Kreuzwertheim

Forstwirtschaft: Sichere Einnahmequelle wird zum Sorgenkind

Das Bild stammt aus von einer Begehung mit Wobschall im Jahre 2016. Foto: Elmar Kellner

Selbst die Fachleute scheinen einigermaßen ratlos. Immer mehr Bäume in den heimischen Forsten leiden oder sterben gar. Entweder wegen Schädlingsbefalls oder wegen des Klimawandels. Häufig sind es sogar beide Ursachen, die eine fatale Wirkung haben. „Wir versuchen, mit verschiedenen anderen Baumarten gegenzusteuern“, erklärte Revierförster Gregor Wobschall in der Sitzung des Kreuzwertheimer Gemeinderates. „Aber die Zukunft lässt sich nicht vorhersagen. Wir können nur hoffen, dass bei den Mischungen, die wir jetzt anpflanzen, in 100 Jahren das Richtige dabei gewesen ist.“

Auf der Tagesordnung des Gremiums stand die Jahreshiebsplanung und die Jahresnachweisung 2020 für den Gemeindewald Kreuzwertheim. Dem voraus geht traditionell ein Zustandsbericht und der fiel, insbesondere in dem Teil, den Wolfgang Netsch, Betriebsleiter des Gemeindewaldes beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, abstattete, einigermaßen dramatisch aus. Ein Glücksfall sei es gewesen, sagte Netsch, dass es 2017/2018 sehr hohe Niederschläge gegeben habe. „Davon konnte der Wald bis Mitte 2018 zehren, danach ist es knochentrocken geworden.“

Massiver Preisverfall bei der Fichte

Zudem habe eine Vielzahl von Stürmen Millionen von Festmetern an Holz umgeworfen und dann sei auch noch der Borkenkäfer hinzugekommen. Dies alles habe zu einem massiven Preisverfall vor allem bei der Fichte geführt, worunter dann auch die Kiefer gelitten habe. „Denn wenn die Fichte billig ist, dann kauft keiner Kiefer.“ Immerhin halte die Buche die Preise und die Eiche sei „nach wie vor der Renner“. Lärchen und Douglasien hielten sich „relativ gut“. Deshalb werde derzeit weder Kiefern- noch Fichtenholz eingeschlagen, „denn das wäre der Wahnsinn“. Den Schädlingsbefall werde man so schnell nicht los, machte Netsch deutlich. Wenn überhaupt, dann lasse sich der Borkenkäfer nur durch nasse, kühle Sommer stoppen.

Und die sind wohl eher nicht in Sicht, so die Befürchtung von Gregor Wobschall. „Es ist relativ wahrscheinlich, dass sich die Temperaturen weiter nach oben entwickeln.“ Für den Wald sei das dramatisch, „wir wissen nicht, wie es weitergeht“. Die Widerstandsfähigkeit der Bäume gehe massiv zurück, die Vitalität der Schädlinge steige dagegen, beschrieb Wobschall das Dilemma. Er sprach von einem Waldumbau hin zu angepassten Mischbeständen. „Allerdings wissen wir nicht, was in 100 Jahren sein wird. Wir spekulieren alle.“

Wald erhalten statt wirtschaftlich nutzen

Möglicherweise sei künftig das Thema eher die Erhaltung des Waldes, nicht mehr dessen wirtschaftliche Nutzung. Nach Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben fiel im Kreuzwertheimer Gemeindewald im vergangenen „Forstjahr“ ein Verlust von rund 18 200 Euro an, der durch Zuschüsse aus dem Vertragsnaturschutz des Freistaates Bayern nahezu in dieser Höhe ausgeglichen werden konnte. Für 2019/2020 rechnet Wobschall sogar mit einem kleinen Überschuss von etwas über 13 000 Euro. Der vorgesehene Holzeinschlag liegt mit 1675 Festmetern deutlich unter dem möglichen Hiebsatz von 2200 Festmetern. Enthalten darin sind auch 1000 Festmeter Schadholz, „denn der Borkenkäfer verschwindet nicht“. Man versuche den langsamen Waldumbau von jetzt einem Drittel Laub- und zwei Dritteln Nadelholz auf das umgekehrte Verhältnis, so der Revierförster, der im Laufe seiner Ausführungen auch sagte, er wolle nicht alles schwarzmalen. „Der Holzmarkt wird sich wieder erholen.“

Käferholz eignet sich gut als Brennholz

Die Folge des Zustandsberichts ist, dass der Markt über eine große Menge an käferbefallenem Nadelholz verfügt. Bei der Brennholzvermarktung sind aber vor allem Buchen gefragt. Davon sind 257 Ster bestellt. Einmütig folgte der Gemeinderat dem Vorschlag Wobschalls, dass beim Bezug von Buchenholz im Verhältnis von etwa 50 zu 50 auch Nadelholz, darunter auch vom Käfer befallenes, abgenommen werden soll. Für diese Sorte wird der Preis auf 15 Euro je Ster zuzüglich Mehrwertsteuer gesenkt. Sowohl der Bürgermeister als auch die beiden Forstfachleute versicherten, dass sich käferbefallene Holz sehr gut als Brennholz eigne. Bedenken, dass über das Brennholz Schädlinge ins Haus gebracht würden, seien unbegründet, denn der Borkenkäfer suche ausschließlich frisches Holz mit Rinde.

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