Obersinn

Geburtshaus von Leo Weismantel: Baudenkmal an Privatmann verkauft

Zu einem symbolischen Preis ist das denkmalgeschützte Geburtshaus des Obersinner Schriftstellers Prof. Dr. Leo Weismantel, das im Volksmund knapp "Weismantel-Haus" genannt wird, an einen ungarischen Staatsbürger verkauft worden. Foto: Jürgen Gabel

In der mit 34 Obersinnern einschließlich der Bürgermeisterin Lioba Zieres und zehn Gemeinderäten besuchten Bürgerversammlung gab es nur wenig Wünsche oder Anfragen. Im Mittelpunkt standen die offene Frage der Klärschlammentsorgung, die Installation der Lärmschutzwände an der alten Bahnlinie sowie die Barrierefreiheit der Bahnhöfe im Sinngrund.

Otmar Zieres wollte die Parameter wissen, die eine Ausbringung des Klärschlamms auf landwirtschaftliche Flächen verhindern. Der im Bürgerdiskurs anwesende ehemalige VG-Abwasser-Sachbearbeiter Alfred Andres klärte auf: Er relativierte die Kosten für Klärschlammentsorgung, denn  die gemeinsam betriebene Kläranlage in Mittelsinn ist seit 20 Jahren in Betrieb und es war erst zweimal eine Klärschlammentsorgung nötig. Bei anderen Anlagetypen in Nachbargemeinden sind Klärschlammentnahmen jährlich erforderlich. Vor 20 Jahren habe es andere Vorschriften in der Klärschlammverordnung gegeben, die noch heute eingehalten werden können. Hingegen sind in der Düngemittelverordnung die Parameter stark verschärft worden. Heutzutage seien fast alle landwirtschaftlichen Flächen mit Naturschutzprogrammen belegt, erklärte Andres. Eine Klärschlammausbringung wäre förderschädlich. Lioba Zieres bilanzierte zu diesem Thema, dass die Kosten der Kläranlage im vertretbaren Rahmen liegen.

Weshalb der Gemeindearbeiter mit seinem Fahrzeug das "Weismantel-Haus" ausräumt, wollte Jürgen Gabel wissen. Die Bürgermeisterin erklärte, dass das denkmalgeschützte Gebäude an einen ungarischen Staatsbürger verkauft wurde. Das Haus präsentierte sich vom Keller bis zum Dach völlig vermüllt. Die Geruchsbelästigung besonders aus den alten Gewölbekellern habe den benachbarten Kindergarten beeinträchtigt. Der kommunale Bauhof habe jetzt unterstützend mitgeholfen, da ein gemeindliches Interesse vorliegt. Durch den Einsatz des mit Sondersignal ausgestatteten Kommunaltraktors konnte auf eine aufwändige Straßensperrung verzichtet werden. Die Kosten der Entsorgung des entfernten Mülls trägt der neue Hausbesitzer selbst. Beschwerden der Kindergarteneltern bei Behörden wegen der Geruchsbelästigung blieben ohne Wirkung, sagte Zieres.

Bevor Sanierungsarbeiten am Gebäude eingeleitet werden, ist eine denkmalpflegerische Voruntersuchung nötig. Die Kosten von 22 000 Euro werden durch Förderzusagen des Landesamtes für Denkmalpflege, Bezirk und Markt Obersinn gedeckt. "Wir sind froh, dass sich endlich an diesem ortsprägenden Gebäude was bewegt", meinte Bürgermeisterin Zieres abschließend.

Nach dem Sachstand des durch einen Lkw-Aufprall im November 2017 schwer beschädigten Wohnhauses erkundigte sich Leo Breitenbach. Lioba Zieres sagte, dass der Eigentümer noch ein weiteres Gutachten abwarten muss, bevor eine Entscheidung getroffen werden kann.

Otmar Zieres erkundigte sich, ob die Kläranlage dicht sei. Die Bürgermeisterin wusste nur von einem kleinen Leck im leeren Absetzbecken, welches überhaupt nicht in Betrieb sei. 

Alfred Andres erkundigte sich das nach dem Fortschritt der Lärmschutzwand entlang der alten Bahnlinie. Im Oktober seien in der einwöchigen Sperrpause bereits Fundamente für die Pfosten gebohrt worden, gab Lioba Zieres Auskunft. Im Frühjahr 2020 werden besonders im Bereich der "Eller" die Schutzwände aufgestellt, damit der Ausbau der Ortstraße erfolgen kann. "Jetzt ist sie nicht mehr aufzuhalten: Die Anlieger der Sonnenstraße, Rhönstraße oder Eller schauen gegen die Wand. Es gibt nur zwei Varianten: Schutzwand oder Lärm", sagte die Bürgermeisterin.

Zieres sprach auch die Problematik der barrierefreien Bahnhöfe im Sinngrund an. So findet am Donnerstag, 21. November, in Burgsinn ein von Bundestagsabgeordnetem Bernd Rützel initiierter "Runder Tisch" mit Bahnvertretern und Bürgermeistern des Sinngrunds statt. Dabei soll die Chance ausgelotet werden, während der Totalsperrung der Bahnlinie im Jahr 2024/2025 für eine Barrierefreiheit der Bahnhöfe zu sorgen. "Wir wollen nichts unversucht lassen".

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