Gemünden/Lohr

Gefrierschrank sollte abtauen: 300.000 Euro Schaden bei Zimmerbrand

Wegenfahrlässiger gefährlicher Brandstiftung stand eine Lohrerin vor Gericht. Mit einer abenteuerlichen Konstruktion wollte sie Wasser erhitzen, am Ende brannte alles.
Symbolbild Gericht Foto: Arne Dedert

"Ich wollte vorsichtig sein", betonte eine 79-jährige Lohrerin in ihrer Verhandlung vor dem Amtsgericht Gemünden. Weil ihr dies nicht gelang, entstand bei dem anschließenden Wohnungsbrand ein Schaden in Höhe von ungefähr 300 000 Euro. Für die enorme Schadenhöhe machte sie auch die Feuerwehr verantwortlich. "Die sind lange nicht gekommen, weil sie noch einen anderen Einsatz hatten", erklärte sie gegenüber Richterin Laura Paczesny.

Dem Brand voraus gegangen war ein Vorgang, wie er täglich in vielen Haushalten vorkommt: der Gefrierschrank musste abgetaucht und enteist werden. Dazu räumte die Frau am 14. Februar vergangenen Jahres das Gefriergut in verschiedene Behälter und lagerte es wegen der günstigen Temperaturen von etwas unter dem Gefrierpunkt auf dem Balkon. Zur Beschleunigung des Abtauvorgangs wollte sie Kochtöpfe mit heißem Wasser in den Gefrierschrank stellen. Wegen einer vorhandenen Gehbehinderung entschied sie, das Wasser nicht in der Küche zu erhitzen, sondern auf einer Kochplatte vor dem Kühlgerät.

Plastikhocker, Sofa, Kabel und Herdplatte

Zu diesem Zweck baute sie sich ein Konstrukt, bestehend aus einem Plastikhocker, den sie vor ein Sofa stellte und baute mit einem Verlängerungskabel die Stromversorgung zur Herdplatte, ließ diese aber nach ihrer Darstellung noch uneingeschaltet. Diese hatte die Frau erst kurz zuvor gekauft und gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten einige Tage zuvor beim Backen von Pfannkuchen ausprobiert. "Die Tischplatte ist nicht heiß geworden", schloss die Rentnerin für sich eine große Strahlungswärme als Brandursache aus.

Ein Kriminalbeamter des Fachreferats Brandermittlung bei der Kripo in Würzburg, der an der Untersuchung vor Ort beteiligt war, rekonstruierte das Geschehen nach Lage der gefundenen Beweise. Demnach hat die verwitwete Rentnerin beim Abstellen der Herdplatte auf den Plastikstuhl diese eingeschaltet oder sie war noch eingeschaltet vom früheren Backen der Pfannkuchen. Dann müsse die Stromzufuhr nur durch das Ziehen des Netzsteckers erfolgt sein und nicht über den Ein- und Ausschalter. Durch die Erhitzung der Platte hat sich der Hocker erwärmt und ist auf das unmittelbar daneben stehende Sofa gefallen. Das hat sich sofort entzündet. Über die Fenstervorhänge und Gardinen sowie den Teppichboden konnte sich der Brand leicht auf das gesamte Zimmer ausbreiten. Das Signal des installierten Rauchwarnmelders hatte die Frau nicht richtig gedeutet. "Ich dachte, das wäre mein Handy", sagte sie.

Nachbar rettete die Frau aus dem Zimmerbrand

Sie selbst war, als der Brand ausbrach, in ihrer Küche. Dort hatte sie telefoniert und eine Kleinigkeit gefrühstückt. Erst durch ihren Mieter, der die Wohnung über ihr bewohnt, wurde sie auf den Zimmerbrand aufmerksam. Der hatte Rauchschwaden von seinem Küchenfenster aus gesehen und sofort reagiert. Er eilte in die Wohnung der Frau, zerrte sie auf die Straße und alarmierte die Feuerwehr.

Rund sieben Monate dauerten die Beseitigung der Brandschäden und die Renovierung des Hauses. Die Kosten von rund 300 000 Euro wurden komplett von den Versicherungen übernommen. Wenn auch die baulichen Schäden komplett beseitigt werden konnten, in der Psyche der Frau hat der Brand Spuren hinterlassen. "Ich bin immer noch am Boden zerstört", erklärte sie. Drei bis vier Stunden kann sie nachts nur noch schlafen und nimmt Antidepressiva. Auch war sie schon zur Behandlung in einer psychosomatischen Klinik.

Einer vom Verteidiger der Frau vorgeschlagenen Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen stimmten weder Richterin Laura Paczesny, noch die Staatsanwältin zu. Diese beantragte wegen fahrlässiger gefährlicher Brandstiftung eine Geldstrafe von 2800 Euro (70 Tagessätze zu 40 Euro). Der Verteidiger eine Halbierung dieses Betrages. In dem noch nicht rechtskräftigen Urteil verhängte Richterin Paczesny eine Geldstrafe von 2000 Euro (50 Tagessätze zu 40 Euro).

Schlagworte

  • Gemünden
  • Herbert Hausmann
  • Amtsgericht Gemünden am Main
  • Brandstiftung
  • Brände
  • Feuerwehren
  • Kriminalbeamte
  • Richter (Beruf)
  • Sanierung und Renovierung
  • Staatsanwälte
  • Wohnungen
  • Wohnungsbrände
  • Zerstörung
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!