ASCHAFFENBURG/REGENSBURG

Fußballtrainer soll Kinder sexuell missbraucht haben

Verdacht auf sexuellen Missbrauch: Die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg hat Haftbefehl gegen einen Fußballtrainer beantragt, der bei mehreren Profivereinen Jugendteams trainierte.
„Es steht der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs im Raum,“ sagte Leitender Oberstaatsanwalt Lothar Schmitt auf Anfrage. Der SSV Jahn Regensburg - bei dem der Verdächtige in der vorigen Saison als Jugendtrainer tätig war - hatte die Vorwürfe öffentlich gemacht.

Nachdem sich der gravierendste von mindestens drei bekannt gewordenen Fällen im Aschaffenburger Raum ereignet haben soll, übernahm die Aschaffenburger Staatsanwaltschaft den Fall aus Regensburg, erklärte der Leiter der hiesigen Staatsanwaltschaft im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Verdachtsmomente haben sich offenbar so konkretisiert, dass Haftbefehl beantragt wurde. Der Verdächtige habe sich am Dienstag gestellt und sitze nun in Untersuchungshaft, sagte Leitender Oberstaatsanwalt Schmitt am Donnerstag.

Das Strafgesetzbuch sieht für den Fall, dass solche Fälle bewiesen werden, einen Strafrahmen von zwei bis 15 Jahren Haft vor. Über den Namen des Verdächtigen sowie identifizierende Einzelheiten wahren sowohl die Staatsanwaltschaft als auch sein früherer Verein Stillschweigen, da für ihn die Unschuldsvermutung gilt.

Bekannt ist aber, dass er unter 14 Jahre alte Kicker trainiert hatte, Jahn Regensburg am Ende der vorigen Saison verließ und zuletzt erneut Jugendtrainer in einer Großstadt war. Auf der Website seines aktuellen Vereins wird er als „derzeit nicht aktiv“ aufgeführt.

Nachdem die Regensburger „Mittelbayerische Zeitung“ im Oktober mehrere Strafanzeigen gegen den Trainer bekannt gemacht hatte, war der Drittligist an die Öffentlichkeit gegangen. Er machte den Vorgang auf seiner Homepage im Internet publik: Nachdem erste Andeutungen bekannt geworden waren, habe man zunächst bei den Trainern rückgefragt, sagt Geschäftsführer Christian Keller.

Dann bat man gezielt die Eltern von möglicherweise betroffenen Nachwuchskickern, mit ihren Kindern zu reden und eventuelle Vorkommnisse sofort mitzuteilen. Dabei kristallisierte sich ein Fall als so schwerwiegend heraus, dass der Verein die Kriminalpolizei informierte.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Regensburg hatten sich alle drei inzwischen bekannt gewordenen Fälle während Mannschaftsfahrten zu überregionalen Leistungswettbewerben ereignet. Der Trainer bestritt bisher die Vorwürfe, die Kinder sexuell missbraucht zu haben. Er hat nach eigenen Angaben seinen neuen Arbeitgeber informiert, nachdem er aus Regensburg Hinweise über die laufenden Ermittlungen erhalten hat.

Der sportlich gebeutelte Drittligist Jahn Regensburg ist sich dessen bewusst, dass dem Verein Negativschlagzeilen wegen des Falles drohen. Jedoch sei „aus Sicht der Verantwortlichen das Wohl der möglicherweise betroffenen Kinder und etwaiger künftiger Opfer deutlich höher zu bewerten als ein möglicher Imageschaden der Institution SSV Jahn Regensburg,“ betont die Vereinsführung um Keller.

Der Verein hatte von allem offenbar nichts geahnt. "Im Laufe der gesamten Tätigkeit lagen weder den Trainerkollegen noch den Verantwortlichen Informationen vor, die einen Verdacht begründet hätten", heißt es in der Mitteilung.

Die Beendigung der Trainertätigkeit vor der laufenden Saison habe anderweitige Gründe gehabt. Man habe alle üblichen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: Bevor er als Jugendtrainer tätig werden konnte, habe der Mann einen vollständigen Lebenslauf vorlegen und „ausführliche Bewerbungsgespräche“ absolvieren müssen.

Die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses dient als zusätzliche Präventivmaßnahme gegen Kindermissbrauch. Es „ergaben sich keine Zweifel an der Eignung des Bewerbers“, betont der Verein in seiner Erklärung.

Dass der Mann auch aktuell wieder für einen Profifußballclub arbeite, „verdeutlicht einerseits, dass auch andere Vereine die Eignung als Nachwuchstrainer nicht infrage stellten und andererseits die Notwendigkeit einer umfassenden Aufklärung“.

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