Kreuzwertheim

Erweiterung des Kreuzwertheimer Feuerwehrhauses "macht keinen Sinn"

Bei der ersten Gemeinderatssitzung des Jahres diskutierte das Gremium vor allem über das alte Feuerwehrhaus. Lohnt sich eine Sanierung oder ist ein Neubau die bessere Lösung?
Ein Gutachten soll klären, ob eine Sanierung oder ein Neubau die wirtschaftlichere Variante für das mehr als 50 Jahre alte Kreuzwertheimer Feuerwehrhaus ist. Foto: Elmar Kellner

Kurz bevor der öffentliche Teil der Gemeinderatssitzung im Kreuzwertheimer Rathaus beendet war, musste sich Bürgermeister Klaus Thoma noch mit einer unangenehmen Frage beschäftigen. "Von welcher Seite aus stinkt der Fisch im Rathaus eigentlich?", wollte Gemeinderat Gerd Flick wissen. Er sprach dabei die vielen Personalwechsel der Verwaltungsgemeinschaft - fünf von 15 Mitarbeitern haben gekündigt -an, die im Ort für Verwirrung sorgen würden. "Der Fisch stinkt gar nicht, wir haben sauberes Wasser im Main", entgegnete Thoma süffisant. Für die hohe Fluktuation gebe es eine einfache Erklärung: "Im öffentlichen Dienst fehlen hinten und vorne Leute, das ist leider überall so", so der Bürgermeister. Man könne es nicht verhindern, wenn Menschen woanders bessere Konditionen als im öffentlichen Dienst vorfinden.

Ansonsten blieb das Personalthema eine Randnotiz bei der ersten Sitzung des Gemeinderats in diesem Jahr. Schwerpunkt am Dienstag: Das Feuerwehrhaus und die Frage: Lohnt sich eine Sanierung oder ist ein Neubau die wirtschaftlichere Lösung? Dazu wurde der Marktheidenfelder Architekt Stefan Zöller im Vorfeld beauftragt, zu prüfen, ob überhaupt ein Gutachten zur Beurteilung der räumlichen und baulichen Entwicklungsmöglichkeiten sinnvoll sei. Sein eindeutiges Fazit: "Das wäre schade um jeden einzelnen Euro", so Zöller. Ein Gutachten ergebe keinen Sinn.

Feuerwehrhaus: Neubau statt Sanierung

Deutlich werde dies in vielen Bereichen. Zu eng, zu wenige Stellplätze, fehlende Umkleiden oder veraltete Sanitäreinrichtungen. Laut Zöller sei auch ein richtiger Umgang mit verschmutzter und kontaminierter Ausrüstung nicht möglich, da sich diese in der gleichen Fahrzeughalle, wie die der Einsatzkleidung befindet. Ebenfalls bemängelte der Architekt den gefährlichen Begegnungsverkehr zwischen ausfahrenden Feuerwehrfahrzeugen und anrückenden Einsatzkräften. Hier fehle ein separater Zugang.

Aufgrund der Mängel riet Zöller von einer baulichen Erweiterung am jetzigen Standort ab. Eine Generalsanierung des Gebäudes sei aus Platzgründen gar nicht möglich. Laut Bewertung des IBG (Ingenieurbüro für Brandschutz und Gefahrenabwehrplanung) könne das Feuerwehrgerätehaus unter Berücksichtigung einzelner Maßnahmen voraussichtlich noch fünf Jahre betrieben werden. Und diese Zeit sei für die Planung eines Neubaus auch zwingend erforderlich. Denn auf Nachfrage der Gemeinderätin Silvia Klee sagte Zöller: "Dafür muss man einen langen Weg gehen." Und so beschloss der Gemeinderat, von der Erstellung eines Gutachtens für potentielle Erweiterungen abzusehen und gleichzeitig neue geeignete Grundstücke zu prüfen.

Erhöhung der Hebesätze wäre ein falsches Signal

Ein weiteres Thema der Gemeinderatssitzung waren die Realsteuerhebesätze in Kreuzwertheim. "Unsere Steuerkraft ist mitunter sehr deutlich über dem Landesdurchschnitt", betonte Bürgermeister Klaus Thoma. Kreuzwertheim leistet sich deshalb im Vergleich mit der Region sehr niedrige Hebesätze für Grund- und Gewerbesteuer. Und das seit fast 30 Jahren. Doch die rückläufige Konjunktur mache in den nächsten Jahren auch nicht vor der Marktgemeinde Halt. Auch hier rechne man deshalb mit geringeren Einnahmen, erklärte Thoma.

Trotzdem beschloss der Gemeinderat, die Hebesätze derzeit nicht zu erhöhen. Dies sei in der aktuellen Wirtschaftssituation ein falsches Signal, betonte Thoma. Der Gemeinderat diskutierte über die "schlechte Infrastruktur" und die möglichen Stellschrauben, an der die Gemeinde drehen könnte. Thoma: "Die Auftragslage ist nicht mehr so gut, auf längere Sicht werden wir deshalb nicht um eine Erhöhung herumkommen." Für dieses Jahr ist eine Erhöhung allerdings vom Tisch.

Weitere Punkte aus der Beratung

  • Der Gemeinderat stimmte dem Bauvorhaben zu, wonach in der Lindenstraße drei Fertiggaragen, ein Balkon und ein Wintergarten errichtet werden sollen.
  • Ein weiterer Bauantrag zum Neubau eines Wohnhauses mit Garage und Schuppen in Röttbach wurde vom Gemeinderat einstimmig genehmigt.
  • Einem Anbau an ein bestehendes Wohnhaus im Akazienweg konnte das Gremium vorerst nicht zustimmen. Hier wurde beantragt, den Bauausschuss einzuschalten, der den Anbau noch prüfen soll. Laut einer Gemeinderätin hätten Nachbarn Bedenken angemeldet.
  • Der Gemeinderat beschloss einstimmig, dass für den Jahresantrag 2020 des Städtebauförderprogramms zusätzliche Mittel in Höhe von 29 750 Euro für die Erarbeitung einer Gestaltungssatzung mitsamt Gestaltungsleitlinien angemeldet werden. Zweck des Förderprogrammes sind Erhaltungs-, Sanierungs- und Gestaltungsmaßnahmen.

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