MITTELSINN

Freigeist und Dichter aus Mittelsinn ist gestorben

Horst Peisker
Horst Peisker Foto: Peisker

Der in Mittelsinn geborene Dichter Horst Peisker ist tot. Er starb am Mittwoch nach einer Krankheit im Alter von 72 Jahren im hessischen Kelsterbach.

Zuletzt habe ihn das im Sommer präsentierte Buch über Mittelsinn umgetrieben, sagt seine zweite Frau Gabriele Weber im Gespräch mit der Main-Post. Er sei „sehr erschüttert“ gewesen, wie darin die Nazizeit beschönigt werde. Seine Ballade „Wiener Blut“, die auch negative Seiten des Aufwachsens in Mittelsinn beschreibt, hätte er gerne im Buch veröffentlicht, das sei jedoch nicht erwünscht gewesen.

Der Dichter, Jahrgang 1939, wurde im Gasthaus zur Eisenbahn geboren und verbrachte seine Kindheit in Mittelsinn und dem Sinngrund. Anfang der 50er Jahre zog die Familie zunächst nach Kassel und dann nach Frankfurt, wo Peisker das Abitur ablegte und Speditionskaufmann lernte. Anschließend studierte er Philosophie, Englisch und Deutsch und wurde Übersetzer im März-Verlag. Zwölf Titel übertrug Peisker aus dem Amerikanischen.

Nebenher schrieb er auch eigene Texte und war freier Mitarbeiter bei verschiedenen Rundfunkanstalten und Zeitungen. Auch für Helmut Qualtinger, den großen österreichischen Schriftsteller, Schauspieler, Kabarettist und Rezitator schrieb Horst Peisker. Die Schallplatte „Tagesbefehl“, unter anderem mit fiktiven Hitler-Reden, ist 2004 bei Preisser-Records, Wien, neu aufgelegt worden. An Prosasammlungen veröffentlichte der gebürtige Mittelsinner „Maniac“ (1983 im März-Verlag) und „Das Ballhaus“ (1988 im StVg-Verlag, Stuttgart).

2006 erschien der Gedicht- und Balladenband „Dillingers Blau“ (axel dielmann-verlag, Frankfurt), 2010 die Fortsetzung „Dillingers Blues“ (G. H. Hofmann, Gemünden). 2011 erschien der Kurzgeschichtenband „Das Ballhaus“, den er als seine wichtigste und poetischste Arbeit, betrachtete (G. H. Hofmann, Gemünden). 1984 verlieh ihm die Stadt Kelsterbach als Förderpreis das symbolische Amt des Stadtschreibers. Nach dem Ende der zwei Stadtschreiberjahre blieb Peisker in Kelsterbach, wo er jahrelang eine lyrische Kolumne im „Freitagsanzeiger“ hatte. Mittelsinn blieb der Dichter, Jahrgang 1939, bis zuletzt verbunden, obwohl seine kurze Kindheit dort wegen der Dorfburschen nicht unbeschwert war, wie er einmal sagte. „Er war als Kind sehr sensibel und Kinder können grausam sein“, sagt seine Witwe Gabriele Weber im Gespräch mit der Main-Post. Jedes Jahr kam Peisker zur Schachblumenblüte in den Sinngrund. Er hinterlässt einen Sohn aus erster Ehe.

Seine Witwe beschreibt den verstorbenen Dichter als „dankbar, für das, was er bekommen hat“, „naturlieb“ und „Freigeist, der sich nie einer Sache angeschlossen hat“.

Die Sprachgewalt Peiskers hat der Luxemburger Literaturkritiker Michel Raus angesichts „Dillingers Blau“ einst als „poetisch einzigartige Sprache, die in der gegenwärtigen deutschen Lyrik (. . .) ihresgleichen vergeblich sucht“ beschrieben. Peisker wird am Mittwoch um 13.30 Uhr in Kelsterbach beigesetzt.

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