Gemünden

Gerichtsverhandlung: Frau rastete in Spielothek aus

"Ich bin keine Person für Krawalle", behauptete eine jetzt 48-jährige Frau aus dem Altkreis Gemünden in der Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Gemünden. Eine Schlägerei mit Beleidigungen und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, alles am 4. September 2016 in einer Gemündener Spielothek passiert, soll damit ein einmaliger Ausraster der Frau gewesen sein. Wegen ihrer verschiedenen Erkrankungen konnte die Verhandlung gegen sie erst jetzt anberaumt werden.

Starke Arzneimittel, auch wegen ihrer starken Depressionen, in Verbindung mit sehr viel Alkohol an besagtem Abend, sollen nach Angaben der Frau zu dem einmaligen Ausraster geführt haben. Auf einer Geburtstagsfeier will sie ordentlich zugelangt haben. Dort habe man ihr auch erzählt, dass der Mann, dem sie vor einiger Zeit einmal 100 Euro geliehen hat, sich in der Spielothek aufhält. Daraufhin ist sie dorthin gefahren, um das Geld zurückzufordern.

Eine Angestellte der Spielothek bestätigte, dass die Frau nach dem Mann gefragt hat, im Übrigen aber wie die anderen Besucher an einem Automaten gespielt hat. Weiter habe sie kurz nach Mitternacht behauptet, dass man ihr den Geldbeutel gestohlen hat und sie 50 Euro vom Inhaber geliehen haben will. Die Angestellte weigerte sich jedoch, ihren Chef um diese Uhrzeit daheim anzurufen. Dafür wurde sie unter anderem als "Nazi-Schlampe" und "Ossi-Schlampe" von der Angeklagten beschimpft. Die alarmierte Polizeistreife brachte die Frau aus dem Lokal und erteilte ihr einen Platzverweis, den sie auch zunächst befolgte.

Kurz nachdem die Beamten sich von dort entfernt hatten, kehrte die 48-Jährige ins Lokal zurück, rannte hinter die Theke und griff die Mitarbeiterin an. Zunächst wollte sie die 55-Jährige wohl mit einem Glas traktieren, stelle dies aber weg und würgte die Frau. Weiter stieß sie die Frau gegen die Spüle. Zwei männliche Gäste kamen der Angestellten zur Hilfe. Während sich der 59-Jährige auf die Angreiferin stürzte, diese zu Boden brachte und fixierte, rief der zweite die Polizei. Dokumentiert wurden sämtliche Abläufe durch mehrere in der Spielothek installierte Überwachungskameras.

Mit den eintreffenden Polizeibeamten hatte die Angeklagte nun zwei neue "Feinde". Sie widersetzte sich der vorläufigen Festnahme und versuchte einen Beamten mit einem Kopfstoß zu verletzen. Weiter weigerte sie sich in den Streifenwagen zu setzen, worauf die Beamten sie auf den Boden ihres VW-Busses legten. Durch Fußtritte versuchte sie sich zu wehren, betitelte die Beamten als "Arschlöcher" und warf ihnen vor, sie ins Gesicht getreten zu haben. In der Folge wurde gegen den beschuldigten Polizisten ein internes Verfahren eingeleitet.

Die Aufnahmen der Überwachungskameras sowie Aussagen der Beteiligten und den herbeigerufenen Mitarbeitern des Rettungsdienstes belegten jedoch ein einwandfreies Verhalten des Polizisten, worauf das Verfahren eingestellt wurde. Da die Angeklagte über Verletzungen klagte und auf eine Einlieferung ins Krankenhaus bestand, wurde sie vom Rettungsdienst in das Kreiskrankenhaus Lohr gebracht.

Da die Frau ihre psychische Erkrankung zusammen mit dem Alkoholgenuss als ursächlich für den Ausraster angab, soll nun die behandelnde Ärztin aus dem Bezirkskrankenhaus vor Gericht gehört werden. Richterin Karin Offermann unterbrach deshalb die Hauptverhandlung, die nun am 7. Februar mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt werden soll.

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