RIENECK

Gemeinnützig Kraxeln auf der Burg

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Kinder mit einem selbst gebauten Floß. Foto: EP Extratouren

Seit mittlerweile über 50 Jahren ist die Burg Rieneck in der Hand der Pfadfinder. Doch längst ist das alte Gemäuer nicht mehr nur Ziel von „Fieselschweiflingen“, wie die Organisation in Entenhausen heißt, der Tick, Trick und Track angehören, sondern dort tummeln sich inzwischen Gruppen aller Art. Vor allem junge Leute klettern im Hochseilgarten an der Burg, seilen sich vom Burgturm ab oder gehen im Bogenparcours mit Pfeil und Bogen auf die „Jagd“.

Seit 2012 ist Andreas Michel, 41, aus Obernbreit (Lkr. Kitzingen) Herr über den Klettergarten und die anderen erlebnispädagogischen Gruppenaktionen und hat damit als Leiter den Rienecker Georg Schuhmann abgelöst, der immer noch mitwirkt.

Die Aktivitäten von Gruppen junger Leute rund um die Burg veranstaltet seit knapp zwei Jahren die EP-Extratouren gUG, ein gemeinnütziger Jugendbildungsträger, dessen Geschäftsführer Andreas Michel ist. Sein Vorgänger Georg Schuhmann hatte den Vorläufer GS Extra-Touren GbR gegründet. Michel erklärt, was hinter dem Stempel Gemeinnützigkeit steckt: „Wir machen am Jahresende keinen Gewinn. Alle Mittel, die da reinfließen, müssen wieder in die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fließen.

“ Die Verwaltungskosten dürfen nur maximal 30 Prozent des Umsatzes betragen. Michel schreibt sich auf die Fahne, dass die Erlebnispädagogen, die die Gruppen betreuen, faire Honorare erhalten.

Anders als etwa im Klettergarten in Heigenbrücken, wo laut Michel das Eigenerlebnis im Vordergrund steht, geht es im kleineren Hochseilgarten der Burg Rieneck um das Gruppenerlebnis. Die Unterstützung der anderen sei gefragt, in Rieneck stehe ein Sicherungsteam am Boden, das das Seil halte. Die Jugendlichen lernten so im Team zu arbeiten. Immer dabei sind Erlebnispädagogen, die für die nötige Sicherheit der Teilnehmer sorgen.

Gruppengefühl stärken

Das Gruppengefühl stecke auch hinter den anderen Aktionen, wie dem Abseilen vom Burgturm, dem Bogenschießen, dem Bau eines Floßes am See beim Gut Dürnhof oder Kanutouren auf der Saale. „Wir wollen mit unserer Arbeit junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und Benachteiligungen abbauen“, sagt Andreas Michel über das Ziel der erlebnispädagogischen Angebote.

Knapp 100 Gruppen im Jahr nehmen laut Michel an ein- bis dreitätigen Veranstaltungen von EP(erlebnispädagogische)-Extratouren teil. Die Saison geht von April bis November. Bislang kümmerte sich das Team des gemeinnützigen Unternehmens hauptsächlich um die Gäste der Burg, aber grundsätzlich stehe es für alle in Gruppen organisierten Jugendlichen bereit. So gehören Schulklassen, Konfirmandengruppen und Sportmannschaften genauso zur Zielgruppe wie Gruppen von sozial Benachteiligten aus der Jugend- oder Behindertenhilfe, erklärt Michel.

Dreimal im Jahr bietet EP-Extratouren zudem umsonst Gruppen einen Erlebnistag unter dem Motto „Die gute Tat“ an. Zuletzt profitierten davon die Rienecker Viertklässler, ehemalige krebskranke Kinder der Station Regenbogen, Bewohner von Hohenroth und minderjährige Flüchtlinge.

Michel selbst war ebenfalls Pfadfinder, allerdings von einem anderen Verband als dem der Christlichen Pfadfinder, denen die Burg gehört. Darüber kam er zur Erlebnispädagogik, war im ganzen süddeutschen Raum tätig, auch auf Burg Rieneck. Als Georg Schuhmann einen fähigen Nachfolger suchte, so erzählt es Schuhmann, bot sich Michel an.

Geschäftsführer Andreas Michel sagt, dass EP-Extratouren „immer auf der Suche nach Nachwuchs-Erlebnispädagogen aus der Region“ ist. Das Unternehmen bietet jährlich ein Qualifizierungsprogramm an. „Außer ein wenig Erfahrung im Umgang mit Gruppen von jungen Menschen, etwa durch ein soziales Engagement oder einen pädagogischen Beruf, muss man nur eine gewisse Sportlichkeit mitbringen“, sagt Michel.

Neben den Touren für Kinder und Jugendliche gibt es um Burg Rieneck auch solche für Erwachsene, etwa für Mitarbeiter von Unternehmen. Diese werden aber nicht von der gemeinnützigen EP-Extratouren, sondern von TE (Team-Entwicklung)-Extratouren, ebenfalls geleitet von Michel, angeboten.

Der nächste Ausbildungszyklus zum Erlebnispädagogen beginnt bereits Anfang Februar und aktuell sucht das Team von EP-Extratouren noch dringend nach Verstärkung. „Wer Interesse hat, findet alle nötigen Informationen unter www.ep-extratouren.de und sollte sich möglichst bald bewerben“, erklärt Andreas Michel.

Nur gemeinsam klappt's: Das Gemeinschaftserlebnis steht im Hochseilgarten der Burg Rieneck im Vordergrund. Foto: EP-Extratouren
Schwindelfrei: Eine Teilnehmerin lässt sich am Turm der Burg hängen. Foto: EP-Extratouren

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