MARKTHEIDENFELD

Förderkreis Synagoge Urspringen besteht seit 25 Jahren

Der Fund eines Fotoalbums des jüdischen Mädchens Serry Adler in Polen beschäftigte in diesem Jahr den Förderkreis Synagoge Urspringen.

Zur Hauptversammlung kam am Freitagabend der Förderkreis Synagoge Urspringen zusammen. Bei den Wahlen wurde der bewährte Vorstand im Amt bestätigt. Vorsitzender bleibt Dr. Leonhard Scherg, Stellvertreter Martin Wagner, Schatzmeister Peter Kausemann und Schriftführer Herbert Bald und Martin Harth (Stellvertreter). Dem Beirat gehören Peter Reidelshöfer, Georg Schnabel und Hedwig Albert sowie kraft Amtes Landrat Thomas Schiebel und Bürgermeister Volker Hemrich und außerdem jeweils ein Vertreter der Historischen Vereine im Landkreis an.

Zu Beginn erinnerte der Vorsitzende Leonhard Scherg daran, dass der Verein im nächsten Jahr auf sein 25-jähriges Bestehen zurückblicken wird. Er dankte allen, die in dieser Zeit daran mitwirkten, die ehemalige Synagoge als zentrale Gedenkstätte für die Verfolgung der jüdischen Minderheit während der NS-Diktatur im Landkreis Main-Spessart zu erhalten. Das Gedenken der Versammelten galt den bereits verstorbenen Mitgliedern.

Scherg verwies auf leicht rückgängige Mitgliederzahlen. Mit Hilfe von Hedwig Albert und der Gemeinde Urspringen sei es gelungen, einen Besucherdienst für das Baudenkmal aufrechtzuerhalten, der sich erfreulicherweise immer wieder personell selbst ergänze. Im Jahr 2013 besuchten über 300 Gäste die Synagoge, die Mehrzahl davon in Gruppen.

In den vergangen Jahren konnten einige Veranstaltungen initiiert werden, so ein Besuch des unterfränkischen Regierungspräsidenten 2012 oder eine Ausstellung mit einem Vortrag des Meininger Richters Christoph Gann 2013 über das Schicksal der Emigrantin Eva Mosbacher, die mit einem Kindertransport 1939 nach England entkam. Im Oktober 2012 hatte der deutsch-israelische Autor Matthias Doerfer seine Forschungen zum 1803 errichteten Synagogengebäude vorgestellt.

Gedenkfeier und Ausstellung

Nachhaltig wirkte die Gedenkfeier in der Synagoge zum 75. Jahrtag des Novemberpogroms 1938, die von Schülern der Mittelschule, der Realschule und des Gymnasiums in Marktheidenfeld gestaltet worden war. Großen Zuspruch fand zu Beginn dieses Jahres auf Vermittlung des Förderkreises die Ausstellung „Mitten unter uns“ der Arbeitsgemeinschaft Landjudentum am Balthasar-Neumann-Gymnasium in Marktheidenfeld.

Hinsichtlich der einstigen jüdischen Gemeinden im Landkreis gelte der Förderkreis als kompetenter Ansprechpartner und man halte Kontakte zu vielen Einrichtungen wie der AG Landjudentum, dem Netzwerk Jüdisches Museum Franken in Fürth oder dem Johanna-Stahl-Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken. Der Vorsitzende hob die Homepage „Alemannia Judaica“ (www.alemannia-judaica.de) hervor, mit der man stets neue Informationen austausche. Nächstes Jahr werde die Synagoge Urspringen bei einer Veröffentlichung des Projekts „Mehr als Steine“ in einem umfangreichen Buch über Unterfranken Berücksichtigung finden.

Immer wieder wendeten sich Nachfahren einstiger jüdischer Familien aus der Region an den Förderkreis mit der Bitte um Unterstützung bei Familienforschungen. Daraus entstünden teilweise dauerhafte Beziehungen. In diesem Zusammenhang wies Scherg auf die Bedeutung der jüdischen Friedhöfe hin. Ihre umfassende Dokumentation sei dringlich, bevor die Inschriften auf den Grabsteinen durch die Verwitterung für immer verloren seien.

Fotoalbum lag am Straßenrand

Was den Förderkreis in diesem Jahr besonders bewegte, war die Tatsache, dass in Polen im Museum von Majdanek ein Fotoalbum des Mädchens Serry Adler aus Urspringen gesichert werden konnte. Das Album war ursprünglich 1942 am Straßenrand gefunden worden, als Todesmärsche unterfränkische Juden zum Vernichtungslager Sobibor führten. Im Austausch mit der polnischen Gedenkstätte und dem Würzburger Johanna-Stahl-Zentrum konnten viele Details zu den auf 13 Schwarz-Weiß-Aufnahmen abgelichteten Personen geklärt werden. Auch für den Förderkreis waren einige wichtige und neue Erkenntnisse dabei zu gewinnen.

Der Förderkreis schaffte für die Gedenkstätte eine neue Anlage an, um elektronische Informationsmedien während der Führungen präsentieren zu können. Die Internet-Präsenz der Gedenkstätte soll mit Partnern weiter ausgebaut werden.

Eine durchweg positive finanzielle Bilanz konnte Schatzmeister Peter Kausemann mit seinem Bericht ziehen, der die Billigung der beiden Kassenprüfer Armin Hospes und Kurt Kneipp fand. Nach der Entlastung leitete Urspringens Bürgermeister Volker Hemrich die Neuwahlen. Einstimmig wurden alle Vorstandsmitglieder in ihren Ämtern bestätigt.

Im Ausblick kündigte der wiedergewählte Vorsitzende Leonhard Scherg an, dass sich bei den nächsten Neuwahlen nach über 25 Jahren ein personeller Wechsel in den Vorstandspositionen abzeichne.

Weichen für die Zukunft stellen

Man müsse sich im Verein und in der Gemeinde Gedanken über die Zukunft machen. Der Förderkreis wolle im nächsten Jahr an seine 25-jährige Vereinsgeschichte erinnern und werde die Gemeinde Urspringen bei ihrer 1000-Jahr-Feier unterstützen. Dazu werde man unter anderem die Öffnungszeiten der ehemaligen Synagoge erweitern, kündigte Scherg an.

Ein Bild aus dem in Polen gefunden Fotoalbum zeigt die junge Besitzerin Serry Adler (rechts) mit ihrem Cousin Leo Adler und ihrer Cousine Fanny Adler. Alle drei wurden vermutlich in Sobibor ermordet. Die Aufnahme dürfte in Urspringen entstanden sein. Foto: Staatl. Museum Majdanek

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