MARKTHEIDENFELD

Fertig Motoren starten durch

Nachdem Servomotor und Gehäuse zusammengebaut sind, folgt die Qualitätsprüfung. Foto: A. Brachs

Erwin Fertig ist Unternehmer durch und durch. Und so kann der erfolgreiche Geschäftsmann auch mit 69 Jahren die Hände noch nicht in den Schoß legen.

Als andere längst in Rente gegangen wären, hat Fertig, der Gründer der Marktheidenfelder Firma Elau, heute Schneider Electric, ein zweites Unternehmen gegründet: die Fertig Motors GmbH. Was 2010 als Entwicklungsstandort in Altfeld begann, hat sich mittlerweile fest auf dem Marktheidenfelder Dillberg etabliert – dort, wo früher auch Elau beheimatet war.

Gemeinschaftsunternehmen ist weltweit erfoglreich

Mit dem nordrhein-westfälischen Unternehmer Hans Beckhoff hat Fertig die Produktion von Servomotoren für alle möglichen Antriebe aufgebaut. Die meisten liefert das Gemeinschaftsunternehmen Fertig Motors GmbH an die Beckhoff Automation, die den Motor um die elektronische Steuerung ergänzt und dann weltweit an Kunden ausliefert.

Wie schon zu Elau-Zeiten sitzen die Abnehmer in der Verpackungsindustrie, aber inzwischen hat sich die Kooperation Beckhoff/Fertig viele neue Kunden erschlossen: Maschinenbauer der Branchen Holzbearbeitung, Kunststoff, Nahrungsmittel, Werkzeuge, Robotik, Druck und Windkraftanlagen schätzen die Servomotoren made in Germany. Sogar in Bühnen und in der Showtechnik leisten die kleinen Kästen aus Marktheidenfeld gute Dienste.

Der Mann fürs Operative

Die Geschäftsführung teilt sich Erwin Fertig mittlerweile mit Dietmar Hamberger (55). Während Fertig sich auf die Strategie des Unternehmens, Entwicklungen und die Vertretung in Branchenverbänden konzentriert, ist Hamberger der Mann fürs Operative. Anders gesagt: Hamberger leitet den täglichen Betrieb, während Fertig sich auf zeitlich begrenzte, aber fürs Unternehmen dennoch wertvolle Einsätze beschränkt.

Hamberger lud am Mittwoch die lokale Presse ein, um sie bei einem Firmenrundgang über die aktuelle Entwicklung zu informieren. Hat Fertig Motors im Jahr 2012 erst 3000 Servomotoren hergestellt, sind es dieses Jahr bald 52 000. 60 Mitarbeiter zählt das junge Team mit flacher Hierarchie. Geht es nach Hambergers Plan, soll Fertig Motors die jährliche Produktion von Motoren bis 2020 verdoppeln. Damit würde das Unternehmen hinter den Branchenriesen Siemens und Bosch auf Platz 3 vorrücken. Um die ehrgeizigen Ziele zu erfüllen, wird Fertig Motors nur wenige Hundert Meter vom heutigen Standort entfernt auf einem Grundstück, das Erwin Fertig gehört, einen weiteren Produktions-, Büro- und Lagerbau errichten. Den Bauantrag behandelt der Bauausschuss des Stadtrats an diesem Donnerstagabend.

Neubau auf dem Dillberg

Vorgesehen sind 2400 Quadratmeter Produktions- und 600 Quadratmeter Bürofläche auf dem Grundstück Dillberg 23, auf dem früher Silos der BayWa standen. Dazu kommen 1000 Stellplätze für ein Palettenlager. Die Gesamtinvestition für Gebäude und Maschinen liegt bei über sechs Millionen Euro. Hamberger zufolge baut Fertig Motors bislang die Teile zusammen, die selbst entwickelt, aber dann nach Unternehmensvorgaben von Zulieferern hergestellt werden. Das ist vor allem eine Gehäusehülle aus Alu und der darin Platz findende Rotor samt Welle.

Künftig will Fertig Motors die Gehäuse und die Wellen weitgehend selbst bauen. Nicht etwa, weil man mit den Zulieferern, die fast alle in Deutschland produzieren, unzufrieden wäre. Vielmehr wird das Unternehmen seine Stückzahlen derart in die Höhe schrauben, dass die Zulieferer Probleme bekommen, in solchen Mengen die Teile anzuliefern.

Also steigt Fertig Motors ab sofort selbst in die Herstellung der Komponenten ein. Dazu schafft Hamberger gerade Dreh-, Schleif- und Fräsmaschinen an. Die erste geht gerade in den Probebetrieb. Die Serienproduktion beginnt, sobald das neue Gebäude bezugsfertig ist. Und das geht ruckzuck: Der Spatenstich ist für März 2017 vorgesehen, der Einzug für August 2017.

Ausbildungsplätze und neue Stellen

Um mit der Produktions- und Standorterweiterung Schritt halten zu können, wird Fertig Motors ab sofort ausbilden. Industriemechaniker und Mechatroniker können im Betrieb lernen. Studenten des Wirtschaftsingenieurwesens und der Mechatronik werden mit dem Kooperationspartner Beckhoff ein duales Studium in Gütersloh/Bielefeld aufnehmen. Bis zu 40 neuen Beschäftigten bietet der neue Standort am Dillberg Platz. Noch klingt das überdimensioniert. „Wir investieren in die Zukunft“, sagt Hamberger optimistisch. Und wenn man die Erfolgsgeschichte von Erwin Fertig kennt, ist man geneigt anzunehmen, dass das keinesfalls übertrieben ist.

Fertig Motors GmbH

2010 gründeten die beiden Erfinder Erwin Fertig (Marktheidenfeld) und Hans Beckhoff (Verl, Nordrhein-Westfalen) das Gemeinschaftsunternehmen Fertig Motors GmbH. Der Betrieb entwickelte und produzierte erst in gemieteten Räumen in Altfeld, später auf Erwin Fertigs Grundstück auf dem Marktheidenfelder Dillberg Servomotoren. Gleiches hatte Fertig jahrelang mit seiner ehemaligen Firma Elau erfolgreich praktiziert.

Heute beschäftigt Fertig Motors 60 Mitarbeiter und erwirtschaftet 15,6 Millionen Euro Jahresumsatz. Im Unternehmen von Partner Hans Beckhoff arbeiten 3350 Beschäftigte in 34 Ländern. Der Umsatz lag zuletzt bei 670 Millionen Euro. Text: abra

Die Fertig Motors GmbH erweitert ihre Fläche im Marktheidenfelder Industriegebiet auf dem Dillberg. In 300 Meter Entfernung vom heutigen Standort entstehen bis Sommer 2017 neue Produktions-, Büro- und Lagerflächen. Foto: Visualisierung: Goldbeck GmbH
Arbeiten maßgeblich an der Vergrößerung des Standorts (v. l.): Personalleiterin Stephanie Haggenmüller, Fertigungsleiter Joachim Knüttel und der operative Geschäftsführer Dietmar Hamberger. Foto: Andreas Brachs

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