Erwin Fertig holt Dietmar Hamberger ins Boot

Fertig Motors GmbH Vor genau zehn Jahren gab er die Elau AG an Schneider Electric ab, vor fünf Jahren gründete er eine neue Firma. Mit Dietmar Hamberger an der Seite will Erwin Fertig jetzt Platz drei als Servomotoren-Hersteller erobern.
Spezialisiert auf Servomotoren: Erwin Fertig, Gründer der Fertig Motors GmbH (rechts) holte mit Dietmar Hamberger einen zweiten Geschäftsführer mit ins Boot. Fertig kümmert sich weiter um die strategische Ausrichtung des Betriebs, Hamberger verantwortet das operative Geschäft. Foto: Roland Pleier

Vierzehn Jahre hatten sie schon zusammengearbeitet: Dietmar Hamberger war in Erwin Fertigs Elau AG tätig. Zwischendurch arbeitete Hamberger für Firmen in Hameln und Freiburg. Auf den Tag genau zehn Jahre später ist der ehemalige Leistungssportler nun zurückgerudert in den Heimathafen: Seit 1. Juli verantwortet der 54-jährige Marktheidenfelder das operative Geschäft in Fertigs jetzigem Unternehmen, der Fertig Motors GmbH.

„Die 68er waren voller Bewegung“, spielt Fertig mit Zahlen. Im November erreicht er das Alter von 68 Jahren. Es sei an der Zeit, einen Nachfolger heranzuziehen, stellt er Hamberger bei einer Pressekonferenz vor: als einen „Mann aus der Gegend“, einen „Mann mit Knowhow“, als einen, der strategisch mitdenkt und – das unterstreicht er mehrfach – als einen mit „sozialer Kompetenz“.

Hamberger, damals schon in leitender Position tätig, hatte die Elau AG 2005 verlassen – als Fertig sein Unternehmen an Schneider Electric abgab. Der gelernte Elektriker blieb in der Branche, vertrieb für Lenze Automationssysteme in ganz Europa, war bei Sick in der Geschäftsleitung. Mit ihm will Fertig nun in seinem zweiten, erst fünf Jahre alten Unternehmen durchstarten.

„Wenn man vorne mitspielen will, braucht man die besten Werkzeuge und vor allem die besten Leute.“
Erwin Fertig Unternehmer

„Mich interessiert nicht der Umsatz“, holt er aus. „Mich interessiert der Marktanteil.“ Zu den Top Ten der deutschen Hersteller von Elektromotoren gehört die 40-Mann-Firma laut Fertig jetzt schon. „Wir wollen die Nummer drei werden hinter Siemens und Bosch“, steckt er das Ziel ab, das die Firma binnen fünf Jahren erreichen will. Er selbst wolle dabei etwas kürzer treten und sich vornehmlich um die strategische Ausrichtung kümmern.

Das ist ehrgeizig, scheint aber machbar. Schließlich war Fertig mit seiner Elau AG angetreten, um Marktführer in der Verpackungsindustrie zu werden. „Und siehe da: Nach zehn Jahren waren wir's“, blickt er zurück.

Servomotoren, wie sie die Fertig Motors GmbH zusammenbaut, werden vor allem im Maschinenbau eingesetzt. Und überall steht „Made in Germany“ drauf. Darauf legt der Firmengründer wert. „Deutschland ist das Mutterland der Automatisierungstechnik“, betont er.

Wobei er immer versucht, neue Wege zu gehen. Dabei ist Fertig offenbar ein entscheidender Schritt gelungen: Während herkömmliche Elektromotoren alle zwei Kabel benötigen – eines für die Leistung und ein zweites fürs Feedback – entwickelten die Marktheidenfelder am Dillberg als „weltweit erste“ (Fertig) die Ein-Kabel-Technik. Das spart den Nutzern viel Geld, denn Kabel sind aufwändig zu produzieren und teuer.

Im ersten Jahr nach der Firmengründung wurde – damals noch im Gewerbegebiet Altfeld – fast ausschließlich getüftelt. Das Startkapital dafür hat Fertig seinem Joint-Venture-Partner, Hans Beckhoff, mittlerweile längst zurückgezahlt. „Die Firma ist schuldenfrei.“

Die Zahl der produzierten Stückzahlen wurde jährlich verdoppelt, die Zahl der Mitarbeiter wuchs in den fünf Jahren von zehn auf 40. Im April dieses Jahres wurde der 50 000. Motor ausgeliefert, im August schon die Nummer 63 000. Um in fünf Jahren die angestrebten 100 000 Motoren zu fertigen, werde die Firma wohl 100 Beschäftigte benötigen, meint Fertig. Für diese Dimension reicht das einen Hektar große Firmengelände noch aus.

Hamberger freut sich auf seine neue Aufgabe, die „vielen jungen Leute, die mit Riesenbegeisterung dabei sind“. Dies ist ein Teil des Unternehmenserfolgs, so der Firmengründer. „Wenn man vorne mitspielen will, braucht man die besten Werkzeuge und vor allem die besten Leute.“ Gesucht seien vor allem Elektroningenieure und Maschinenbaukonstrukteure.

Hamberger, ein waschechter Marktheidenfelder, lernte bei Elektro Knittel Elektriker und bildete sich verschiedentlich fort. Mit seiner Ehefrau Andrea Hamberger, Vorsitzende der Freien-Wähler-Fraktion im Marktheidenfelder Stadtrat, hat er zwei Kinder. Schwielen an den Händen zeigen, dass der Junioren-Weltmeister von 1979 bis heute als Ruderer aktiv ist.

Fertig Motors GmbH

Gründung: Im März 2010 als Joint Venture von Hans Beckhoff (Beckhoff Automation GmbH mit Sitz in Verl, Nordrhein-Westfalen) und dem Marktheidenfelder Erwin Fertig (Gründer der Elau AG, 2005 übernommen von Schneider Electric).

2013: Umzug vom Gewerbegebiet Altfeld ins Gewerbegebiet am Dillberg.

Produktion: Die Firma montiert, lackiert und prüft Servomotoren für Holzbearbeitungs-, Kunststoff-, Verpackungs-, Nahrungsmittel-, Druck- und Papiermaschinen, für Robotik, Windkraftanlagen sowie Bühnen- und Showtechnik. Produktionsbeginn war im Januar 2011. Geliefert werden können 1200 Varianten. Übliche Lieferzeit: zwei Wochen nach Bestellung.

Produktionsumfang: Gefertigt wird nur auf Bestellung, von Einzelanfertigungen bis zu hohen Stückzahlen. Täglich verlassen 170 bis 220 Motoren die Produktionshalle. Die Zahl von 23 000 Motoren im Jahr 2014 wurden im August dieses Jahres bereits überschritten.

Beschäftigte: Von zehn Mitarbeitern im Gründungsjahr auf aktuell 40 angewachsen. Bei kontinuierlicher Geschäftsentwicklung rechnet Fertig mit 100 Beschäftigten im Jahr 2020.

Umsatz: Zwölf Millionen Euro im Jahr 2014, Tendenz: steigend.

Beckhoff Automation: Der Joint-Venture-Partner, der die Motoren vertreibt, machte 2014 mit weltweit 2800 Beschäftigen 510 Millionen Euro Umsatz. Der Exportanteil lag bei 62 Prozent. rp

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