Karlburg

Endlich die passende Orgel für Karlburg

Neun Jahre lang lebte die Kirchengemeinde mit einer Notlösung. Eigentlich hätte sogar noch ein größeres Instrument kommen sollen.
Intonateur Albert Nass testet in der Karlburger Kirche eine der Orgelpfeifen. Foto: Karlheinz Haase

Die katholische Kirchengemeinde von Karlburg bekommt schon vor Weihnachten ein großes Geschenk: endlich eine dem Gotteshaus angemessene Orgel. Das will gefeiert werden. Am Samstag, 21. Dezember, nimmt Friedhelm Hofmann, Bischof im Ruhestand, die Orgelweihe vor. Das Pontifikalamt beginnt um 17 Uhr. Am Tag darauf ebenfalls um 17 Uhr präsentiert Manfred Goldkuhle die Orgel.

Orgelbauer Wolfgang Koch mit dem Pedal der neuen Karlburger Orgel. Foto: Karlheinz Haase

Ganz neu ist die Orgel nicht. Sie stammt aus St. Kilian (Schweinfurt), gebaut 1988/89 von Hubert Sandner (Dillingen). Für die Karlburger Kirche wäre sie in ihrer bisherigen Form zu klein gewesen. Daher wurde sie jetzt um ein Manual – also eine weitere Tastenreihe – samt dem damit betriebenen Positiv – das ist die Bezeichnung für eine Gruppe von Pfeifen in einer Orgel – erweitert. Auch war das bisherige Pedal nur angehängt und betätigte nur kleinere Basspfeifen. Jetzt ist es fest installiert, also echter Bestandteil der Orgel. Es kamen große Pedalbasspfeifen aus Fichtenholz hinzu. 

Alle Pfeifen müssen gleich laut klingen

Mit dem Ausbau und dem Einbau war die auf die Versetzung von Orgeln spezialisierte Firma Georg Weishaupt (Meitingen bei Augsburg) betraut. Dabei wurden alle Pfeifen herausgenommen und gereinigt. In der zweiten Oktoberhälfte wurde ein Großteil der Orgel montiert. In der letzten Novemberwoche kamen der Orgelbauer Wolfgang Koch und der Auszubildende Simon Herzog nach Karlburg, um die Pfeifen einzubauen. Dabei wurden beispielsweise auch die Stopfen der Basspfeifen auf Dichtigkeit überprüft.

Die Stopfen der Basspfeifen werden auf Dichtigkeit überprüft. Foto: Karlheinz Haase

Noch während des Einbaus gesellte sich der Intonateur Albert Nass (Salem) hinzu. "Jetzt langsam chromatisch von unten nach oben", wies er beispielsweise Simon Herzog an. Dabei erwiesen sich manche Pfeifen als zu matt, andere als zu aufdringlich. Nass nahm sie heraus, um die Luftöffnung zu vergrößern oder zu verkleinern. Bei manchen Pfeifen gibt es auch ein Hähnchen, das weiter geöffnet oder weiter geschlossen werden kann. Außerdem kümmerte er sich gleich mit um die Stimmung der Pfeifen. Bei an die 600 Pfeifen war er 60 Stunden beschäftigt.

Die gereinigten Pfeifen werden eingesetzt. Foto: Karlheinz Haase

Insgesamt flossen rund 1000 Arbeitsstunden in den Umbau. Der Orgelbau wird rund 102 000 Euro kosten. Hinzu kommt der Einsatz anderer Handwerker wie Elektriker oder Maler. Heuer im Frühjahr wurde die neue Orgel zugesagt, berichtet Pfarrer Simon Mayer. Sie werde großzügig bezuschusst.

Geschichte der Karlburger Orgeln 

Eigentlich sollte Karlburg eine Konzertorgel bekommen. 2014 wurde eine gebrauchte Orgel aus Oberwildflecken erworben, die umgebaut und vergrößert werden sollte. Sie sollte schon 2016 in Karlburg erklingen. Doch erst musste der Umbau der Kirche fertig werden. Und bald – im Herbst 2017 – regnete es zum Dach herein. "Das Geld reichte nun nicht mehr für das Dach und die Orgel", berichtet der Karlburger Kirchenpfleger Reiner Köhler. Das Dach wurde repariert und die Orgel zurückgestellt. 2018 wurde auch das kurz vorher eingerichtete Museum geschlossen.

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Neue Orgel für Karlburg - Manfred Goldkuhle verschafft sich einen ersten Eindruck von der neuen Karlburger Orgel, noch während Intonateur Albert Nass die Pfeifen aufeinander abstimmt.

Köhler hat eine Übersicht der Karlburger Orgelgeschichte zusammengestellt. Er berichtet: "Von der ersten bekannten Orgel ist das Baujahr unbekannt. Sie wurde im Jahre 1805 nach Sachsenheim für 25 Taler verkauft."

Es folgte eine gebrauchte Orgel aus dem Kloster Himmelspforten in Würzburg. Sie war 1739 vom Hoforgelbauer Johann Georg Seuffert gebaut worden. 1929 wurde sie von Eduard Hirnschrooth aus Regensburg gereinigt, gestimmt und überholt. Er erweiterte sie um ein neues Orgelregister. Nach 202 Jahren wurde diese Orgel außer Betrieb genommen.

Reparaturanfällig und zu klein

Ausgerechnet 1941 – also mitten im Zweiten Weltkrieg – beschaffte Pfarrer Münch für  9000 Reichsmark die dritte Orgel, gebaut von der Firma Weisse in Plattling mit Taschenladen und Ledermembranen. "Diese Lederteile waren die Schwachstelle der Orgel", weiß Kübert. Deren Reparatur war jeweils aufwendig, weil die Orgel immer halb zerlegt werden musste. Seit dem Kirchenumbau von 1960 sei sie auch zu klein gewesen. Die Orgel wurde 2010 stillgelegt. Seitdem stand in Karlburg eine kleine Interimsorgel. Kübert: "Diese Notlösung blieb länger als geplant."

Manfred Goldkuhle spielt die bereits eingebauten Pfeifen an. Foto: Karlheinz Haase

Während der Intonation testete Manfred Goldkuhle den bereits fertigen Teil der Orgel. "Sie ist vorne sehr obertönig und die Oboen werden ihr viel Glanz geben", so sein erster Eindruck. Und er ist sich sicher: "Es wird nicht mehr schwer sein, Organisten für Karlburg zu finden. Es macht wieder Spaß, hierher zu fahren."

Weitere Termine nach der Orgelweihe und der Präsentation sind am Sonntag, 5. Januar, um 17 Uhr ein Weihnachtslieder-Mitsingkonzert mit dem Männergesangverein und Bernhard Seelbach sowie am Sonntag, 2. Februar, um 17 Uhr ein Konzert mit Orgelmusik aus vier Jahrhunderten, ebenfalls mit Bernhard Seelbach. 

So fügt sich die neue Karlburger Orgel in die Kirche ein. Foto: Karlheinz Haase

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