LOHR

Eklat bei der Hauptversammlung: Streit um Kolping-Figur

Die Kolping-Statue, gestiftet von der Kolpingsfamilie, von Künstler Mario Sanden gefertigt. Foto: Anderlohr

Was sich bei der Jahreshauptversammlung der Kolpingfamilie Lohr am Freitag im Pfarrheim St. Michael abspielte, könnte als Vorlage für einen Bauernschwank im „Komödienstadel“ dienen, aber dafür fehlt leider das happy end. Ausgerechnet um den seligen Adolph Kolping beziehungsweise seine Statue gab es einen handfesten Krach zwischen dem Vorsitzenden Helmut Rößlein und einem weiteren Mitglied einerseits und dem Präses, Pfarrer Sven Johannsen andererseits.

Der Versammlung am Vorabend des Josefstages war, wie üblich, der Gottesdienst zu Ehren des Schutzpatrons des Kolpingwerks in der Stadtpfarrkirche vorausgegangen. Im Pfarrheim hatte Pfarrer Johannsen der Kolpingfamilie für ihren vielfältigen Einsatz im Dienst der Pfarrei den Dank ausgesprochen. Die Rückblicke von Ernst Goldbach als Leiter der Gruppe 55 plus und Matthias Schneider für die Kolping-Faschingsgruppe Lohrer Mopper fielen sehr positiv aus. Gleiches galt für die Frauengruppe, deren Leiterin Maria Dörringer erkrankt nicht teilnehmen konnte, deren Bericht aber vom Vorsitzenden verlesen wurde, und für das Aushängeschild der Kolpingfamilie, den Spielmannszug.

Dem Kassier Ingbert Wack galt ein besonderes Lob. In allen drei Kassen, der der Kolpingfamilie, der Faschingsgruppe und des Spielmannszug, die getrennt geführt werden, wurden Überschüsse erwirtschaftet, die sich auf 3530 Euro summieren. Einen Glücksfall für die Kolpingfamilie nannte Rößlein den Kassier.

Geehrt wurden Robin Fass und Lukas Hirsch, die zehn Jahre die Trommel schlagen. Andreas Nowak tut das seit 15 und Jürgen Goldbach seit 20 Jahren. Seit 15 Jahren hat er darüber hinaus die organisatorische Leitung des Spielmannszuges. Musikalischer Leiter ist seit 20 Jahren mit großem Erfolg Gerhard Müller.

Da sich die gesamte Führung zur Weiterarbeit bereit erklärt hatte, verlief die Neuwahl problemlos.

Die Harmonie, die den Verlauf der Versammlung bis dahin ausgezeichnet hatte, zerbrach, als Ferdinand Hess die Frage nach dem künftigen Standort der Kolping-Statue aufwarf, die die Kolpingfamilie 2012 von dem Partensteiner Bildhauer Mario Sanden hatte erstellen lassen. Vor der Innenrenovierung der Pfarrkirche war sie an einem der Pfeiler an der Nordseite des Mittelschiffs angebracht. Dort solle sie nun wieder ihren Platz finden, forderte Hess.

Johannsen: Statue ins Pfarrheim

Das habe nicht die Kolpingfamilie zu entscheiden, sondern die Kirchenstiftung, entgegnete ihm Pfarrer Johannsen. Bei der Kirchenrenovierung 2015/16 habe die Kirchenverwaltung in Zusammenarbeit mit der Kunstkommission der Diözese Würzburg einstimmig entschieden, an den Wänden und Pfeiler des Mittelschiffs keine Statuen mehr anzubringen. Damit solle der schlichte romanische Charakter dieses Teils der Kirche unterstrichen werden. Die Figuren der Muttergottes, des heiligen Martin und des heiligen Nikolaus, die in besonderer Weise mit der Stadt und ihrer Geschichte verbunden sind, habe man im südlichen Seitenschiff untergebracht, ebenso die Statue des heiligen Josef. Für die Figur des heiligen Wendelin und ebenso für die des seligen Adolph Kolping sei kein Platz gefunden worden. Er schlug vor, die Kolpingstatue im Saal des Pfarrheims anzubringen, das ja mit der Arbeit der Kolpingfamilie eng verbunden sei. Doch damit konnte er Ferdinand Hess nicht überzeugen, der der Ansicht war, die Kolping-Statue passe „auf keinen Fall“ in das Pfarrheim – ohne diesen Standpunkt näher zu begründen.

Karl Anderlohr stellte die Frage, was Adolph Kolping selbst wohl dazu gesagt hätte, dass er hier zum Gegenstand einer solchen Auseinandersetzung gemacht werde. Die Diskussion wurde jedoch zunehmend heftiger und gipfelte in der Behauptung, die Kirchenverwaltung sei vom Pfarrer unter Druck gesetzt worden und richte sich bei ihren Beschlüssen ohnehin nur nach dessen Meinung. Als sich auch noch der Vorsitzende Helmuth Rößlein in diesem Sinne äußerte, obwohl Peter Amann, Kolping-Mitglied und Mitglied der Kirchenverwaltung die Darstellung Johannsens bestätigte, erklärte der Pfarrer, das könne er weder auf sich, noch auf den Mitgliedern der Kirchenverwaltung sitzen lassen. Wenn diese Unterstellung nicht zurückgenommen werde, sehe er keine Basis mehr dafür, weiterhin Präses der Kolpingfamilie zu bleiben. Als seine beiden Kontrahenten sich weigerten, verließ er den Saal, wo man noch einige Zeit weiter diskutierte.

Monsignore Manfred Sand, selbst Kolping-Mitglied und langjähriger Präses in Zell, stellte sich vor Johannsen. Er sprach von Verleumdung und erklärte es für verantwortungslos, wegen einer zweitrangigen Frage wie dem Standort einer Statue, so viel Porzellan zu zerschlagen. Die Versammlung löste sich schließlich auf, ohne dass sich ein Ergebnis der Auseinandersetzung abzeichnete.

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