Marktheidenfeld

Fasching: Wie aus den Meemädli der Lorbser Maori-Tänzerinnen werden

Wenn es nur das Tanzen wäre: Auch handwerklich sind die 14 Frauen der Schautanzgruppe gefordert. Dabei wird streng darauf geachtet, dass sich keine abseilt.
Prüfung bei der Anprobe: Sitzt der Rock auch richtig auf der Taille? Schließlich darf er beim Tanz nicht herunterrutschen. Foto: Dorothea Fischer

"Zwischen den Jahren" in Marktheidenfeld: Während so mancher noch das üppige Weihnachtsessen verdaut und sich auf die Silvesterparty vorbereitet, feilen Christine Stricker und Michaela Dürr an einer Choreografie: Binnen einer Minute sollen die "Meemädli" Schrittfolge, Formationen und Hebefiguren zeigen. Was die Schautanzgruppe des Marktheidenfelder Faschingsvereins Lorbser jetzt noch einübt, soll die Zugabe werden, nach der die Zuschauer der Prunksitzungen in der Regel verlangen.

Der Maori-Tanz mit dem Schlussbild ist einstudiert. In der Zeit bis Fasching muss die Gruppe nur noch die Choreografie für den Zugabe-Tanz einstudieren. Foto: Dorothea Fischer

Ihren eigentlichen Faschingstanz beherrschen die 14 Tänzerinnen jetzt, Ende Dezember, längst in- und auswendig, erzählt Dürr beim Pressetermin. Fehlt nur noch die Zugabe, die extra einstudiert wird. "Da feiern wir uns selbst", fasst die 39-Jährige zusammen. Denn im Vordergrund steht bei den Frauen der Spaß, nicht der Leistungsdruck, so Trainerkollegin Stricker. 

In sechs Wochen wird es ernst

Dennoch: Wenn die "Meemädli" Mitte Februar den aktuellen Tanz zum ersten Mal zeigen, ahnt kaum jemand, wie viel Kopfzerbrechen die Vorbereitungen bereitet haben, wie viel Schweiß geflossen ist.

Sandra Müller und Ramona Reinhart ordneten Bambusstücke für die Röcke neu an und befestigten sie mit der Heißklebepistole. Foto: Dorothea Fischer

Schon kurz nach Aschermittwoch im vergangenen Jahr hatten die Trainerinnen das nächste Motto parat: Sie wollten einen Tanz aufführen, angelehnt an den rituellen "Haka" der neuseeländischen Ureinwohner Maori.

"Ich mag es, wenn die Musik zum Thema passt", so Stricker. Deshalb wählte die 32-Jährige verschiedene Stücke aus, die sie mit einem Computerprogramm aneinanderreihte. In diesem Jahr werden vor allem traditionelle Trommeln den Takt des siebenminütigen Tanzes vorgeben. Außerdem erzeugte Stricker mit der Musik einen Spannungsbogen, währenddessen die Tänzerinnen eine Geschichte erzählen. Die eigentlichen Tanzschritte sind von Stilen aus aller Welt inspiriert.

Wie aus anfänglichem Chaos etwas Bühnenwirksames entsteht

Bereits im dritten Jahr arbeitet das Trainerduo Dürr und Stricker zusammen. "Anfangs sind unsere Ideen für einen neuen Tanz noch sehr chaotisch", sagen sie. Sie ordnen ihre Gedanken und erstellen gemeinsam eine Schrittfolge. Diese muss gleichzeitig abwechslungsreich, raumgreifend, musikbetont, fließend und bühnenwirksam sein, um die Zuschauer nicht zu langweilen.

Wochenlang haben sich die "Meemädli" Sonntag für Sonntag getroffen, um die Kostüme herzustellen. Sie verarbeiteten Teile alter Bambusvorhänge, wie man sie als Insektenschutz in Türen hängt. Foto: Dorothea Fischer

Ob die Schrittfolge so umgesetzt werden kann, wie von Stricker und Dürr ausgearbeitet, zeigt sich erst, wenn die Gruppe ab April gemeinsam probt. Doch damit nicht genug. Nach dem Üben sind Handarbeiten und Basteln gefragt. Drei Monate lang nähten die Tänzerinnen jede Woche für zwei Stunden gemeinsam Kostüme; sie bastelten Kopfschmuck und klebten Pailletten auf.

Fast alles selbstgemacht

Auf die vielen Näh- und Tanzstunden der Frauen müssen ihre Familien Rücksicht nehmen. "Es ist uns wichtig, dass alle beim Nähen helfen", betont Dürr - die Arbeit solle nicht an Einzelnen hängen bleiben. "In diesem Jahr machen wir zum ersten Mal fast alles selbst", ergänzt Stricker. Schließlich sollen die Maori-Kostüme individuell sein. "Wir legen Wert darauf, dass sie den Originalen möglichst ähnlich sind."

Angelika Geißler setzte an der Nähmaschine die verschiedenen Stoffstücke für den Kummerbund der "Männer"-Kostüme zusammen. Foto: Dorothea Fischer

Für den tanzenden "Mann" gibt es einen Kummerbund, für die Frau ein traditionell gemustertes Oberteil. Die Röcke werden aus Bambus-Türbehängen gefertigt, wie man sie zum Schutz vor Insekten aufhängt. "Hoffentlich halten die Bänder in der Taille", bangt Dürr. Denn die Kostüme der "Meemädli" müssen nicht nur im Rampenlicht gut aussehen, sondern auch schnelle Bewegungen aushalten.

Ab und zu gibt's auch Krach

Auch wenn viele Ideen rund um den Auftritt von den Trainerinnen stammen: Für Anregungen der anderen Tänzerinnen sind sie immer offen und dankbar. Wenn so viele Frauen zusammen sind, "kracht es auch mal", gesteht Stricker. Aber das lege sich schnell wieder. Man verstehe sich gut und unternehme auch abseits der Bühne gerne etwas gemeinsam.

Der schönste Moment aber wird es sein, wenn der Applaus verklungen sein wird und die ersten Trommelschläge der Zugabe ertönen. Das weiß Michaela Dürr aus jahrelanger Erfahrung. Dann nämlich wird den "Meemädli" bewusst: "Jetzt dauert es nur noch eine Minute. Lasst sie uns genießen und beim Abgang von der Bühne feiern wir uns selbst!"

14 Meemädli - die Schautanzgruppe der Hädefelder Lorbser
Die Schautanzgruppe der Hädefelder Lorbser gibt es seit 2006. Heute nennt sich die Gruppe aus 14 Tänzerinnen - eine von sieben des Faschingsvereins - "Meemädli". Die Frauen sind die zwischen 30 und 60 Jahre alt. Trainiert wird immer montags von 20 bis 22 Uhr in der Lorbser-Halle in der Lengfurter Straße in Marktheidenfeld, seit Anfang Dezember zuästzlich noch an Sonntagvormittagen. Den Maori-Tanz zeigen die "Meemädli" zum ersten Mal bei der Seniorensitzung der Lorbser am 15. Februar im Pfarrheim.

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