MÜHLBACH

Gefangen in der Seelenlandschaft

Glücksgriff: Die Besetzung der Hauptrolle mit der phänomenal agierenden Martina Gedeck.
Glücksgriff: Die Besetzung der Hauptrolle mit der phänomenal agierenden Martina Gedeck. Foto: FILMVERLEIH

Die Burg-Lichtspiele Karlstadt-Mühlbach zeigen am Sonntag, 6. Januar, um 11.15 Uhr, sowie am Montag, Dienstag und Mittwoch, 7., 8. und 9. Januar jeweils um 20 Uhr in der Auslese den Film „Die Wand“. Der 1963 erschienene Bestseller „Die Wand“ der österreichischen Autorin Marlen Haushofer gilt nach wie vor als eines der 50 Lieblingsbücher deutschsprachiger Leser. Fernsehregisseur Julian Pölsler wagte es nun, diesen Klassiker feministischer Literatur für die Leinwand zu inszenieren.

Der Roman, der die Stimmung einer Epoche spiegelt, in der man weltweit den Ausbruch eines Atomkriegs befürchtete, galt bislang als unverfilmbar, nicht zuletzt, weil das Geschehen komplett aus der Innenperspektive der Hauptfigur erzählt wird, die ein unerklärbares Phänomen dazu zwingt, mit ihrem gewohnten Leben zu brechen. Auf sich selbst zurückgeworfen, bringt eine namenlose Großstädterin die schicksalhaften Ereignisse zu Papier.

Alles beginnt während eines Wochenendurlaubs mit Freunden, die nach der Ankunft in einer Jagdhütte noch einmal ins Dorf hinabsteigen. Vergeblich wartet die Protagonistin auf deren Rückkehr, macht sich auf den Weg ins Tal und stößt an eine unsichtbare Wand, eine unerklärliche Grenze, hinter der sich eine im Tod erstarrte Welt verbirgt. Ihr Überlebenswille weckt in der vom Leben als Hausfrau tief enttäuschten Protagonistin ungeahnte Energien.

Vor die unausweichlichen Grundfragen des Lebens gestellt, beginnt sie ein neues Leben als Bäuerin und Jägerin, übernimmt Verantwortung für einige zugelaufene Tiere und gewöhnt sich im Laufe der Jahre allmählich an die Einsamkeit. Als ein Unbekannter in ihre Isolation einbricht, verändert sich ihr Leben ein weiteres Mal.

Julian Pölslers sehr um Werktreue bemühte, subtil inszenierte und vor allem visuell und atmosphärisch fulminante Filmadaption bietet zwar, ähnlich wie die Haushofersche Vorlage, zahlreiche Anklänge an Science Fiction- und Endzeit-Topoi und gibt Anstöße für gesellschaftskritische, emanzipatorische oder naturphilosophische Interpretationsansätze, ist aber offen für ein individuelles Erleben der Geschichte – weitgehender, als es bei Literaturverfilmungen üblich ist. In großartigen Breitwandbildern fängt die Kamera die wilde Schönheit der Gebirgslandschaft ein, an deren Gesetzmäßigkeit und Gewalt sich das neue Leben der Protagonistin zu orientieren hat, und hält so die innere Spannung der ereignisarmen Handlung bis zu deren Ende. Als besonderer Glücksgriff erweist sich die Besetzung der Hauptrolle mit der phänomenal agierenden Martina Gedeck, die der in einer abgeschotteten Seelenlandschaft gefangenen Frauenfigur auf äußerst beeindruckende Weise Gestalt verleiht und so das bildgewaltige Drama zu einem Filmerlebnis werden lässt, das nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Der Film ist freigegeben ab zwölf Jahre.

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