HIMMELSTADT/EUßENHEIM

Erkennen, was Leben mit Behinderung heißt

Günter und Ingrid Blöchinger vom VdK Himmelstadt verdeutlichen Schülern der 4. Klasse der Grundschule Eußenheim mit einem Parcour die Probleme von älteren und behinderten Menschen. Foto: Thomas Obermeier

Das sperrige Thema Inklusion bringt der Ortsverband Himmelstadt des Sozialverbandes VdK ganz spielerisch in den Alltag von Sechs- bis Zehnjährigen. Die Schulbeauftragten Ingrid und Günter Blöchinger gehen dazu mit allerlei Erlebnismaterial in Grundschulen des Landkreises Main-Spessart. Mit Rollstühlen, Blindenstöcken und Brailleschrifttafeln für Menschen mit Sehbehinderungen waren sie beispielsweise schon in Urspringen, Himmelstadt, Oberndorf und Eußenheim.

„Behinderungen wie Seh-, Geh- und Hörbehinderung in unterschiedlichen Ausprägungsgraden vollziehen die Kinder durch Simulationsgegenstände nach. Hierdurch lernen sie durch Eigenerfahrung was es bedeutet, behindert zu sein“, beschreiben sie das Konzept.

Was die Kinder dann an einem Schultag nachahmen, dürfte vielen theoretisch schon bekannt sein. Omas, die sich nur mit Hilfe eines Rollators fortbewegen können, Opas mit starken Brillen oder Menschen im Rollstuhl oder mit Taststock werden sie kennen oder werden ihnen auf der Straße begegnet sein. Ingrid und Günter Blöchinger liefern bei den Aktionen des Sozialverbands VdK nicht nur Informationen dazu, was Behinderungen für die Betroffenen bedeuten, sondern sie wollen die Kinder sensibilisieren und bei ihnen Verständnis wecken.

Offenbar haben sie damit Erfolg. Die Schülerinnen und Schüler gehen sehr unbefangen, ohne Vorurteile und interessiert an das Thema heran, haben die VdK-Leute erlebt. So ertasteten die Kinder beispielsweise bei der Aktion in Urspringen Dinge und konnten Wörter in Brailleschrift oder mit Gebärdensprache entziffern.

Am interessantesten erschien ihnen das Fahren im Rollstuhl, fanden die Blöchingers. Zunächst wurden sie von einem Partner geschoben, auf dem Rückweg mussten sie die gleiche Hindernisstrecke alleine bewältigen. Im Nachgespräch waren sich die Schüler aber einig, dass eine solche Fahrt nur Spaß macht, solange man nicht wirklich auf den Rollstuhl angewiesen ist, sondern sich im Alltag auf gesunden Beinen fortbewegen kann, erfuhren die Engagierten vom VdK.

Auch nach der Aktion in Steinfeld äußerten sich die Mädchen und Buben beeindruckt. Und in Himmelstadt näherten sich die Kinder dem Thema zusammen mit Ingrid und Günter Blöchinger zwar zunächst spielerisch und mit viel Spaß. In einer ganzen Projektwoche vertieften die Mädchen und Buben dann das Thema aber mit großem Ernst, und die Viertklässler machten sich mit Leuten vom VdK und dem Bürgermeister auf den Weg, um die Barrierefreiheit der Umgebung der Schule zu erkunden. Mit kritischem Blick entdeckten sie, welche Stellen ihres Heimatdorfes für Menschen mit Einschränkungen gut zu bewältigen sind und wo noch Handlungsbedarf besteht.

Für die Kinder sei die Übungseinheit „Umgang mit Behinderung“ eine wesentliche, neue Erfahrung. Das Verständnis für behinderte Menschen und den Inklusionsgedanken würden geweckt und eine Grundsensibilisierung erreicht, finden die Blöchingers. Es mache Kinder im besten lernfähigen Alter mit der Notwendigkeit von Inklusion vertraut. Und für Kinder mit behinderten Geschwistern oder solche, die selbst gehandicapt sind, ist der Besuch der Blöchingers mit ihrem Simulationsmaterial dann die Möglichkeit, für einen Moment die Erfahrung zu machen, wie es ist, wenn ihre Situation für alle ganz normal ist.

„Besonderheiten und Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen verstehen lernen, am besten so früh wie möglich.“
Ingrid und Günter Blöchinger, Schulbeauftragte des VdK

Ingrid und Günter Blöchinger haben als Ausbildungsmeister im Don Bosco Berufsbildungswerk für lernbehinderte Jugendliche gearbeitet. „Es ist wichtig, dass Menschen ohne Behinderung die Besonderheiten und Bedürfnisse von Menschen mit Beeinträchtigungen kennenlernen und verstehen lernen, am besten so früh wie möglich“, beschreiben sie ihre Motivation, die Kurse zu halten.

Seit September 2012 bildet der Sozialverband VdK Bayern ehrenamtliche Schulbeauftragte aus, die in Kooperation mit Lehrern einen zweistündigen Unterricht gestalten. „Die Aufgaben für die Stationen, welche die Kinder durchlaufen, haben wir teilweise aus unserem Lehrgang übernommen. Wir haben auch selbst Ideen eingearbeitet“, so Günter Blöchinger. „Unsere Ausbildung zum Schulbeauftragten haben wir 2017 absolviert und es wird jedes Jahr ein Aufbaukurs abgehalten, den wir besuchen.“

Rückblick

  1. Preisträger Aktion Zeichen setzen: „Wertschätzung für unsere Arbeit“
  2. Aktion "Zeichen setzen": Applaus für die Rosa Hilfe
  3. Rosa Hilfe Würzburg: "Wir nehmen jedes Anliegen ernst"
  4. Fußballturnier für Kinder der Intensivstation
  5. 50 Jahre Seniorenkreis: Der Donnerstag als Höhepunkt der Woche
  6. Die Rettung altgedienter Haushaltshelfer
  7. Bad Königshöfer Promiband schunkelt für einen guten Zweck
  8. Ehrenamtliche helfen, damit der letzte Wunsch in Erfüllung geht
  9. Einkaufen und Kaffeetrinken im Dorfladen
  10. Der lange Atem der Auber Museumsmacher
  11. Hospizarbeit: Zeit schenken, zuhören und da sein
  12. Engagement für Herzensthemen
  13. Selbst aktiv werden für die Integration
  14. Erkennen, was Leben mit Behinderung heißt
  15. Ein wirklich vorbildliches Kirchturm-Denken
  16. Wunderbare Anerkennung für die Arbeit
  17. Landesbischof Bedford-Strohm begeistert die Ehrenamtlichen
  18. Viele Wege, anderen zu helfen
  19. „Wir wären nichts ohne das Ehrenamt“
  20. Gelebtes Miteinander im Café Diwan
  21. Betreuung mit Liebe und Zuwendung
  22. Ein „Buntes Netz“ der Hilfsbereitschaft
  23. Fränkische Passionsspiele: Eine Gemeinschaft von Freiwilligen
  24. Die helfenden Hände aus Mittelsinn
  25. Aus Liebe zum Leben: Ehrenamtliche begleiten gehörlose Sterbende
  26. Damit die Angst nicht siegt
  27. Wo man sich aussprechen kann
  28. Das Motto: Kümmern ums Landjugendhaus
  29. Zwei Frauen werden Freundinnen
  30. Ehrenamtliche stemmen ein ganzes Festival
  31. Gospelchor: Mehr als mitreißende Rhythmen
  32. Unterm Strich: Frittierte Sonnenstrahlen
  33. Aktion Zeichen setzen: Helfen, weil es Freu(n)de macht
  34. Aktion Zeichen setzen würdigt Ehrenamt
  35. Mutter Beimer: "Mir wurde geholfen, ich habe geholfen"
  36. Wozu wir den Wald brauchen
  37. Kreativwerkstatt für Selbermacher
  38. Ratgeber mit Erfahrung
  39. Waldbad Lengfurt: Ehrenamtlich zu Freibad-Experten werden
  40. Drei Seniorinnen kochen für alle
  41. Der Kampf gegen eine tückische Krankheit
  42. Ein Betrieb mit 150 freiwilligen Mitarbeitern
  43. Die Begeisterung verbindet
  44. Wildromantisches Paradies im Stadtgebiet
  45. Jeder geht seinen eigenen Jakobsweg
  46. Garten der Kulturen und der Begegnung
  47. Die „Lesehörnchen“ kommen ans Krankenbett
  48. Damit die fränkische Mundart bewahrt wird
  49. „Projekt Würzburg“: Spenden sammeln für soziale Aufgaben
  50. Aktion Zeichen setzen: Die Freude der Preisträger

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Himmelstadt
  • Angelika Becker-Völker
  • Behinderte
  • Berufsbildungswerke
  • Grundschulen
  • Kinder und Jugendliche
  • Lernbehinderte
  • Mädchen
  • Schulkinder
  • Schülerinnen und Schüler
  • Sozialverband VdK
  • Sozialverbände
  • Viertklässler
  • Zeichen setzen
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!