LOHR

Erinnerung an jüdisches Leben in Lohr

Die Stadt Lohr soll den Verein Denkort Aumühle mit einer Spende in Höhe von 5000 Euro unterstützen und zudem das ehemalige jüdische Leben in Lohr im öffentlichen Raum sichtbar machen, beschloss der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch einstimmig (21:0).

Wie Bürgermeister Mario Paul erläuterte, ist der Verein über die Bürgermeister-Dienstbesprechung des Landrates an die Stadt Lohr mit der Bitte herangetreten, den Denkort Aumühle in Würzburg zu unterstützen. Laut Paul handelt es sich bei dem ehemaligen Güterbahnhof an der Aumühle um den zentralen Ort, von dem aus die meisten der in Unterfranken lebenden Juden in den Jahren 1941 und 1942 deportiert wurden.

Der von Paul hinzugezogene Vorsitzende des Lohrer Geschichts- und Museumsvereins, Wolfgang Vorwerk, erläuterte, dass der ehemalige Güterbahnhof an der Aumühle zu trauriger Berühmtheit gelangt sei, weil von dort aus 1941 und 1942 1794 der damals 2070 unterfränkischen Juden in die Vernichtungslager in Osteuropa deportiert worden seien.

1933 noch 56 jüdische Bürger in Lohr

Vorwerks Recherchen zufolge befand sich unter diesen Deportierten jedoch kein einziger Lohrer. Dies hänge damit zusammen, dass es zum Beginn der Deportationen 1941 in Lohr keine Mitglieder der ehemaligen jüdischen Gemeinde mehr gegeben habe. Laut Vorwerk gab es im Jahr 1933 noch 56 Personen in Lohr, die der jüdischen Gemeinde angehörten. Diese seien aufgrund von Repressalien jedoch nach und nach in ihre ursprünglichen Heimatorte außerhalb Frankens zurückgekehrt; dort sei es aber auch nicht anders gewesen.

Der Verein Denkort Aumühle möchte laut Vorwerk für jeden unterfränkischen Juden, der vom ehemaligen Güterbahnhof an der Aumühle aus deportiert wurde, dort ein Denkmal in Form eines Gepäckstückes aufstellen – außerdem ein gleiches Gegenstück am Heimatort des Deportierten. Da es zum Zeitpunkt der Deportationen in Lohr jedoch keine Juden mehr gab, wolle der Verein in Lohr kein Gepäckstück aufstellen.

Geschichtsverein und Kulturinitiative zusammenbringen

Wie Bürgermeister Paul ergänzend erläuterte, würde dies „eine Verbindung herstellen, die sich geschichtlich nicht gezeigt hat“. Dennoch sei auch in Lohr rücksichtslos gegen Juden vorgegangen worden, so dass sich die Stadt Lohr veranlasst sehe, den Verein Denkort Aumühle mit 5000 Euro zu unterstützen und zugleich zu überlegen, wie man authentisch und sichtbar an das jüdische Leben in Lohr erinnern könne. Paul schlug vor, den Geschichtsverein und die Kulturinitiative zusammenzubringen, um eine Idee zu entwickeln.

Ulrike Röder (Grüne) regte an, auch junge Menschen in das Projekt „Sichtbarmachung des ehemaligen jüdischen Lebens in Lohr“ einzubinden, eventuell über ein P-Seminar des Gymnasiums in Kunst oder Geschichte.

Denkmal auf dem BKH-Gelände erinnert an deportierte Patienten

Wolfgang Weis (Grüne) wollte wissen, ob unter den deportieren Patienten aus der damaligen Heil- und Pflegeanstalt in Lohr (heute Bezirkskrankenhaus) keine jüdischen dabeigewesen seien. Laut Vorwerk waren dies 20 Personen; diese seien allerdings schon durch ein Denkmal auf dem Bezirkskrankenhausgelände gewürdigt. Zahlreiche weitere Redner aus fast allen Fraktionen machten deutlich, wie wichtig eine „Sichtbarmachung des ehemaligen jüdischen Lebens in Lohr“ sei – gerade in Zeiten wie diesen.

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