LOHR

Frankens ältestes Lesebuch nun im Schulmuseum

Wenn alteingesessene Lohrer den Namen Erthal hören, spitzen sie die Ohren, denn sie denken sogleich an den berühmten Würzburger Fürstbischof. Der 1730 im Lohrer Schloss geborene Franz Ludwig von Erthal war als Fürstbischof von Bamberg und Würzburg sowie Herzog von Franken einer der profiliertesten katholischen Vertreter der Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und machte vor allem durch seine Sozial- und Bildungspolitik die beiden Hochstifte zu den wohl am besten regierten Ländern Europas.

Zusammen mit seinem Amtsvorgänger Adam Friedrich von Seinsheim gilt von Erthal als Gründer der staatlichen allgemeinen Volksschule und eines berufsmäßig ausgebildeten Lehrerstandes in der Region.

Von Seinsheim schuf die Grundvoraussetzungen. Von Erthal reformierte das gesamte Schulwesen: In seiner16-jährigen Amtszeit ab 1779 erließ er mehr Verordnungen zum Thema Schule als alle seine Vorgänger auf dem fürstbischöflichen Thron zusammen. Daher sind natürlich Lehr- und Lernbücher aus dieser Zeit für das Lohrer Schulmuseum von besonderem Interesse – aber leider nur sehr selten auf dem Markt.

So ist es nicht verwunderlich, dass Museumsleiter Eduard Stenger fast 30 Jahre lang das „auf höchsten Befehl Franz Ludwigs“ 1787 gedruckte Lesebuch versuchte zu erwerben. Das einzige bisher nachgewiesene Exemplar in mäßigem Zustand und mit zum Teil fehlenden Buchstaben und Wörtern befindet sich in der Würzburger Universitätsbibliothek.

Mit einer Kopie dieses Büchleins und einem Nachdruck um 1800 in Köln hat nun der Pädagogikprofessor i. R. und Leiter des Saarländischen Schulmuseums, Horst Schiffler, mit hohem Arbeitsaufwand eine Facsimilierung vorgenommen. Der Nachdruck mit einem Deckelpapier im Stil des späten 18. Jahrhunderts ist in jeder Beziehung gelungen und entspricht höchsten Ansprüchen.

Zwei von insgesamt fünf Exemplaren hat Schiffler dem Kartoffelkönig und Leiter des Lohrer Schulmuseums, Eduard Stenger, überreicht: auf dem Kartoffelfest des Kartoffelclubs „ad usum potatonis“, das die Freunde der Knolle Ende September auf Einladung von Bürgermeister Michael Abraham in Rehau feierten.

Doppelseite aus dem Lesebuch von 1787, mit dem die Kinder in der sechsjährigen Schulzeit das Lesen und Schreiben lernen sollten. Neben Fraktur- und Kurrentschrift mussten die Schüler ab dem 4. Schuljahr auch die lateinische Schrift lernen. Der Grund dafür war vor allem die Pflicht zur Teilnahme am Gottesdienst. Daher beziehen sich die in lateinischer Sprache abgefassten letzten vier Seiten des Lesebuchs auf die „WEISE, DEM PRIESTER BEY DER HEIL. MESSE ZU ANTWORTEN“. Die wenigsten Schüler dürften wohl gewusst haben, was sie da auf mühevoller Weise auswendig lernen mussten. Foto: Eduard Stenger

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