Karlstadt

Geschichten aus der Kleinstadt sorgten für Lachsalven

"Karschter Gschichtli" zum Schmunzeln: Mit großer Begeisterung aufgenommen wurden die amüsanten Erzählungen von Barbara Wolf im vollbesetzten Stübchen der Gaststätte Liesl Karlstadt. Foto: Robert Emsden

Reichlich Anlass zum Schmunzeln gab es bei der offenen Lesung "Karschter Geschichtli" von Barbara Wolf in der Liesl Karlstadt. Prallgefüllt war das auf Nostalgie eingerichtete Stübchen mit 25 Interessierten, die schon vom Alter her bestens qualifiziert waren, die amüsanten Erzählungen aus der trauten Heimat nachzuvollziehen bezeihungsweise wiederzuerkennen. Mit ruhiger Stimme gelang es der Karlstadter Schriftstellerin Barabara Wolf im Nu, ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen und ihnen immer wieder Lachsalven zu entlocken. Hoch im Kurs standen zunächst rhetorische Sternstündchen von Karschter Originalen, so eines Stockleb-Bruders, der beim Verkauf eine Brillennase in der Faschingszeit auf die Frage einer unentschlossenen Kundin "Steht mir die Nase?" scherzhaft antwortete: "Also, die Nase kostet 2 Euro 90. Daran verdiene ich gerade mal 50 Cent – und da ist die Beratung nicht dabei."

Einen bleibenden Eindruck bei Barbara Wolf hinterließ ebenfalls Zahnarzt Janson, der ausgiebig an ihrem empfindlichen Zahn herumkratzte und bohrte und sich dann scherzhaft beschwerte: "Sie reden ja heute gar nicht mit mir." Köstlich auch die Erinnerung einer Patientin, die nach der Behandlung eines eingewachsenen Zehennagels beim Orthopäden Röthlein zur Nachuntersuchung erscheint und seine Feststellung "Das sieht aber schon gut aus, das ist gut verheilt " mit "Aber Herr Doktor, das Pflaster ist doch noch dran!" schonungslos relativiert.

Zum Schmunzeln war auch die Erfahrung von Barbara Wolfs Mann Hans in der Gaststätte "Karlsburg", wo der Wirt Eberhard ihn fragt: "Warum schaust du in die Karte? Du nimmst doch sowieso das Pfeffersteak" – "Stimmt!" Skurril auch die Situation beim 60. Geburtstag des neuen Rektors Niklaus an der Karlstadter Realschule, der dem langjährigen Mathelehrer Hans Wolf die prominenten Gratulanten Schmidt von der Sparkasse, Kraft von der Raiffeisenbank und Goldkuhle als stellvertretenden Bürgermeister hochoffiziell vorstellen wollte und durch das dreifache "Grüß dich, Hans!" etwas irritiert war. Unisono erklärten sie: "Sie brauchen uns nicht vorzustellen. Wir waren alle beim Hans in der Schule."

Weitere kleinstädtische Glanzlichter lieferten die Bemühungen des "Doktor Unblutig", als Präsident des neugegründeten "Vereines zur Erforschung der Grundlagen des Lebens" seine Mannschaft zu rekrutieren. "Also, Kassier kann ich auf keinen Fall machen. Ich habe in der Jugend eine Uhr geklaut", wehrt ein arbeitsscheuer Stammtischfreund ab. Für weitere Lachsalven sorgte die misslungene Eskapade von vier Karschter Jünglingen, die vor hatten, sich ins Pariser Nachtleben stürzen, aber am Ende – von der Müdigkeit übermannt - nicht weiter als Wiesenfeld kamen. Vielleicht war das auch gut so, denn Französisch konnten sie nicht – auch nicht die Sprache.

Gegen Ende des überaus kurzweiligen Abends berichtete Wolf über den Slapstick-Kellner in der Gaststätte "Zur Mühle" und über den überwachungsfreudigen Pfarrer, der das "wilde Treiben" der Mühlenkunden mit den Mägden an der Rossmühle dokumentierte.  Aufschlussreich und spannend auch die Historiengeschichte  "Die Schweigerose" um die damalige Visite des gestrengen Fürstbischofs Julius Echter, der mit Geschick, Fantasie und  handwerklichen Können von den Karschtern düpiert wurde.

Barbara Wolf ist auch Projektleiterin der Literaturfreunde, die sich an jedem ersten Freitag im Monat von 17 bis 19 Uhr in Carlos Galerie im Oberen Tor treffen. Insgesamt hat sie sechs verschiedene Geschichtesammlungen veröffentlicht, die in den Karlstadter Buchhandlungen erhältlich sind.   

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