Lohr

Glosse: Bayerstürmer, Fischers Fritz, Karli Keiler und Co.

Die letzte Wochenend-Glosse dieses Jahres will ein Zeichen setzen: So wichtig jeder Kolumnenschreiber seine Heimat nimmt, gibt es doch auch Themen, die alle angehen.
Die vier Turmkerzen von Gemünden: Der Advent ist vorbei, das Jahr neigt sich dem Ende zu. 
Die vier Turmkerzen von Gemünden: Der Advent ist vorbei, das Jahr neigt sich dem Ende zu.  Foto: Raimund Eirich

Der Karli Keiler aus Gemünne ist krank, Fischers Fritz aus Hädefeld hat Urlaub (wohl verdienten, möcht' man ergänzen) und in Karscht ist kein einziger "Sack Zement" mehr auf Lager. Die Main-Post-Kolumnisten haben sich abgesprochen: Dann spricht der Bayerstürmer aus Lohr diesmal für alle.

Erlaubt mir zum Jahresende auch einen Blick über den Tellerrand hinaus. Erlaubt, dass ich philosophisch werde. "Panta rhei" – alles fließt, alles ist im Werden, in unaufhörlicher Bewegung. Diese Erkenntnis wird dem Philosophen Heraklit zugeschrieben und ist so um die 2500 Jahre alt. Wie zutreffend sie ist, merken wir heute mehr denn je, da alles sich viel schneller zu verändern scheint. Kaum ein Jugendlicher kennt heute mehr Telefone mit Wählscheibe und Schnur, Rasenmäher ohne Motor, kaum einer schreibt noch mit dem Füller Liebesbriefe, die mit der Post verschickt werden. Ein Leben ohne Internet ist gar nicht mehr vorstellbar. Alles fließt.

Warum wir nicht von "den Flüchtlingen" und "den Karschtern" reden sollten

Heraklit lebte übrigens in Ephesos, gut 400 Kilometer entfernt von Myra, woher jener Nikolaus stammt, der nach und nach vom Weihnachtsmann abgelöst wird. Beide Orte liegen heute in der Türkei, jenem Land also, in dem 'zigtausende von Flüchtlingen in überfüllten Massenlagern leben -während  sich die Gemeinschaftsunterkünfte in Main-Spessart leeren. Knapp 1500 sind vor drei, vier Jahren zu uns gekommen. Etliche wurden abgewiesen, etliche haben sich bereits in kurzer Zeit integriert. Wir tun gut daran, nicht kollektiv von "den Flüchtlingen" zu reden, von "den Ausländern". Denn sie sind so verschieden wie "die Main-Spessarter", "die Karschter" oder "die Hädefelder".

Sack Zement und zum Dunnerkeil nochemol: Ist es nicht sogar so, dass wir viele von ihnen brauchen? Wo stünden wir denn heute ohne die Gastarbeiter und Döner-Verkäufer aus der Türkei, die Pizzabäcker aus Italien und die Glasmacher aus Frankreich und die Polinnen, die uns bei der Pflege von Eltern und Großeltern helfen?

Ein Häuflein, das einen Haufen mobilisiert hat

Wer im Geschichtsunterricht auch nur ein bisschen aufgepasst hat, der weiß: Die Menschheit war immer in Bewegung. Panta rhei. Das Klima ist es auch. Nur dass wir es heute stärker selbst beeinflussen als jemals zuvor. Spätestens im Dürresommer 2019 haben wir es auch im Spessart gemerkt. Drum fand ich es gut, dass ein Häuflein Jugendlicher aus dem Landkreis einen noch größeren Haufen Erwachsener mobilisiert und uns den Spiegel vorgehalten hat.

In diesen müssen sie übrigens auch selbst schauen. Denn jeder, der die Verantwortung "den Politikern" in die Schuhe schiebt, der hat eines nicht verstanden: An jedem Wandel ist auch jeder einzelne Main-Spessarter beteiligt. Was esse ich (der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch und Wurst ist seit 1991 um nicht mal vier Kilo auf 60 Kilo pro Jahr gesunken)? Wohin fahre oder fliege ich in Urlaub? Wieviele Filme streame ich auf dem Handy? Wo und was kaufe ich? Jede individuelle Entscheidung zählt! 

Wie gut es uns trotz alledem geht, hat unser MSP-Adventskalender gezeigt: Kaum einer, der Materielles auf seinem Wunschzettel hatte. Frieden und Gesundheit standen meist im Vordergrund. Dies seien denn auch die Wünsche, mit denen wir Euch ins neue Jahr schicken, Euer Bayerstürmer im Namen von Karli Keiler, Fischers Fritz und Sack Zement.

Rückblick

  1. Glosse: Augen auf bei Rollator-Omas!
  2. Glosse: Was die Main-Spessarter wirklich juckt
  3. Glosse: Halten Exhibitionisten Himmelstadt für das Paradies?
  4. Glosse: Letzte Chance für den Lohrer Kühlschrank-Räuber
  5. Glosse: Main-Spessarts größte Irrtümer
  6. Glosse: Kapier's endlich: Corona go home
  7. Glosse: Nur der Onkel-Otto-Laden kann unser Heimatgefühl noch retten
  8. Glosse: Main-Spessarts Biergärten und (k)ein Geheimtipp
  9. Glosse: Von falschem Urin und anderen Accessoires
  10. Glosse: Konferieren aus der Duschkabine
  11. Glosse: Lieber einen Freien geschluckt, als dass ein Grüner muckt
  12. Glosse: Warum jetzt eins ins andere greift
  13. Glosse: Rappeln mit dem Virus
  14. Glosse: Quarantäne für Bayerstürmer & Co.
  15. Glosse Bayerstürmer: Lohrer Fake News
  16. Glosse Fischers Fritz: Lächeln nicht vergessen
  17. Glosse Sack Zement: Fette Deals mit Klopapier
  18. Glosser Sack Zement: Fette Deals mit Klopapier
  19. Glosse Bayerstürmer: Ein Muss für jeden Bürgermeister
  20. Glosse: Fischers Fritz: Kann man über Corona noch Witze machen?
  21. Glosse Bayerstürmer: Pfui! Lohrer Schmuddelecken
  22. Glosse Bayerstürmer: Abba und Randale
  23. Glosse Fischers Fritz: Mein Gott, sind wir langweilig
  24. Glosse Fischers Fritz: Wer verliert, gewinnt
  25. Glosse Bayerstürmer: Ob Natze hilft oder Orlando Bloom?
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  27. Glosse Karli Keiler: Rettet das boomende Massenbuch Gemünden?
  28. Glosse Bayerstürmer: Des Wahlkampfs närrische Seiten
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  30. Glosse Fischers Fritz: Zweieiige Zwillinge
  31. Glosse Fischers Fritz: Was hinten rauskommt
  32. Glosse Bayerstürmer: Schneewittchen und die Merkel-Raute
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  36. Glosse Fischers Fritz: Ein Huhn kommt selten allein
  37. Glosse Bayerstürmer: Plant die Goikelbräu den großen Coup?
  38. Glosse: Bayerstürmer, Fischers Fritz, Karli Keiler und Co.
  39. Glosse Bayerstürmer: In Lohr geht's voran, nicht aufwärts
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  41. Glosse Bayerstürmer: Lohrer Eitelkeit
  42. Glosse Fischers Fritz: Gemeingefährliche Fälscher sind unterwegs
  43. Glosse: Karli Keiler: Weihnachten, das geht gar nicht!
  44. Glosse Fischers Fritz: Oh, du fröhliche, bunte Adventszeit
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