KARBACH

Funkmast auf der Schule erhitzt die Gemüter

Eine rege Diskussion entbrannte bei der Bürgerversammlung Karbach zu den Themen Funkmast und Erweiterung des Kindergartens. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte sich das Gremium nach mehrmonatigen Beratungen und Prüfung verschiedener Standorte dafür entschieden, den sechs Meter hohen Funkmast auf der Schule installieren zu lassen.

Hierauf entgegnete ein Bürger, dass der von ihm bereits vorgeschlagene Standort im Wald beim alten Sportplatz die bessere Lösung sei. Hier wäre die Strahlenbelastung, bei gleichzeitig besserer und zukunftsfähigerer Versorgung, deutlich geringer. Er führte an, dass die Errichtung an diesem Ort deutlich aufwändiger sei, weshalb die Telekom die kostengünstigere Variante auf dem Schuldach bevorzuge.

Ein besorgter Familienvater wollte daraufhin wissen, wie hoch die Belastung für die Kinder in der Schule und im daneben befindlichen Kindergarten sei. Bürgermeister Bertram Werrlein erklärte den rund 60 Anwesenden, dass die Belastung direkt am Gebäude, ähnlich wie unter einem Schirm, geringer sei. Ein weiterer Bürger appellierte an das Ratsgremium, die Entscheidung nochmals zu überdenken. „Das ist eine sehr emotionale Geschichte, und ich glaube, hier geht es ausschließlich um den finanziellen Aspekt. Wir haben jedoch eine Verantwortung für den Nachwuchs“, mahnte der Karbacher.

Hierauf erklärte das Ortsoberhaupt, dass sich das Ratsgremium die Entscheidung nicht leicht gemacht und intensiv diskutiert habe. Werrlein äußerte jedoch auch seine Verwunderung, dass in den mehrmaligen öffentlichen Sitzungen zu diesem Thema kaum Interesse von Seiten der Bevölkerung bestand. Der Karbacher Behindertenbeauftragte Stefan Endrich wollte wissen, ob sich die Gemeinde bereits ein Gutachten von einem neutralen Fachmann eingeholt hat oder ob dies noch geplant ist. Zudem regte er an, dass man künftig gerade bei einem solch brisanten Thema eine außerordentliche Bürgerversammlung einberufen solle.

Auch die aktuelle Entscheidungsfindung zwecks Um- oder Neubau des Kindergartens beschäftigte die Bürger. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hatte Architekt Bernd Müller die möglichen Varianten der Erweiterung und einen Neubau auf der grünen Wiese vorgestellt. „Es gibt eine Minimallösung, da haben wir keine Luft nach oben. Der Neubau ist aus Kostengründen nicht realisierbar“, erläuterte das Ortsoberhaupt anhand der Pläne. Vielmehr favorisiere das Ratsgremium die Variante mit einem großzügigeren Anbau im Norden des bestehenden Gebäudes. Mit Kosten in Höhe von 325 000 Euro für die Gemeinde wäre dies, verteilt auf zwei Haushaltsjahre, zu stemmen.

Hierauf monierte ein Bürger, dass die Finanzierung eines neuen Kindergartens mit Kosten von 1,1 Millionen nicht realisierbar sei, jedoch gleichzeitig der kürzlich beschlossene Ausbau des Gewerbegebiets mit geschätzten Kosten von 770 000 Euro umgesetzt wird. Er bat das Gremium, die Entscheidung zu überdenken, vor allem im Hinblick auf die Barrierefreiheit. Ein besorgter Großvater wies in diesem Zug auf die bestehende Problematik von Schimmel im bestehenden Kindergarten hin. Er befürchtet, dass man sich mit dem Anbau den Zugang zu dieser Problemstelle verbaue. Hierauf entgegnete Werrlein, dass man die Problematik bereits im Blick habe.

Kindergartenleiterin Betty Müller meldete sich bezüglich des Platzbedarfs und der in den vergangenen Jahren bereits getätigten Erweiterungen zu Wort. „Die ganze Sache ist schlecht planbar. Vor 15 Jahren hätte ich im Leben nicht gedacht, dass sich das mit der Kleinkindbetreuung so rasant entwickelt“, gab die Erzieherin offen zu. Sie berichtete, dass sie sehr viele Anfragen von werdenden Eltern oder möglichen Zuzüglern habe, jedoch nicht wisse, wo die Reise hingeht. Gerade im Hinblick auf den Zuwachs in der Bevölkerung und wegen der Inklusion sprach sich eine Bürgerin für einen Neubau aus: „Ich würde es dringend empfehlen. Wir werden uns weiter entwickeln.“

Bezüglich der anzunehmenden Kosten von 1,1 Millionen Euro für die Gemeinde rechnete ein Bürger bei 20-jähriger Laufzeit mit einer Tilgung von rund 50 000 Euro jährlich und meinte, dass dies realisierbar sei. Sowohl Werrlein wie auch Gemeinderat Wolfgang Endres zweifelten jedoch die Genehmigung durch die Rechtsaufsichtsbehörde des Landratsamts an. Zudem gab Gemeinderat Matthias Kern zu Bedenken, dass für den bisherigen Kindergarten in der jüngsten Vergangenheit Fördergelder geflossen sind, die bei einen Umzug in ein neues Gebäude eventuell zurückgezahlt werden müssen. Am Ende der rund dreistündigen Bürgerversammlung versprach das Ortsoberhaupt, die angeführten Punkte ins Ratsgremium mitzunehmen und keine leichtfertigen Entscheidungen zu treffen.

Schlagworte

  • Karbach
  • Heidi Vogel
  • Bernd Müller
  • Bertram Werrlein
  • Deutsche Telekom AG
  • Kindergärten
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!