KARLSTADT

Geschichte des Volkes mit Musik weiterschreiben

Das bolivianische „Ensamble Moxos” stellte Passion und Lebensfreude eindrucksvoll musikalisch und optisch dar. Foto: Günter Roth

Ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Konzert bot das bolivianische „Ensamble Moxos“ in der Karlstadter Pfarrkirche „Zur Heiligen Familie“ mit einer Mischung aus Barockmusik der Jesuiten und ihrer eigenen Folklore aus dem Regenwald im Amazonasbecken.

Gut, man war zunächst schon etwas erstaunt, im zweiten Drittel des Monats Mai musikalische Werke aus der Liturgie der Passionswoche zu hören. Doch wenn man sich vergegenwärtigt, dass Passion nicht nur Leiden, sondern auch Leidenschaft bedeutet, erschien das Gehörte schon in einer anderen Perspektive. Denn die richtige Passion hatten die Besucher aus Bolivien in jeder Hinsicht zu bieten.

Das erstaunlichste aber war die Mischung der Musikstile als Ergebnis des Aufeinandertreffens zweier Kulturen. Da waren die Einflüsse der Barockmusik, die die Jesuiten-Missionare Ende des 17. Jahrhunderts mitgebracht hatten und dann waren die ureigensten Traditionen der Erben der „Moxos“ und ihrer Spiritualität. So wechselten sich schlichte, aber ungemein anrührende Motive ab mit aufwändigen Arrangements, die schon deutlich an Monteverdi oder sogar schon etwas an Vivaldi erinnerten.

Alles aber wurde mit großem Ernst und voller Hingabe vorgetragen, vor allem aber mit meisterhaft hoher Musikalität. Neben großartigen Geigern und brillanten Sopranistinnen überzeugte vor allem der von Raquel Maldonado bestens geführte Chor. Dazu gab es eine Reihe einheimischer Instrumente wie Trommeln aus Holz, Kuh- oder Kalbfell, Flöten aus Vogelknochen und natürlich die imponierten „Bajones“, die mannshohen Bassflöten aus Palmblättern. Lebensfreude pur zeigten die Musiker aus Bolivien dann am „Ende der Passionswoche“, als sie zum großen Fest in prächtigen Gewändern und mit stattlichem, exotischen Kopfschmuck wie Federkronen zur „Osterfeier“ aufspielten.

In dem kleine Dorf San Ignacio de Moxos, im bolivianischen Amazonasbecken wirkten für nur etwa ein Jahrhundert die Jesuiten, die unter anderem die Grundlagen der europäischen Barockmusik in den Regenwald mitbrachten. Die heute dort ansässige Musikschule wurde vor 20 Jahren gegründet und ermöglicht Menschen mit geringem Einkommen eine musikalische Ausbildung. Von hoher Qualität, wie man in Karlstadt hören konnte. Mehr als 300 Schüler werden dort unterrichtet. Diese können so nicht nur einen professionellen Abschluss erwerben, sie sollen auch Zugang zu ihrer eigenen Geschichte erhalten, sich verantwortlich für ihre Identität fühlen und ein Bewusstsein für ihre Vergangenheit bekommen, um auf diese Weise die Geschichte des Volkes mit Musik weiterzuschreiben, so die Absicht des Projekts.

Unterstützt wird die Schule von dem Würzburger Verein „Corazones por América Latina“ (COPAL). Auch die Spenden aus den Auftritten ihrer Europatourneen lässt das „Ensamble Moxos“ der dortigen Musikschule zugutekommen.

Weitere Informationen über das Projekt gibt es unter www.copalev.org

Schlagworte

  • Karlstadt
  • Günter Roth
  • Amazonasgebiet
  • Folklore
  • Jesuiten
  • Musik des Barock
  • Regenwald
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!