Lohr

Finanzamt Lohr: Ex-Mainkaufhaus taugt nicht für Außenstelle

809 Quadratmeter Bürofläche sucht die Behörde, 1780 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Man möchte meinen, das passt. Doch das Finanzamt sagt Nein - und hat keine Option.
Das Finanzamt Lohr, bezogen 1992, ist zu klein geworden. Seit 17 Monaten werden 809 Quadratmeter zusätzliche Bürofläche gesucht - bislang vergebens. Foto: Roland Pleier

Seit 17 Monaten schon sucht das Finanzamt Lohr Büroflächen für eine Außenstelle in Lohr. Genauer: 809 Quadratmeter Bürofläche "möglichst in räumlicher Nähe zum Finanzamtsgebäude". Mit Bekanntwerden der Ankündigung der Bosch Rexroth AG, ihre Vertriebsabteilung aus der Lohrer Innenstadt abzuziehen, tat sich im Juni nun eine neue Option auf: Ab Mai 2020 stehen in der Lohrer Hauptstraße 1780 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung, verteilt auf drei Etagen, fußläufig 1200 Meter von der Rexrothstraße entfernt. Man möchte meinen, das passt. Doch das Finanzamt sagt Nein.

Immobilien Freistaat Bayern sucht weiter

"Bei genauerer Prüfung unter Einbindung des Finanzamts Lohr und dem Bayerischen Landesamt für Steuern" hätten die Räume in der Hauptstraße "den Anforderungen leider nicht entsprochen", teilt Karin Hruschka, stellvertretende Geschäftsführerin von Immobilien Freistaat Bayern (IMBY) auf Anfrage der Redaktion mit.

Ergänzend teilt Finanzamtschef Frank Beifuß mit, die eingereichten Anmietangebote hätten "sich nach einer Wirtschaftlichkeitsanalyse der Immobilien Freistaat Bayern als nicht wirtschaftlich dargestellt". Zu hoch demnach die Mietvorstellungen der Eigentümergemeinschaft? In einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, wird die IMBY wesentlich deutlicher: Der Grundriss der Räume sei "zum Teil unzweckmäßig", was auch durch einen Umbau "nur unzureichend behebbar" sei, innenliegende, unbelichtete Räume seien nicht nutzbar, die Flurflächen zu groß. 

Frank Beyfuß, Leiter des Finanzamts Lohr, bei seinem Amtsantritt im Januar 2014. Foto: Wolfgang Dehm

Zudem gebe es keine Stellplätze vor Ort, sei die Zufahrt eingeschränkt und erschwere damit das Be- und Entladen. Schließlich übersteige das Flächenangebot den Bedarf und sei die Entfernung vom Finanzamt zu groß. Zu weit weg? Das Vermessungsamt in der Erthalstraße ist noch ein Stückchen weiter entfernt. Gut, dort gibt es Parkplätze. Doch solche lassen sich auch in der Tiefgarage am Schlossplatz mieten, wie es die Rexröther getan haben. 

Warum sich der Makler wundert

Auch der Makler wundert sich: Er habe die IMBY um ein Gegenangebot gebeten, nachgefragt, unter welchen Bedingungen die Behörde denn anmieten würde. Zudem sei von vorneherein klar gewesen, dass es auch möglich sei, nur eine Teilfläche zu mieten. Eine Reaktion darauf habe er jedoch nicht erhalten, so Udo Menz etwas irritiert. Er habe den Eindruck, die Behörden seien nicht daran interessiert, über eine tragbare Lösung zu verhandeln.

Zu teuer, zu weit abgelegen, nicht geeignet - dies trifft offenbar auch für weitere Mietangebote zu, die laut Hruschka eingegangen sind. Denn ihrer Auskunft zufolge sucht die IMBY jetzt weiter.

Drei Etagen über dem Kupsch-Markt in der Hauptstraße 34-36: Passt nicht als Außenstelle, hat das Finanzamt entschieden. Foto: Roland Pleier

Letztendlich treffe die Steuerverwaltung als künftiger Nutzer die Entscheidung für oder gegen die Anmietung eines Objekts, betont Hruschka, deren Mitarbeiter nunmehr wieder bei Null anfangen dürfen. Denn der Immobilienmarkt in Lohr ist überschaubar und - zumindest was Gebäude dieser Größenordnung angeht - offenbar ausgereizt. 

Erweiterungsbau: Platz ist da, aber kein Geld

Womit wiederum eine andere Option ins Spiel kommt: ein Erweiterungsbau an das bestehende Finanzamtsgebäude in der Rexrothstraße 14. Die Fläche dafür würde offenkundig ausreichen. Dieser Meinung ist auch Landtagsabgeordneter Thorsten Schwab, der nach einem Ortstermin im vergangenen Jahr an den damaligen Staatssekretär im Finanzministerium, Hans Reichart, schrieb: „Eine bessere Lösung wäre ein Anbau an das bestehende Gebäude des Finanzamts Lohr, dies ist laut Staatlichem Bauamt Würzburg absolut machbar. Da der Anbau auf Grund der Behördenverlagerung notwendig wird, sollte er auch im Zuge der Heimatstrategie mitfinanziert werden, um eine zügige Umsetzung zu gewährleisten.“ 

Im September 2018 antwortete ihm Reichart, der zwei Monate später zum Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr aufstieg, dass der Anbau "aufgrund des zeitlichen Vorlaufs für die Realisierung einer Hochbaumaßnahme keine kurzfristige Alternative" sei. Auch eine Mitfinanzierung im Zuge der Heimatstrategie sei nicht mehr möglich, "da die Aufgabenverlagerung, die das Finanzamt Lohr im Zuge der Heimatstrategie erhielt, bereits im Januar 2017 abgeschlossen wurde". Für einen Anbau bestehe in den nächsten Jahren kein Handlungsspielraum im Bereich der Steuerverwaltung, insbesondere aufgrund der anderen, dort zügig umzusetzenden Hochbaumaßnahmen infolge der Heimatstrategie. Das aktuelle Signal aus München ist unverändert: Ein Erweiterungsbau ist laut Hruschka "derzeit nicht geplant".

Acht von 13 BayernLabs sind schon eröffnet

Die Konsequenz ist: Das BayernLab in Lohr kann nur in zwei Schritten realisiert werden. Von den 13 BayernLabs, deren Einrichtung im November 2017 angekündigt wurde, sind inzwischen schon acht eröffnet, zuletzt im September jenes in Kaufbeuren. Das in Lohr wird nach dem in Bad Neustadt das zweite in Unterfranken sein.

Die Betriebsprüfstelle des Finanzamts Lohr im Vermessungsamt soll ausgelagert werden, um Platz zu schaffen für das BayernLab.   Foto: Roland Pleier

Unterkommen soll es im Erdgeschoss des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung Lohr in der Gärtnerstraße. Solange jedoch die Betriebsprüfer des Finanzamts dort untergebracht sind, kann in einem ersten Schritt nur ein Teil des BayernLabs verwirklicht werden: auf jenen 270 Quadratmetern im Hochparterre, die bis Januar Maria Baser für ihre Praxis für Ergotherapie gemietet hatte. 

Das Raumkonzept ist abgesegnet, die Feinplanung weit gediehen

Die Vorstellung, das BayernLab als Ganzes einzurichten, hat Erhard Glaab sich schon abgeschminkt. Der Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, will nicht waren, bis die Betriebsprüfer des Finanzamts aus seinem Amtsgebäude abgezogen sind.

Erhard Glaab, Leiter des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, im Foyer seines Amtsgebäudes in der Gärtnerstraße vor einer Installation von Ovis Wende. Foto: Roland Pleier

Das Raumkonzept sei abgesegnet, sagt Glaab, die Feinplanung weit gediehen. Er erwarte nun die Baugenehmigung von der Regierung von Unterfranken, dann könnten im Winter die ersten Umbauarbeiten ausgeschrieben werden. Danach hänge es von den Handwerksbetrieben ab, wann der Umbau abschlossen sein wird.

Dabei gibt sich Glaab nüchtern und realistisch: "Ich gehe nicht mehr davon aus, dass es im Jahr 2020 gelingt", sagt er. "Der Wunsch ist: früher."

Unabhängig davon werde voraussichtlich Anfang 2020 die Stelle für die Leitung dieser Informationszentrale in Sachen Digitalisierung ausgeschrieben. Sollte verwaltungsintern kein geeigneter Bewerber gefunden werden, so Glaab, werde die Stelle danach öffentlich ausgeschrieben. "Wir werden das BayernLab vorwärtstreiben", erklärt der Amtsleiter, "- auch wenn wir das aufgrund der Lage nicht so stringent durchführen können."

Schlagworte

  • Lohr
  • Roland Pleier
  • Baubehörden
  • Betriebsprüfer
  • Bosch Rexroth AG
  • Finanzministerien
  • Finanzämter
  • Handwerksbetriebe
  • Immobilien
  • Regierung von Unterfranken
  • Regierungen und Regierungseinrichtungen
  • Steuerverwaltung
  • Thorsten Schwab
  • Vermessungsämter
  • Öffentliche Behörden
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!