Gemünden

Felbinger zeigte Interesse an OB-Kandidatur in Dinkelsbühl

Wegen seiner politischen Ambitionen in Gemünden erteilte ihm der Stadtrat am Montag eine Abfuhr. Vor Monaten hatte er noch ehrgeizigere Pläne in der Ferne.
Als Vorsitzender des Stadtmarketingvereins "Gemünden aktiv" setzt sich Günther Felbinger unter anderem für ein besser begehbares Pflaster in der Fußgängerzone ein. Foto: Michael Fillies

Die Absicht des ehemaligen Landtagsabgeordneten Günther Felbinger, wieder in Ausschüssen des Stadtrats Gemünden aktiv zu werden, hat eine große Mehrheit des Gremiums am Montag vereitelt. Der 57-Jährige fehlte in der Sitzung und hat sich zu dem höchst ungewöhnlichen Vorgehen der Kollegen und zu möglichen persönlichen Konsequenzen bis jetzt nicht geäußert, zahlreiche Anfragen der Redaktion ließ er unbeantwortet. Unterdessen haben Recherchen ergeben, dass Felbinger zwischenzeitlich weit hochfliegendere Pläne hatte, als in Gemünden weiter nur ehrenamtlicher Stadtrat zu sein: Er wollte in Dinkelsbühl Oberbürgermeister werden.

"Die Bürger wünschen sich, dass ich wieder antrete"

Auch zu diesen Ambitionen hat sich Günther Felbinger trotz Anfrage noch nicht geäußert. Im September hatte die Ankündigung der Freien Wählergemeinschaft (FWG) Gemünden und ihres neuen Mitglieds Günther Felbinger hohe Wellen geschlagen, den noch bis Juli 2021 unter Bewährung stehenden, wegen Betrugs verurteilten früheren Landtagsabgeordneten in Ausschüsse (darunter den Rechnungsprüfungsausschuss) zu bringen. Auf die Frage der Redaktion, ob der Eintritt in die FWG bedeute, dass er bei der Kommunalwahl im März 2020 wieder für den Stadtrat Gemünden kandidieren werde, sagte Felbinger damals: "Das kann gut sein. Es gibt keinen Grund, nicht wieder anzutreten. Die Bürger wünschen sich, dass ich wieder antrete."

Im mittelfränkischen Dinkelsbühl wird es definitiv keine Entscheidung über Felbinger geben. Dort hatten die Freien Wähler Ende 2018 einen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im März 2020 gesucht – Günther Felbinger bewarb sich, neun Monate, nachdem er vom Landgericht München zu einer 17-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war. Doch die Dinkelsbühler winkten ab.

Warnung vom Landesvorstand aus München

"Da hat sich ein älterer Landtagsabgeordneter gemeldet, der aber keinen guten Leumund hat", erinnert sich ein Mitglied der Dinkelsbühler Freien Wähler auf Anfrage der Redaktion. Ein anderes Mitglied berichtet, kaum sei der Name bekannt geworden, habe es umgehend vom Landesvorstand der Freien Wähler in München eine Warnung gegeben. Ein Krimineller als OB-Kandidat – das überstieg das Vorstellungsvermögen in Dinkelsbühl. Die Freien Wähler dort haben einen Bewerber aus Nördlingen nominiert.

Oberbürgermeister von Dinkelsbühl wollte Günther Felbinger aus Gemünden werden. Foto: Stadt Dinkelsbühl

Nach der Absage aus Mittelfranken hat sich Günther Felbinger politisch wieder auf seinen Heimatort Gemünden konzentriert. Bisher fraktionslos, trat er im September in die Freie Wählergemeinschaft ein. Ambitionen, im kommenden Jahr als Bürgermeister in Gemünden zu kandidieren, haben auf Anfrage bisher weder er noch der Chef seiner neuen Wählergruppierung Freie Wählergemeinschaft, Gerhard Thumes, dementiert.    

Offener Bruch im Stadtrat

Inzwischen allerdings ist es im Stadtrat zum offenen Bruch gekommen. In den vier Jahren seit bekannt wurde, dass Felbinger über Jahre sein Landtagsmandat für Betrügereien missbraucht hatte, war sein Fehlverhalten im Stadtrat und in seiner Heimatstadt nicht offen angesprochen worden. Auch er selbst hat nie eine Erklärung oder Entschuldigung bei seinen Wählern und Mitbürgern abgegeben. Erst die Ankündigung vom September, auch künftig politisch so weitermachen zu wollen wie bisher, löste eine öffentliche Debatte aus.    

Obwohl am Montag eine große Mehrheit der Stadträte ihrem (nicht anwesenden) Kollegen den Stuhl für die Ausschüsse vor die Tür gestellt hat und schon zuvor Stadtrat Karl Ditterich aus Protest die FWG-Fraktion verlassen hat, hält der Listenführer und Fraktionsvorsitzende der Freien Wählergemeinschaft (FWG), Gerhard Thumes, weiterhin an Günther Felbinger fest. Er selbst äußert sich zu seiner politischen Zukunft nicht. Sollte Felbinger im März 2020 auf einem vorderen Platz der FWG-Liste platziert werden, ist seine Wiederwahl als Stadtrat nach dem Kommunalwahlrecht nicht unwahrscheinlich.

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