STEINBACH

Ex-RMD-Gebäude: Das Herz im Schönrain-Park schlägt

Die Mieter der ersten zwölf Wohneinheiten im Schönrain-Park werden von Osterglocken begrüßt.
Die Mieter der ersten zwölf Wohneinheiten im Schönrain-Park werden von Osterglocken begrüßt. Foto: Roland Pleier

Im November sind die ersten, vor sechs Wochen die letzten Mieter eingezogen: Bauabschnitt 1 der Wohnanlage Christoph von Huttens ist abgeschlossen. Alle zwölf Wohnungen des ehemaligen RMD-Gebäudes sind belegt, teilte von Hutten auf Anfrage der Main-Post mit.

Und schon stehen wieder Baumaschinen vor der Tür: Dieser Tage wird mit der Erschließung des Schönrain-Parks von der Hofstettener Straße her begonnen. Für die Bewohner der benachbarten Mietshäuser, ehemals Betriebswohnungen, wird eine provisorische Zufahrt von der Rückseite des Areals geschaffen.

Erschließungsstraße wird gebaut

Die Erschließung – nach öffentlichen Kriterien – von gut 50 Metern zusätzlicher Straße, die sich im Besitz der Anwohner befinden, muss von Hutten ganz und gar aus eigener Tasche bezahlen. Das koste ihn rund 100 000 Euro mehr, als wenn er sie als Privatstraße ausgebaut hätte, erläutert er und umschreibt seine Haltung dazu diplomatisch: „Die Stadt Lohr hat eine für sie sehr preiswerte und elegante Lösung gefunden, das ehemalige RMD-Gelände samt der Anwohnergrundstücke öffentlich erschließen zu lassen“, erklärt der 53-jährige Forstwirt und Bauunternehmer im Gespräch mit der Redaktion. „Mehr darüber möchte ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.“

Parallel dazu werden auch schon die Fundamente für die ersten Neubauten gelegt: Darauf baut von Hutten drei Einfamilienhäusern mit 150 bis 200 Quadratmetern sowie ein Doppelhaus, dessen eine Hälfte als Musterhaus zu besichtigen sein wird: So wie diese Wohneinheit sollen dann auch alle weiteren Häuser aussehen, mit 125 Quadratmetern Wohnfläche auf zwei Etagen, verbunden mit einem behindertengerechtem Aufzug.

„Was der Markt verlangt“

Schließlich plant Christoph von Hutten auf seinem fast eineinhalb Hektar großen Areal, das er vor drei Jahren mit seiner Frau Eli von Hutten und stillen Teilhabern erworben hat, weitere 28 Häuser in Reihe zu bauen. Ob in Holzbauweise, in der Art der Skanwood-Schwedenhäuser, die er seit Jahrzehnten vertreibt, oder in massiver Bauweise, das sei ihm egal, sagt er. Er baue zum einen, „was der Markt verlangt“, zum anderen „erst, wenn wir verkauft haben“ – um die Wohnungen dann bezugsfertig zu übergeben.

Die nächsten fünf Einheiten verdichten praktisch die bestehende Bebauung und füllen Lücken, weshalb von Hutten mit deren Bau bereits beginnen kann. Für die darüber hinaus geplanten drei Häuserriegel aber muss er noch auf den vorhabenbezogenen Bebauungsplan warten. Er hoffe, dass er „im zeitigen Frühjahr 2019“ loslegen könne.

Mit Wärme versorgt werden all diese Wohnungen von der Hackschnitzelanlage, die er im Keller des RMD-Gebäudes hat bauen lassen. Sie ist ausgelegt für eine Leistung von 300 Kilowatt und ausgestattet mit zwei Pufferspeichern von jeweils 5000 Litern Fassungsvermögen. Die Investition – von Hutten beziffert sie mit 240 000 Euro ohne die Nahwärmeleitungen – rechne sich aber, versichert er. Für die jetzt schon vermieteten zwölf Wohnungen benötige er maximal zwölf Prozent der Gesamtleistung.

Das Sahnhäubchen obenauf

Fehlen dann nur noch die geplanten Sahnehäubchen obendrauf: Ein zentral gelegenes Schwimmbecken, der Umbau der früheren Fahrzeughalle zur Festhalle und die Reaktivierung der Kegelbahn im Keller. „Ich verspreche, dass das alles kommen wird, wenn die Häuser realisiert sind.“ Für ihn werde das der Bonus sein, „wenn alles gut gegangen ist“. Schließlich sei dies ein Alleinstellungsmerkmal für die Wohnanlage Schönrain-Park sagt er und blickt in Richtung Nordosten, wo hinter dem Salzberg der Schönrain mit seiner Ruine liegt.

Das Alleinstellungsmerkmal und die Zielgruppe (von Hutten setzt vor allem auf den Jahrgang 1964, die Babyboomer-Generation, der er selbst angehört) könnten auch wichtig sein, um weiter erfolgreich zu sein. Denn wie erst kürzlich berichtet, sind derzeit in Lohr drei größere Bauprojekte im Entstehen: Das Brauereiareal mit seiner künftigen Gemischt-Nutzung scheidet als direkte Konkurrenz wohl aus.

Projekt kostet gut zehn Millionen Euro

Darüber hinaus aber errichtet Uwe Schmidt in der Rechtenbacher Straße zwei Mehrfamilienhäuser mit 42 Wohnungen, und dann gibt es auch noch die Pläne, das Aloysianum-Areal mit 58 Wohnungen und zehn Einfamilienhäusern sowie einer Pflegeeinrichtung mit 112 Zimmern zu bebauen – allesamt Millionen-Projekte. Für seinen Schönrain-Park hat von Hutten gut zehn Millionen Euro angesetzt.

Vom Verwaltungsgebäude zur Wohnanlage

Als das Verwaltungsgebäude 1950/51 gebaut wurde, lag das zwei Hektar große Areal der Rhein-Main-Donau AG (RMD) am nordöstlichen Ortsrand von Steinbach. Es umfasste auch Garagen und Werkhallen sowie zwei Wohnblöcke, ursprünglich vorgesehen als Betriebswohnungen.

Die RMD nutzte das Areal bis 1998. Das Hauptgebäude wurde seitdem nur einmal kurzzeitig genutzt, und zwar von Kindergartenkindern aus Steinbach, Halsbach und Pflochsbach, als der Steinbacher Kindergarten 2011 umgebaut wurde. Einen Käufer oder Mieter für die verbliebenen Liegenschaften fand der RMD-Mutterkonzern E.on, nicht.

2007 brachte Stadt deshalb eigens einen Bebauungsplan auf den Weg, damit die E.on die verbliebenen 14 000 Quadratmeter in Eigenregie zum Baugebiet entwickeln könne. Damals ging man von 25 möglichen Baugrundstücken aus. E.on entschied sich dann doch, das Areal komplett zu verkaufen. Der Lohrer Stadtrat lehnte das Kaufangebot 2014 ab – wohl weil die Preisvorstellungen zu weit auseinander lagen.

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan war indes – mitsamt Bürgerbeteiligung – so weit gediehen, dass er „Entwurfsqualität“ hatte. Er sah vor, das Verwaltungsgebäude ebenso wie die Garagen und der Betriebshof der ehemals von RMD angesiedelten „Flussgruppe Main“ abzureißen.

Dieses Verfahren musste erst einmal gestoppt werden, bevor ein neues eingeleitet werden konnte. Dieser Verwaltungsakt bremste den sportlichen Zeitplan Christoph von Huttens etwas aus. Denn der Steinbacher Holzhausbauer, der durch einen Main-Post-Artikel auf diese Situation aufmerksam geworden war und das Areal 2015 gekauft hatte, wollte (was er nun getan hat) das Haupthaus erhalten. Dies machte die Zeit raubende Änderung nötig.

Die Südost-Seite des ehemaligen RMD-Gebäudes in Steinbach: Gravierendster Unterschied sind die Gaubenfenster, gehalten im Grün oxidierten Kupfers. Der Bagger ist dabei, eine Behelfszufahrt anzulegen, da mit der Erschließung der Zufahrt von der Hofstettener Straße her begonnen wird.
Die Südost-Seite des ehemaligen RMD-Gebäudes in Steinbach: Gravierendster Unterschied sind die Gaubenfenster, gehalten im Grün oxidierten Kupfers. Der Bagger ist dabei, eine Behelfszufahrt anzulegen, da mit der Erschließung der Zufahrt von der Hofstettener Straße her begonnen wird. Foto: Roland Pleier
Was gut war, das blieb: Der Handlauf der Treppe im Haupthaus des ehemaligen RMD- Gebäude, jetzt Herzstück der Wohnanlage Schönrain-Park.
Was gut war, das blieb: Der Handlauf der Treppe im Haupthaus des ehemaligen RMD- Gebäude, jetzt Herzstück der Wohnanlage Schönrain-Park. Foto: Roland Pleier

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