Retzbach

Fast 40 000 Quadratmeter neue Gewerbefläche geplant

Im Anschluss an das Retzbacher Gewerbegebiet sollen rund 38 400 Quadratmeter zusätzliche Gewerbefläche entstehen. Allerdings schätzt ein Ingenieurbüro die Erschließungskosten relativ hoch ein. Teuer wäre vor allem ein eigener Kanal für Regenwasser unter der Bahnlinie hindurch zum Main.
Im Anschluss an das Retzbacher Gewerbegebiet sollen rund 38 400 Quadratmeter zusätzliche Gewerbefläche entstehen. Allerdings schätzt ein Ingenieurbüro die Erschließungskosten relativ hoch ein. Teuer wäre vor allem ein eigener Kanal für Regenwasser unter der Bahnlinie hindurch zum Main. Foto: Jürgen Kamm

Knapp vier Hektar groß wird die Erweiterung des Retzbacher Gewerbegebiets sein. Der Zellinger Gemeinderat musste allerdings die bittere Pille schlucken, dass die Erschließungskosten mit geschätzten 1,8 Millionen Euro relativ hoch ausfallen dürften, was auch hohe Bauplatzpreise bedeuten würde. Der Gemeinderat beschloss dennoch, den Geltungsbereich des Bebauungsplanes "Gewerbegebiet Retzbach II" um eine Teilfläche eines Grundstücks zu erweitern und beauftragte das Ingenieurbüro Arz, einen Bebauungsplanentwurf zu erstellen.

Grund für die hohen Erschließungskosten von geschätzten 1,83 Millionen Euro ist der Aufwand für die Kanalisation. Diese stellte Tobias Schneider vom Ingenieurbüro Arz als Trennsystem mit eigenem Oberflächenwasserkanal für das Niederschlagswasser von den Dächern und gewerblichen Hofflächen vor. Dafür müsste ein eigener Kanal unter der Bahnlinie hindurch bis zum Main verlegt werden. Nach Einschätzung des Bauamtleiters Wolfgang Brand wird das Landratsamt vermutlich auf einem solchen Trennsystem bestehen. Bürgermeister Wieland Gsell erläuterte, dass im Wasserhaushaltsgesetz zwar "soll im Trennsystem erfolgen" heißt, doch damit umschrieben Juristen üblicherweise "es muss so gemacht werden".

Im bisherigen Gewerbegebiet gibt es wie fast im gesamten Ort ein Mischsystem mit nur einem Kanal. Für dieses argumentierte Gemeinderätin Barbara Gehrig, in einem Gewerbegebiet würde der Schmutzwasserkanal eines Trennsystems zu wenig benutzt und müsste dann aufwändig manuell gereinigt werden, wenn Regenwasser seine "Spülung" nicht kostenlos übernimmt.

Ungeachtet der rechtlichen Vorgaben erklärte Ingenieur Tobias Schneider dazu, für eine Mischsystem müssten die bestehenden Kanäle zumindest vergrößert werden. Aufgrund der Topographie könnte auch die Tieferlegung einzelner Abschnitt nötig werden, was ebenfalls recht teuer ist.

Lösung für günstigere Preise finden

Auch den Vorschlag von Gemeinderat Stefan Wohlfart, die Regenwasser von Dächern und Parkplätzen könnten doch auf den Grundstücken versickert werden, beurteilte der Fachmann kritisch. Zum einen liegt noch keine Bodenuntersuchung vor. Zum anderen müssen die Firmen dann Geld für Versickerungsmulden oder Teiche ausgeben und können diesen Teil des Grundstücks nicht anders nutzen.

Rechnet man auf die geschätzten Erschließungskosten noch Nebenkosten und Mehrwertsteuer dazu ergeben sich schon fast 2,3 Millionen Euro, zuzüglich dem Aufkauf der Grundstücke sind es dann fast 2,8 Millionen Euro. Das ergäbe schon einen Preis von über 90 Euro je Quadratmeter Gewerbegrundstück, es ist aber auch noch mit Planungs- und Gutachterkosten zu rechnen. Bisher war der Gemeinderat von Grundstückskosten im Bereich von 65 Euro pro Quadratmeter ausgegangen.

"Auf so teuren Grundstücken bleiben wir doch sitzen", befürchten die Gemeinderäte generell. Jürgen Keller fragte konkret, was im geplanten neuen Gewerbegebiet der Nachbargemeinde Himmelstadt an Kosten und Preisen zu erwarten sein werde. Das konnte Wolfgang Brand nicht beantworten, dort sei man noch nicht soweit und zudem mache dort alles ein Planungsbüro.

"Grundsätzlich wollen wir eine Gewerbegebiet. Wir müssen eine andere Lösung für günstigere Preise finden und ich bin sicher, es wird eine andere Lösung geben", zeigte sich Gemeinderat Rudi Röder optimistisch.

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