Lohr

»Es werden sich Türen öffnen«

Freude über bestandenen Schulabschluss (von links): Klinikdirektor Dominikus Bönsch, Heinz Weigand (Lehrer am BKH), Abdul A., Kevin Schlaug (Lehrer BKH), Andreas P., Alexis Buhler (Lehrerin BKH), Susanne Rinno, Schulleiterin der Mittelschule, Inge F., Ingrid Bauer (Lehrerin Mittelschule), Aron W., Murat P. Foto: Frank Zagel

Einmal Mittelschulabschluss, drei Qualifizierende Mittelschulabschlüsse und viermal Mittlere Reife: Bereits im zweiten Schuljahr nacheinander konnten acht Patienten der Forensischen Klinik während ihres therapeutischen Aufenthalts einen Schulabschluss nachholen, angetreten waren Neun.

Grund genug für Professor Dominikus Bönsch, dem Klinikdirektor, »mit großem Stolz« auf die Leistungen der Absolventen zurückzublicken. Es gäbe in der Forensik oft keine schönen Termine, richtete er bei der Zeugnisvergabe am Montagmorgen in der Forensischen Klinik an seine Patienten. »Heute ist jedoch ein besonderer Tag, für Sie und auch für uns.«

Die teilweise überdurchschnittliche Intelligenz der Schüler des vergangenen Schuljahres, die in der Klinik von zwei hauptamtlichen Lehrern auf die Prüfung vorbereitet wurden, werde leider oft anderweitig verwendet, so Bönsch. »Sie haben Ihre Chance genutzt, mit ihrer Vergangenheit aufzuräumen.« Die Schulleiterin der Gustav-Wöhrnitz-Mittelschule in Lohr Susanne Rinno, die mit der betreuenden Lehrerin Ingrid Bauer für die Abnahme der Prüfungen zuständig war, richtete zwei Wünsche an die junge Frau und die Männer: »Halten Sie weiter durch, es werden sich Türen öffnen, nicht nur die der Forensik.«

Immer betreut

Im vergangenen Jahr konnten Patienten aus dem Maßregelvollzug der Klinik erstmalig einen Schulabschluss nachholen. Von Beginn an betreute die Lehrerin für Haupt- und Realschulen, Alexis Buhler, ihre Probanden im Haus. Seit einem Jahr wird sie von Realschullehrer Kevin Schlaug unterstützt.

Unter den anwesenden Patienten sitzt auch Abdul A., der bereits seit 13 Monaten seine Therapie in der Klinik bestreitet und jetzt mit einem Zeugnis über den Qualifizierenden Mittelschulabschluss für seine Leistungen ausgezeichnet wurde. Beachtenswert die Note Zwei im Fach Deutsch.

Der 24-jährige Syrer erklärt mittlerweile im flüssigen Deutsch, dass er kaum ein Wort sprechen konnte, als er die Therapie begann. Ende 2015 sei er, kurz nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Latakia, am Mittelmeer gelegen, nach Deutschland gekommen, da er zum Militärdienst verpflichtet worden sei und umgehend in den Krieg hätte ziehen müssen.

Alleine in Deutschland angekommen, sei er in den Kontakt mit Drogen gekommen, berichtet der 24-Jährige aufgeschlossen.

Um wenigsten etwas Geld zu verdienen, habe er damit begonnen, Haschisch zu verkaufen. »Nach drei Monaten wurde ich schon erwischt«, erinnert sich Abdul A. zurück. Die Zeit der Therapie und seinen Schulabschluss nutzte der Patient für einen Neuanfang – ohne Drogen und Strafdelikte.

»Eine Ausbildung als Friseur wäre schön, kochen kann ich auch«, schmunzelt Abdul A.

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