MÜHLBACH

Geheimnisse einer Familie

„Die abhandene Welt“: Die Burg-Lichtspiele zeigen den Film in der Vhs-Auslese. Foto: Concorde

Die Burg-Lichtspiele Mühlbach zeigen den Film „Die abhandene Welt“ in der Vhs–Filmauslese am Sonntag um 11.15 Uhr sowie am Dienstag und Mittwoch jeweils um 20 Uhr. Freigegeben ist der Film für alle (Dauer: 101 Minuten).

Familienbeziehungen und vor allem geschwisterliche Bande haben im Schaffen der Filmemacherin Margarethe von Trotta schon immer eine bevorzugte Rolle gespielt. Bereits in früheren Filmen widmete sich die einstige Fassbinder-Schauspielerin den komplexen Gefühlen und Konflikten zwischen Schwestern. In ihrem neuesten Werk „Die abhandene Welt“ greift die Regisseurin diese Thematik ein weiteres Mal auf, verknüpft eine raffiniert verschachtelte Spurensuche zwischen Düsseldorf und dem Big Apple mit einem die Uneindeutigkeit der Existenz betonenden Doppelgängermotiv und gibt mit Anspielungen auf ihre Halbschwester, von der sie lange nichts wusste, dem Ganzen eine deutliche autobiografische Färbung.

Aus dieser Gemengelage entwickelt die Filmemacherin eine fiktive Geschichte, in der Paul Kromberger zufällig im Internet das Bild der amerikanischen Opernsängerin Caterina Fabiani entdeckt, die seiner verstorbenen Frau verblüffend ähnelt. Er bittet seine Tochter Sophie, eine Jazzsängerin, in New York Genaueres über die mysteriöse Caterina herauszufinden, die sich aber als unausstehliche Diva entpuppt und zunächst nichts von einer möglichen Verwandtschaft in Deutschland wissen will. Doch als es der gewieften Sophie gelingt, mit List und Tücke zu Caterinas dementer Mutter vorzudringen, stößt sie nach und nach auf Familiengeheimnisse, deren Entschleierung die Schicksale Catarinas und Sophies für immer verändern wird.

In einem Wechselspiel der Gefühle thematisiert von Trotta mit großer Emotion das plötzliche Einbrechen der Vergangenheit in die Gegenwart und das Verdrängen von Angst und Schuld. Die Bilder sind strukturiert, das Setting wird dominiert von kühlen Farben und moderner Architektur. Die Konfrontation zwischen den so unterschiedlichen Protagonistinnen wird flankiert durch den Gegensatz zwischen den Hauptschauplätzen, und der Einsatz so unterschiedlicher Musikstile wie Soft-Jazz und Opernarien bildet ebenfalls vielschichtige Spannungsverhältnisse.

Im Gegensatz zu „Hannah Arendt“ schlägt von Trotta hier zwar einen leichteren, insgesamt aber doch eher uneinheitlicheren Erzählton an. Katja Riemann und Barbara Sukowa jedoch verkörpern Sophie und Caterina so intensiv und verleihen den komplexen Figuren so viel Tiefe und Empathie, dass man über kleinere inszenatorische und dramaturgische Schwächen gerne hinwegsieht.

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