Karlstadt

Gewerkschaft: Kandidaten sollen sich für Tariftreue einsetzen

Bei der öffentlichen Auftragsvergabe soll der Betrieb zum Zug kommen, der seine Beschäftigten anständig entlohnt. Dies fordert die Gewerkschaft.
Die Gewerkschaft Main-Spessart nutzt die Kommunalwahl, um sich für bessere Arbeitnehmerrechte einzusetzen. Unser Bild zeigt von links Björn Wortmann, Stefan Rümmer, Dieter Ehrenfels und Wolfgang Tröster. Foto: Klaus Gimmler

Eine Wahl ist eine gute Gelegenheit, die Kandidaten auf ihre Ziele abzuklopfen. Dies tut die Gewerkschaft Main-Spessart. Sie erwartet von den für die Gewerkschaft wählbaren Kandidaten bei der Kommunalwahl am 15. März, dass diese sich für eine Tarifbindung bei der öffentlichen Auftragsvergabe, die Begrenzung von befristeten Arbeitsverträgen und einen besseren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einsetzen. "Dies ist wichtig für eine gute Daseinsvorsorge", sagte Regionssekretär Björn Wortmann bei einem Pressetermin im Gasthaus "Zur Rose" in Karlstadt am Montag. Eine Empfehlung für eine Partei will die Gewerkschaft aber nicht geben.

Zum Pressetermin waren neben Wortmann auch Stefan Rümmer in seiner Funktion als stellvertretender DGB-Kreisvorsitzender, DGB-Vorstandsmitglied Wolfgang Tröster und Dieter Ehrenfels, Vizepräsident der Handwerkskammer Unterfranken, erschienen. Auch sie betonen, dass die öffentliche Auftragsvergabe künftig mehr an Tariftreue gebunden sein müsse. Nicht der Betrieb solle zum Zug kommen, der das billigste Angebot abgibt. "Er muss auch beweisen, dass er seine Beschäftigten anständig entlohnt", hieß es.

Kommunen legen Kriterien bei Auftragsvergabe fest

Laut der Gewerkschaft ermöglicht das Vergaberecht diesen Spielraum. Nicht das billigste Angebot müsse angenommen werden, sondern das wirtschaftlichste. Die Kommune könnte dabei die Kriterien festlegen, die ihr wichtig sind. Dies könnten auch ökologische und soziale Kriterien sein. Mit einem Fragebogen will die Gewerkschaft erkunden, wie die Stadtkämmerer und die Kandidaten für die Landratswahl und für die Bürgermeisterwahlen der großen Städte im Landkreis dazu stehen.

Die Gewerkschaft sieht die Kommune als sozialer Arbeitgeber, doch knapp die Hälfte der Neueinstellungen im Landkreis seien befristet, sagt Wortmann und bezeichnete dies als "verlängerte Probezeit". Er räumt ein, dass es bei Projektarbeiten oder Elternzeit-Vertretungen auch gute Gründe für befristete Arbeitsverhältnisse gebe, oft seien diese aber nicht gerechtfertigt. "Sie lassen die Arbeitnehmer im Unsicheren", wurde betont.  

Der Gewerkschaftsbund will sich für eine gute Daseinsvorsorge einsetzen und erwartet dies von den zur Wahl stehenden Kandidaten. Denn es nütze nichts, wenn Tariferhöhungen durch höhere Mieten wieder aufgefressen werden. Das Wohnen sei im Landkreis in den letzten Jahren deutlich teurer geworden. Laut einer von der Gewerkschaft in Auftrag gegebenen Untersuchung sind die Mieten vom 1. Quartal 2014 bis zum 4. Quartal 2018 im Landkreis Main-Spessart von 5 Euro auf 6,77 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche gestiegen. Dies sei immer zwar noch günstiger als in Würzburg oder Aschaffenburg, aber der Trend sei deutlich. Die Mieten steigen und senken das zur Verfügung stehende Einkommen.

Für einen besseren ÖPNV

Die Gewerkschaft setzt sich auch für einen kostengünstigeren und besseren ÖPNV ein. Die Anbindung auf dem Land müsse sich deutlich verbessern. Für Jugendliche müsse ein 365-Euro-Ticket her, hieß es. Ein Euro am Tag - mehr dürfe das ÖPNV-Ticket nicht kosten. Andere Bundesländer wie Hessen, die das anbieten, seien ein gutes Beispiel.

Rümmer fordert zudem eine kommunale Sozialberatung, die sich nach dem Vorbild der kommunalen Rentenberatung etablieren müsse. Es gebe so viel Bedarf, sagt er. Da brauche es einen Sozialberater als "Wegweiser", der die Ratsuchenden berät. 

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