsten Auflage knüpfte das Eisenwahnfestival an die Erfolge der vergangenen Jahre an. Dazu gab es Sonne, Wind und Regen.
Beim Auftritt von Graveworm: Blick von der Eisenwahn-Bühne ins begeisterte Publikum. Foto: FOTO Sören Winkler

„Habe verstanden! Wird erledigt! Ende!“, spricht Eisenwahnorganisator Karl Dill in sein Funkgerät, als er an der Hauptkasse nach dem Rechten sieht. Im nächsten Augenblick verschwindet der 22-Jährige aus der Tür des Campers und taucht wieder irgendwo auf dem Festivalgelände unter, um eine Band einzuweisen, Beschwerden von Besuchern zu regeln oder das vom Wind davongewehte Bar-Zelt wieder aufzustellen.


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Eisenwahn 2009

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Lauter nette Leute

Nicht anders ergeht es seinen Kollegen Max Koch, Felix Alzheimer, Johannes Laudenbach, Christian Andres, Julian Weikinger und unzähligen weiteren Helfern. Ununterbrochen reisen seit Donnerstag Besucher an, die ihre Lieblingsbands nicht nur hören, sondern darüber hinaus bei ihrem „Gig“ tatkräftig unterstützen wollen. Die Musik ist, wie könnte es anders sein, zwar Geschmackssache, aber es sind nette Leute am Ludwig-Zeller-Ring anzutreffen.

Die Musik höre ich zwar nicht, aber die Leute sind einfach gut drauf“, meint ein Besucher aus dem Schwabenland, als er sein „Bändchen“ abholt. „Beim Eisenwahn passt das Drum-Herum einfach“, schwärmt ein anderer Besucher abends in der Bar. Ein Pärchen findet die Berge einfach wunderschön. Eine Reise in den oberen Sinngrund ist für manche vielleicht dafür lohnenswert: Der 60-jährige Rudolf Dill dreht mit seinem Motorrad eine Runde über das Festivalgelände.

Der Weg zum Zentrum des „Eisenwahns“ führt zunächst durch den Ortskern, hinauf auf den Löwersberg, vorbei an der Feuerwehr Obersinn, die unter Leitung des stellvertretenden Kommandanten Hans-Jürgen Bohn, nicht nur ankommenden Besuchern einen Park- oder Campingplatz zuweist, sondern auch den Brandschutz gewährleistet. Schließlich begegnet dem eingefleischten Eisenwahnfan die altbekannte Stimme von Karola Laudenbach. „Hier gibt's immer was zu erleben“, plaudert die Dame von der Eintrittskasse aus dem Nähkästchen.

Nebenan sind eifrige Helfer mit der Geldabwicklung beschäftigt. Darunter der ehemalige Bankangestellte Bernd Weismantel, der penibel jeden Geldschein von Eselsohren befreit und sorgfältig aufeinanderstapelt. Für so viel Ordnung hat er sich spaßeshalber den Titel „Senior Consultant for Cashflow“ eingehandelt.

Mindestens genauso geordnet geht es auf dem Festivalgelände zu. Security-Chef Max Koch und Sanitäter Thomas Weismantel melden am frühen Samstagabend einen ruhigen Verlauf. „Manche Besucher lassen sich beim so genannten Crowd-Surfing von der Menge über die Absperrung tragen. Unser Team muss sie dann wieder aus dem Bühnenbereich herausbegleiten“, so Koch.

„Wir hatten nur ein paar Insektenstiche und leichte Verletzungen wie Hautabschürfungen oder kleine Schnittwunden sowie den einen oder anderen alkoholisierten Besucher zu verarzten“, berichtet Sanitäter Weismantel.

Eindeutige musikalische Höhepunkte sind Eisregen und Napalm Death am Freitag sowie Dornenreich und Cryptopsie am Samstag. Aus vollen Kehlen und mit aufgedonnertem Bass heizen die Bands ihren Fans ordentlich ein. Jeder Beat und jeder Takt der gigantischen Sound-Anlage durchdringt den Körper und lässt ein Gefühl des Befreitseins verspüren.

Nicht mehr zu bändigen

Scheinbar nicht mehr zu bändigen ist das Publikum, als Eisregen die ersten Takte zu dem Lied „Elektrohexe durch die Lautsprecher schickt. Die etablierte Band Napalm Death hatte mit ihren Fans zwar leichtes Spiel, jedoch fanden einige der Besucher den Gesang zu heftig. Der Sänger der Band konnte, soviel sei verraten, nach dem Auftritt aber dennoch normal reden. Ihm mache das Singen nicht viel aus, meinte der Brite, der im normalen Berufsleben bei einer Gewerkschaft arbeitet.

Am Samstag folgten Headliner Cryptopsy und Co-Headliner Dornenreich, die ihr Publikum in jedem Fall den Regenschauer vergessen ließen. Dazu gab es vorher Autogramme am Stand der „Metal1.info“-Crew. Abschließend meint Eisenwahnorganisator Karl Dill stellvertretend für alle: „Wir möchten uns bei allen Helfern bedanken, die ehrenamtlich ihre Zeit für das Festival geopfert haben.“

Online-Tipp

Viele Fotos und Impressionen vom Festivalgelände, den Zuschauern, Helfern und Bands unter www.mainpost.de/lokales/main-spessart/gemünden. Weitere Informationen unter www.eisenwahn.com, www.metal1.info.

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